+
Bevor Käufer bei Eigentumswohnungen zuschlagen, sollten sie unbedingt die zugehörige Gemeinschaftsordnung anschauen. Foto: Andrea Warnecke

Gutes Zusammenleben - Gemeinschaftsordnung vor Kauf lesen

Wer eine Wohnung kauft, hat nicht nur Rechte. Eigentümer haben auch Pflichten. Geregelt sind sie unter anderem in der Gemeinschaftsordnung. Um unangenehme oder teure Überraschungen zu vermeiden, ist es gut, das Dokument schon vor dem Kauf zu kennen.

Bonn (dpa/tmn) - Zustand, Lage und Finanzierung - wer eine Wohnung erwerben will, muss vieles beachten. Nicht zuletzt das Kleingedruckte im Kaufvertrag. Dazu gehört für Mitglieder einer Eigentümergemeinschaft auch die Gemeinschaftsordnung. Häufig wird sie von Wohnungskäufern unzureichend beachtet.

Dabei gilt sie als das Regelwerk für das Zusammenleben. Denn hier sind die Details zum Eigentum geregelt. Lothar Blaschke, Vizepräsident des Verbands Deutscher Grundstücksnutzer, bezeichnet sie auch als "inneres Gesetz". Wer die Gemeinschaftsordnung vorher nicht durchliest, kann später Probleme bekommen.

Was ist in der Gemeinschaftsordnung geregelt?

Im Wesentlichen geht es dabei um drei wichtige Bereiche - die Verwaltung der Eigentümergemeinschaft, die Kostenaufteilung beim Gemeinschaftseigentum sowie die Regeln zum Sondereigentum. Die Gemeinschaftsordnung legt also beispielsweise fest, welche Aufgaben der Verwalter hat, erklärt Sabine Feuersänger, Referentin beim Verband Wohnen im Eigentum in Bonn. Oder wie hoch die Instandhaltungsrücklage sein muss.

Häufig stehen dort auch Einzelheiten zur Eigentümerversammlung. Vor allem zur Frage der Stimmverteilung, ergänzt Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund in Berlin. Nicht zuletzt kann sie Bestimmungen zu den Wohnungen enthalten - also Fragen zum Sondereigentum klären. Beispielsweise: "Darf ich in meiner Wohnung gewerblich tätig werden? Darf ich die Wohnung vermieten? Darf ich sie sogar tageweise vermieten?", erklärt Feuersänger.

Auch bestimmte Vereinbarungen für das Gemeinschaftseigentum kann sie enthalten, etwa ob alle Eigentümern gemeinsam den Austausch von Fenstern finanzieren müssen, da sie zur Fassade und damit zum Gemeinschaftseigentum gehören.

Wer setzt die Gemeinschaftsordnung auf?

Die Gemeinschaftsordnung wird meist von dem Eigentümer bestimmt, der die Wohnungen aufteilt und verkauft. "Das ist in der Regel ein Bauträger", sagt Feuersänger. Jede Änderung muss ein Notar beglaubigen, da die Gemeinschaftsordnung im Grundbuch hinterlegt wird. Grundsätzlich kann sie nur geändert werden, wenn alle Eigentümer zustimmen, sagt Happ. Das Regelwerk ist entweder Bestandteil der Teilungserklärung oder eine gesonderte Urkunde.

Welche möglichen Stolpersteine gibt es?

Probleme kann es geben, wenn in der Gemeinschaftsordnung etwa festgelegt ist, dass eine jährliche Eigentümerversammlung nicht verpflichtend ist. "Dadurch werden die neuen Eigentümer faktisch entmachtet, denn Weisungen an die Verwaltung kann die Gemeinschaft nur in der Versammlung beschließen", sagt Feuersänger.

Auch eine Regelung, dass die einzelnen Eigentümer die Instandhaltungskosten für Gemeinschaftseigentum übernehmen müssen - etwa für die Wohnungsfenster, sieht Feuersänger kritisch. "Das kann zu Konflikten führen, wenn die Eigentümergemeinschaft den Austausch der Fenster beschließt und einzelne sich weigern."

Was bedeutet das für Käufer?

Vor dem Kauf sollten Käufer die Gemeinschaftsordnung genau durchlesen, rät Happ. Feuersänger empfiehlt zusätzlich: Alles, was man selber nicht versteht, sollte man sich erklären lassen - etwa von einem Experten für Eigentumsrecht.

Ratgeber des Verbandes Wohnen im Eigentum

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Augmented Reality holt virtuelle Sofas ins Zimmer
Die Hürde beim Online-Shopping von Möbeln ist die Vorstellungskraft: Wie wirkt der Tisch von der Webseite wohl zu Hause? Ist das Sofa nicht zu wuchtig für mein …
Augmented Reality holt virtuelle Sofas ins Zimmer
Mit diesen fünf Fehlern können Sie Ihren Rasen ruinieren
Mit dem Beginn der Gartensaison steht auch wieder die Pflege des Rasens an. Diese Tipps sollten Sie dabei berücksichtigen, um dem Rasen dabei nicht zu schaden.
Mit diesen fünf Fehlern können Sie Ihren Rasen ruinieren
Mit diesen Tipps reinigen Sie Ihren Grillrost kinderleicht
Die Grillsaison hat begonnen: Doch so saftig das Fleisch auch gebrutzelt wird, so schmutzig ist hinterher der Grillrost. Mit diesen Hausmitteln reinigen Sie ihn.
Mit diesen Tipps reinigen Sie Ihren Grillrost kinderleicht
Darum haben Sie die Schublade unter dem Ofen schon immer falsch benutzt
Verstauen Sie in der Schublade unter dem Ofen auch immer Ihre Backbleche oder Backpapier? Tatsächlich ist sie für etwas ganz anderes gedacht.
Darum haben Sie die Schublade unter dem Ofen schon immer falsch benutzt

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.