+
Wer sein Flachdach begrünen will, muss bei der Planung eine geeignete Tragfähigkeit berücksichtigen. Foto: Frank Rumpenhorst

Flachdächer sind meist nicht flach - Tipps zur Planung

Wenn die örtlichen Bebauungspläne es zulassen, wählen viele Bauherren inzwischen ein Flachdach. Der Vorteil liegt auf der Hand: Darauf kann es eine Terrasse geben, einen Dachgarten, sogar ein Swimmingpool lässt sich hoch oben installieren.

Berlin (dpa/tmn) - Der Trend geht zum Flachdach. Denn es schafft zusätzlichen Raum auf dem Haus. Der lässt sich als Terrasse, Dachgarten oder Parkplatz nutzen. Sogar Swimmingpool und Sportgeräte finden Platz.

Mit der wachsenden Beanspruchung steigen allerdings auch die Ansprüche an Planung und Ausführung von Flachdächern. "Das Flachdach gehört zu den am stärksten beanspruchten Bauteilen am Gebäude", erklärt Dietrich Kabisch vom Bauherren-Schutzbund.

"Flachdächer verzeihen nicht die kleinste Unachtsamkeit", erläutert Josef Rühle vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks. "Sie müssen bauphysikalisch exakt durchdacht und dann von versierten Spezialisten errichtet werden." Denn Flachdächer zeichnen sich durch eine flächige fugenlose Abdichtung aus und sie überbrücken teilweise große Spannweiten. Dabei sind sie unter Umständen sehr hohen Gewichtsbelastungen durch Nutzflächen mit Belägen, Schnee oder stehendem Wasser ausgesetzt.

Flachdächer gibt es als Warm- oder Kaltdächer. "Die eine Version ist nicht per se besser als die andere", stellt Rühle klar. Beide haben Vor- und Nachteile. Die älteste und damit traditionelle Konstruktionsart ist das belüftete Dach, auch Kaltdach genannt. Dieses hat zwei Schalen. Unter der Dachhaut befindet sich ein Freiraum, die Hinterlüftung. Dort zirkuliert Luft, was ermöglicht, dass Feuchtigkeit, die aus dem Inneren des Hauses abzieht, abtransportiert wird. So bleibt das Dach trocken. "Typischerweise ist ein Kaltdach in Schichten aus Deckenverkleidung, Dampf- und Luftsperrschicht, Wärmedämmschicht, Luftraum, Holzschalung und Dachabdichtung ausgebaut", erklärt Rühle.

Wegen der fehlenden oder geringen Neigung von Flachdächern bestehe hier aber die Gefahr, dass der Luftaustausch durch Windsog und -druck zu gering ist und deshalb die natürliche Lüftung nicht ausreicht. "Dann sollte man über ein Warmdach nachdenken", so der Experte.

Das Warmdach wird einschalig ausgeführt. Alle Schichten liegen unmittelbar auf der tragenden Decke auf. Ein typisches Warmdach besteht aus einer Betondecke, einer Schalung oder einem Stahlprofilblech mit Dampfsperre, Wärmedämmschicht und Abdichtung. Früher neigten solche Warmdächer mit einer falschen Dampfsperre aber dazu, feucht zu werden durch die ausströmende Raumluft. "Mit der Entwicklung leistungsfähiger Dampfbremsen hat sich das aber geändert", sagt Rühle. "Heutzutage sind Warmdächer die bevorzugte Konstruktionsform beim Flachdachaufbau."

Flachdächer sind, anders als ihr Name suggeriert, nicht immer flach. Das sogenannte Nullgraddach ohne jegliche Neigung ist sogar die Ausnahme. Die meisten Flachdächer werden mit einer Neigung von mindestens zwei Prozent geplant. "Das sieht auch die Flachdachrichtlinie vor", erklärt Bauberater Kabisch. Er rät auch: "Wo es möglich ist, sollte ein leichtes Gefälle eingeplant werden. Es ist für den Betrachter kaum zu sehen, leistet aber gute Dienste." Das Wasser fließt hier besser ab.

Auf Nullgraddächern sammelt sich Regenwasser und Schnee. Wenn dann die Dachabdichtung auch nur ein winziges Leck hat, kann das Wasser in die gesamte Konstruktion eindringen und große Schäden verursachen. Und das passiert gar nicht so selten. Solche Schäden entstehen zum Beispiel im Winter schnell, wenn Eis und harter Schnee Risse in der Abdichtung des Daches verursachen.

Ob ein Flachdach mit oder ohne Gefälle gebaut wird, hängt maßgeblich von seiner späteren Nutzung ab. Manchmal ist es notwendig, auf das Gefälle zu verzichten, zum Beispiel beim Bau einer barrierefreien Terrasse. "Wer einen Hausgarten auf seinem Dach plant, den er wie einen ebenerdigen Garten nutzen will, sollte idealerweise ein ungeneigtes Dach haben", ergänzt Wolfgang Ansel, Geschäftsführer des Deutschen Dachgärtner Verbands in Nürtingen (Baden-Württemberg).

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Darum sollten Sie auf Kurzwaschprogramme verzichten
Schnelle Waschgänge sparen Zeit, Wasser und Energie - diesen Denkfehler macht wohl jeder von uns. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Warum, erfahren Sie hier.
Darum sollten Sie auf Kurzwaschprogramme verzichten
Wie gut sind Öko-Waschmittel?
Öko-Waschmittel versprechen nicht nur saubere Kleidung, sondern auch ein reines Gewissen. Wer aber die Umwelt beim Wäschewaschen wirklich schützen will, sollte auf die …
Wie gut sind Öko-Waschmittel?
Wenn Sie diese Flecken nicht entfernen, droht Schimmel
Damit Stockflecken sich nicht zu einem handfesten Schimmel entwickeln, müssen sie schleunigst von Wand, Matratze, Wäsche & Co. entfernt werden. So funktioniert's.
Wenn Sie diese Flecken nicht entfernen, droht Schimmel
Wie Sie mit einer PET-Flasche ein verstopftes Klo frei machen
Wenn die Toilette verstopft ist, greifen wir oft zum Pömpel. Allerdings können auch Hausmittel für Abhilfe sorgen. Wir haben die besten Tricks für Sie gesammelt.
Wie Sie mit einer PET-Flasche ein verstopftes Klo frei machen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.