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Olchinger Bauherren gewinnen den 1. Preis

Wellblechhütte? Nein, das Haus des Jahres 2016

Ein Raumwunder zum Traumpreis: 145 Quadratmeter Wohnfläche für sechs Personen auf acht Zimmer verteilt. Das ist das Einfamilienhaus des Jahres.

„Neue Deutsche Welle“ titeln die Juroren vom Callwey Verlag, „Kleine Welle“ nennt der in Gräfelfing geborene und jetzt in Berlin arbeitende Architekt Guntram Jankowski sein Holzhaus für eine sechsköpfige Familie in Olching. Die macht gerade bundesweit Schlagzeilen mit ihrer „Wellblechhütte“, die auf besondere Weise dem Spruch „Platz ist in der kleinsten Hütte“ gerecht wird. Das Besondere und Preiswürdige: Wohnen kostet hier im Eigenheim nicht einmal die Hälfte der sonst fälligen Miete. Und das in der teuersten Wohnregion Deutschlands.

Von der Not zur Tugend 

Das 356 Quadratmeter große Baugrundstück entstand im Rahmen einer Grundstücksteilung und erlaubte nur einen schmalen Baukörper. Den galt es jetzt optimal zu nutzen – als Heim und Heimat für sechs Personen. Und das geht so: Das Erdgeschoss ist komplett öffentliche Zone; hier wird großzügig gekocht, gegessen, zusammengesessen. Zentral angeordnet und die Bereiche trennend befindet sich ein Würfel für Haustechnik, WC und Stauraum.

Das Bad ensuite zum Elternschlafzimmer.

Apropos: Die schmalen hohen Fenster (bis auf das breite zur Terrasse hin) ermöglichen eine flexible Möblierung gerade im Hinblick auf Stauraum. Denn das Haus hat keinen Keller. Auch daher die günstigen Baukosten von nur 1.580 Euro pro Quadratmeter. Raffiniert gelöst ist das Obergeschoss, das samt Bad den Kindern gehört. Hier wurde – wie im gesamten Haus – praktisch auf Erschließungsflächen verzichtet. Versetzte Wände schaffen Nischen und damit Raum für Schlaf- oder Spielkojen. Wohnen findet hier nicht nur am Boden raumgreifend in der Horizontalen statt, sondern platzsparend in der Vertikalen. Mit zunehmendem Alter könnte das aber unkomfortabel sein.

Kinderzimmer mit Schlaf- und Spielkoje.

27/111 statt 08/15 

Die Redewendung Nullachtfünfzehn steht für „nichts Besonderes“. Sie bezieht sich auf ein Maschinengewehr des 1. Weltkriegs, das 1908 eingeführt und 1915 weiterentwickelt wurde und ab da mit 08/15 gekennzeichnet war, aber wegen seiner Fehlerhaftigkeit von den Soldaten nicht geschätzt wurde. 08/15 eben.

Der Grundriss.

Ganz anders bei 27/111: 

27 steht für die Scheitelhöhe und 111 für den Mittenabstand der Blechwellen, die das gesamte Gebäude einhüllen und es so besonders machen. Auch hier wurde aus der Not eine Tugend: Angedacht war nur ein Dach aus kostengünstigem Wellblech; im Laufe der Planungen wurde aber die Außenwandverkleidung aus Holzpanelen zu teuer. Der Dachdecker machte ein günstiges Angebot und der Plan zur Wellblechhütte stand.

Koch- und Essbereich.

Von wegen Hütte: Nicht nehmen ließ sich der Architekt, das Obergeschoss ein wenig über das Untergeschoss „auskragen“ (also überstehen) zu lassen. Angeblich um bessere Verkehrsflächen darüber zu bekommen. 

Aber mal ehrlich, Herr Architekt: Das ist doch nichts anderes als ein toller Akzent eines Künstlers mit Ideen. Kleiner Kniff, kostet nix, Riesenwirkung. Bravo. 

Das Jury-Urteil 

Die Jury vom Callwey-Verlag war begeistert vom disziplinierten Umgang mit den preiswertesten Materialien (Wellblech, Estrich, Holztafeln), der das Ziel der Sparsamen adelt: 

„Ein Musterbeispiel der Einfachheit für das kleine Budget. Gerade in den wachsenden urbanen Ballungsgebieten bedarf es Wohnlösungen, die sowohl wirtschaftlich als auch platzsparend umgesetzt werden können. Ein modernes Stadthaus und ein Modell für künftiges Bauen."

von Gottfried Moeckl

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