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Neue Waschmaschinen schwingen kaum: Auf der Ifa ließ Hersteller LG werbewirksam ein Kartenhaus auf einer Waschmaschine stapeln. Vernetzten Hausgeräten fehlt aber ein Standard, auch vor Hacker-Angriffen sind sie nicht sicher.

Elektronik-Messe IFA

Was neue Hausgeräte alles können

Der Kühlschrank surft im Internet, das Kochfeld saugt auch gleich den Dunst ab, die Waschmaschine trocknet und faltet. Moderne Hausgeräte haben viele Talente, zeigen die neusten Geräte auf der IFA in Berlin.

Die pfiffigsten Einfälle präsentieren auf der diesjährigen IFA eindeutig die Hausgeräte-Hersteller. Da sind etwa die Kühlschränke, die nicht mehr bloß zur Aufbewahrung der Lebensmittel dienen, sondern gleichzeitig auch Multimedia-Zentrale in der Küche sind, wie etwa Samsungs Modell „Familie Hub“. Der 21,5 Zoll (rund 55 Zentimeter) große Touchscreen in seiner Vorderfront dient nicht zur Anzeige von Rezepten, sondern auch als virtuelle Pinnwand und Terminkalender für die ganze Familie. Zu den Mahlzeiten spielt er die passende Tafelmusik vom eigenen Multimedia-Speicher oder dient als Internet-Fernseher. Bei jeder Türöffnung schießt dieser Kühlschrank automatisch ein Foto von seinem Inhalt und stellt es online zur Verfügung. Dann kann man auch noch im Supermarkt ganz schnell mit dem Smartphone nachschauen, was an Lebensmitteln gebraucht wird.

Unsichtbare Kochplatten

Herdplatten sucht man in der Küche der Zukunft vergeblich. Erst wenn der Topf an der richtigen Stelle der Arbeitsplatte steht, leuchtet unter ihm ein Induktionskochfeld auf. So etwa stellt sich Panasonic den Herd der Zukunft vor. Bei anderen Herstellern wie etwa Siemens oder Miele lässt sich das Kochfeld zumindest noch an den Dunstabzugsgittern lokalisieren, die seitlich oder auch in der Mitte integriert sind. Dämpfe und Gerüche werden dadurch gleich vom Topfrand abgesaugt und haben gar keine Chance mehr, in die Küchenluft aufzusteigen.

Waschen, Trocknen, Zusammenlegen

Bloß um trocken zu werden, muss Wäsche die Maschine nicht mehr verlassen. In Waschtrocknern sind beide Funktionen nun in einem Gerät integriert. Vielfach bieten diese Maschinen auch eine „Air wash“-Funktion an, bei dem empfindliche Stoffe quasi nur gelüftet werden. In seine Add-Wash-Geräte hat Samsung eine zusätzliche Klappe integriert, über die etwa eine vergessene Socke in den laufenden Waschvorgang eingespeist werden kann. LG verbaut in seinen Waschmaschinen „Centum System“ ein neuartiges Dämpfungssystem, das die Schwingungen dermaßen reduziert, dass es dem professionellen Kartenstapler Bryan Berg gelang, darauf bei laufendem Betrieb ein über drei Meter hohes Kartenhaus zu errichten und damit einen neuen Guinness-Rekord einzuheimsen. Mit dem Landroid führt Panasonic die Wäschepflege konsequent zu Ende. Der japanische Hersteller integriert in seinen Waschtrockner auch noch einen Faltroboter, der die Kleidungsstücke nach der Trocknung auch gleich noch zusammenlegt und nach Größe geordnet in vier Schubladen ablegt.

Wohnen in der Zukunft

Im japanischen Fujisawa baut Panasonic bereits seit 2014 an einer nachhaltigen Stadt der Zukunft. Inzwischen sind dort schon 250 Familien eingezogen. Sie leben in Häusern, die sich mittels Solarzellen und Wärmepumpen autark mit Energie versorgen. Nicht nur in den Wohnungen werden die Bewohner von zahlreichen elektronischen „Smart Services“ umsorgt. Auch außerhalb sorgen etwa Bewegungssensoren in den Straßenlaternen dafür, dass die Bewohner wohl beleuchtet nach Hause kommen, aber trotzdem die Lampen nur in Betrieb sind, wenn sich jemand in ihrer Nähe befindet. In Zusammenarbeit mit der GSW Sigmaringen sowie der Unternehmensgruppe Krebs will Panasonic diese Visionen nun auch in Deutschland umsetzen. Ab 2018 soll in Berlin Adlershof ein generationenübergreifendes Wohnquartier mit 69 smarten Wohnungen entstehen.

Es fehlt ein Standard für alle Geräte

Bei all den schönen Zukunftsvisionen beschleicht einen aber fast der Eindruck, als würden die Hersteller darüber die Hausaufgaben der Gegenwart übersehen. Noch immer fehlt es etwa an einem gemeinsamen Standard, über den sich die Hausgeräte verschiedener Hersteller einfach und zuverlässig miteinander verknüpfen lassen.

Sicherheitsprobleme bleiben ungeklärt

Auch die Sicherheitsproblematik der vernetzten Geräte ist noch weitgehend ungeklärt. Vermutlich muss man in Zukunft froh sein, wenn sich nur der findige Nachbarsjunge in das eigene Heimnetz hackt, um als digitalen Klingelstreich die Kaffeemaschine zu aktivieren.

Von Paul Waldherr

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