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Ein buntes Universum offenbart diese Küche.

Foto-Ausstellung

So sehen die Küchen der Giesinger aus

Lange Zeit galt Giesing als Arbeiter- und Traditionsviertel, doch der Strukturwandel macht sich immer mehr bemerkbar. Bevor der Stadtteil an Spekulanten verloren geht, hat eine Fotografin Räume an der Tegernseer Landstraße porträtiert:

Das gesamte gesellschaftliche Spektrum

Die Tegernseer Landstraße ist eine der vielfältigsten Straßen der Stadt. Hier trifft man in relativ zentraler Lage noch das gesamte gesellschaftliche Spektrum: An der „TeLa“ leben Arm und Reich, Spießer und Alternative, Ur-Giesinger und Migranten. „Diese Vielfalt wollte ich abbilden“, sagt Verena Hägler. Darum hat die 37-jährige Fotografin ein Jahr lang Porträts von Küchen entlang der TeLa gemacht. 2013 hat sie für ihr Projekt den Preis des Münchner Akademievereins gewonnen. Noch bis 23. März stellt Hägler die Fotos an der Tegernseer Landstraße 99 aus.

Obergiesing ist mitten in einem Wandel

Die Adresse sagt viel aus über das Projekt. Denn das alte Haus soll abgerissen werden, im April rücken die Bagger an, sagt Hägler. Bis dahin darf sie die ehemalige Bäckerei Wildenauer im Erdgeschoss als Atelier nutzen. „Obergiesing ist mitten in einem Wandel, den andere Stadtteile schon hinter sich haben“, sagt die gebürtige Münchnerin. „Mein Viertel, Haidhausen, ist schon lange gekippt.“

Mieten steigen, Altbauten werden saniert

Häglers Ansinnen ist also die Dokumentation einer Gesellschaft, die es bald auch in Giesing nicht mehr geben wird. Denn auch hier steigen die Mieten, werden Altbauten saniert, stehen bald die Spekulanten Schlange – spätestens, wenn die TeLa verkehrsberuhigt wird. „Natürlich wird sich eine Stadt immer wandeln“, sagt Hägler. „Aber ich möchte mit meinem Projekt zeigen, dass Vorsicht geboten ist, wenn man Vielfalt erhalten will.“

Bunt, funktional oder rustikal: Küchen in Giesing

Küchen, so klein wie ein Kämmerchen

63 Wohnungsbesitzer konnte sie über Mundpropaganda und Info-Postkarten gewinnen. „Die Schlafzimmer wären zu intim, Wohnzimmer zu repräsentativ“, betont sie. Die Küchen-Porträts denunzieren die Besitzer nie – obwohl Hägler erwähnt, viele hätten ihre Küchen nicht extra aufgeräumt. Sie berichtet von Kämmerchen, die so klein waren, dass sie kaum fotografieren konnte. „Eine Küche erstreckte sich dafür über ein ganzes Stockwerk.“ Im Ausstellungskatalog bleiben die Besitzer bewusst anonym. Wer hier wohnen könnte, überlässt die Künstlerin der Phantasie des Betrachters. Und eine Geschmacks-Bewertung habe sie schon gar nicht gemacht, betont die Fotografin.

Die Beziehung der Küchenbesitzer zum Viertel

Was Hägler allerdings interessierte, ist die Beziehung der Küchenbesitzer zu ihrem Viertel. Darum hat sie anonyme Interviews geführt. Zum Beispiel mit einer ehemaligen Hausmeisterin, die seit 1968 an der TeLa lebt. „Ist Giesing Ihre Heimat?“, fragt sie sie. „Ja. Ja. Doch“, antwortet die Dame. „I kannt jetzt zum Beispiel ned am anderen Ende der Stadt mehr wohna. Des gang nimmer. Weil ma an oidn Baum ned verpflanzt.“

Johannes Löhr

Die Ausstellung läuft noch bis Sonntag, 23. März, jeweils von Mittwoch bis Freitag, 16 bis 20 Uhr, und Samstag, 12 bis 18 Uhr, an der Tegernseer Landstraße 99.

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