Statt Chemiekeule?

Frühjahrsputz: So effektiv sind Omas Hausmittel

München - Pünktlich zum Frühlingsbeginn wird so manche Putzkammer mit Chemiekeulen aufgerüstet, während andere auf Geheimwaffen aus Omas Zeiten schwören. Christina Kuchenbauer vom Berufsverband Hauswirtschaft verrät, was wirklich dran ist an Essigsäure und anderen Scheuermärchen.

Braucht man wirklich für alles einen Spezialreiniger? Sind natürliche Reinigungsmittel wie Essig- und Citronensäure weniger schädlich als Chemiekeulen? Die Antworten darauf, warum Zwiebeln Gold wert sind und ob es Sinn macht, Kratzer auf dem Parkett mit dem Bügeleisen zu glätten, verrät Christina Kuchenbauer vom Berufsverband Hauswirtschaft. Der Profi weiß außerdem, wie das Zuhause nicht nur beim Frühjahrsputz, sondern das ganze Jahr über nachhaltig sauber bleibt.

Hausmittelchen aus Omas Putztrickkiste

Ungesalzenes Kochwasser von Kartoffeln soll feine Stoffe sanft reinigen und gekochte Kartoffelschalen verkalkten Kochtöpfen zu neuem Glanz verhelfen. „Die Stärke in Kartoffeln hat bleichende Wirkung“, sagt Kuchenbauer. Genauso effektiv ist die Schwefelverbindung aus der Zwiebel bei mattem Goldschmuck. Salz hilft gegen Rotwein, solange der Fleck noch frisch ist. Angelaufenes Silber behandelt Kuchenbauer mit Aluminium. Backpulver verhilft nicht nur Kuchen zu wahrer Größe und Ameisengeplagten zur Ruhe. Es lässt unter anderem graue Kunststoff-Fensterrahmen und Fugen wieder strahlen. „Noch besser als Backpulver eignet sich aber Natron, das nicht im chemischen Prozess backtauglich gemacht wurde“, sagt Kuchenbauer.

Viel hilft nicht automatisch viel

In den meisten Haushalten gibt es zu viele Putzmittel, die oft überdosiert werden. Laut Kuchenbauer reichen ein Glasreiniger, ein neutraler Reiniger für Böden und Oberflächen und ein Sanitärreiniger, damit bekomme man in der Regel alles sauber. „Viel hilft nicht automatisch viel.“ Was die Menge betrifft, könne man sich an die Angaben auf der Verpackung halten. „Die Hersteller machen sich da schon ihre Gedanken.“

Wasser sollte nicht heiß sein

Wichtig ist, dass das Putzwasser nicht zu heiß ist. Gerade bei Glasreiniger verflüssigen sich sonst die flüchtigen Stoffe, die die Streifenfreiheit garantieren sollen, schon im Wasser statt auf der Glasfläche.

Die Putzmittel sollen die Oberflächenspannung des Wassers auflösen, damit dieses reinigen kann. Heiß muss es dazu nicht sein. Einzige Ausnahme: Spülmittel. Seine Fettlösekraft entfaltet sich erst im heißen Nass. Wer zwischen Marken- und Billig-Produkt schwankt, kann getrost sparen. „In der Regel sind alle handelsüblichen Putzmittel gleich gut“, meint Hauswirtschaftsprofi Kuchenbauer.

Bügeleisen gegen Kratzer im Parkett

Dass Hitze Wachs löst, ist kein Geheimnis. „Es kann schon sein, dass man leichte Kratzer im Parkett mit dem Bügeleisen glätten kann“, sagt Kuchenbauer. Allerdings kann der Laie meist nicht erkennen, ob das Parkett gewachst oder geölt ist. „Normalerweise liefert der Hersteller deshalb eine genaue Putzanleitung mit.“ Bei hartnäckigen Kratzern helfe nur die Poliermaschine. Die kann man sich im Baumarkt ausleihen. Jedes Jahr zum Frühjahrsputz lohne der Aufwand laut Kuchenbauer allerdings nicht.

Mikrofasertuch statt High-End-Geräte

Zur Reinigung von Oberflächen reiche ein einfaches Mikrofasertuch, sagt Kuchenbauer. Man sollte bei verschiedenen Oberflächen allerdings verschiedene Tücher nehmen. „Bei Staubsaugern müssen es auch nicht die High-End-Geräte sein. Wobei Allergiker vielleicht auf einen guten Filter achten sollten,“ meint Kuchenbauer. Bei der Bodenreinigung schwört sie auf Wischmopp und Handbesen. Teure Geräte putzen ihrer Ansicht nach nicht besser.

Schädliche Reinigungsmittel

Unter den handelsüblichen Reinigungsmitteln gibt es auch solche, die Menschen und Putzflächen schaden. So zum Beispiel Backofenreiniger. Die Dämpfe, die spätestens beim nächsten Backen durch die Hitze und die Rückstände entstehen, sind gesundheitsschädlich. Außerdem reiche es in der Regel, ein wenig warmes Wasser auf den Boden des Backofens zu tropfen, dieses bei rund 50 Grad eine Weile einwirken zu lassen, sagt Kuchenbauer. Der Wasserdampf, der dann entsteht, reinige ausreichend in Verbindung mit etwas Neutralreiniger.

Ein wahres Scheuermärchen ist übrigens die Scheuermilch, von der Kuchenbauer abrät. Sie schade eigentlich mehr als dass sie nutze. Bei Armaturen zum Beispiel verkratze sie die Oberfläche und zerstöre langfristig den Glanz. Armaturen reinige man daher am besten mit Sanitärreiniger. Auch Essigsäure greife nicht nur die Oberflächen, sondern auch die Atemwege an. „Wenn schon natürliche Mittel, dann Citronensäure, die reinigt sogar noch besser als Essigsäure“, sagt Kuchenbauer. Wer seine Fenster liebt, lässt besser die Finger weg von Zeitungspapier. „Der Holzanteil im Papier verkratzt die Fensterrahmen und auf Dauer auch die Fenster. Ein Glasreiniger und ein fusselfreies Tuch reichen aus,“ sagt Kuchenbauer.

Regelmäßig statt übermäßig

Wer es gern klinisch rein mag, sollte wissen, „dass handelsübliche Desinfektionsmittel ein begrenztes Wirkunsgsspektrum haben und gesunden Menschen überhaupt keinen Nutzen bringen“, so Kuchenbauer. Alle Keime, die im Haushalt vorkommen, hat der Mensch selbst angeschleppt. Normale Reinigungsmittel und regelmäßiges Putzen reichen.

Neben Regelmäßigkeit und dem maßvollen Gebrauch von Standardputzmitteln rät Kuchenbauer dazu mit System zu putzen. „Von rechts nach links, von oben nach unten, das spart Zeit und garantiert langfristige Sauberkeit.“

Katharina Selle

Rubriklistenbild: © dpa

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