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Wohnt noch bei den Eltern: Für Student Andreas Rauschmayr ist Ausziehen derzeit keine Option.

Immer mehr Studierende wohnen daheim

Darum geht der Trend bei Studierenden zum Nesthocker

Die Feiertage verbringen viele Münchner Studierende bei den Eltern. Aber nicht, weil sie ihnen einen Osterbesuch abstatten, sondern weil sie noch zuhause leben. In Zeiten teuren Wohnraums geht der Trend zurück zum Nesthocker.

München - Theoretisch würde Andreas Rauschmayr schon gerne ausziehen. „Aber im Moment ist das für mich noch keine Option“, sagt der 19-Jährige. In ein oder zwei Jahren möchte der Student der Medizintechnik noch ein Auslandssemester einschieben. „Bis dahin ergibt eine eigene Wohnung noch keinen Sinn.“ Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Rauschmayr arbeitet zwar regelmäßig im Einzelhandel, doch um selbst Miete zu zahlen, reicht das nicht. Grundsätzlich wohnt er auch gerne zuhause in der Messestadt. „Mit meinen Eltern gibt es eigentlich nie Stress“, sagt er. Wenn er einmal auszieht, möchte er auch nicht alleine wohnen, sondern in einer Wohngemeinschaft.

Der Student ist kein Einzelfall. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks wohnen bayernweit rund 23 Prozent aller Studierenden noch bei den Eltern daheim. Damit liegt der Freistaat voll im bundesweiten Trend. „Nach der WG ist das elterliche Eigenheim nach wie vor die zweithäufigste Wohnform junger Studenten“, sagt Stefan Grob (50) vom Studentenwerk. In Hessen checkt derzeit fast jeder dritte, im Saarland jeder zweite Student im „Hotel Mama“ ein. Ein Ende dieses Trends ist erst einmal nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. „Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Elternwohner künftig sogar noch steigen wird“, sagt Grob.

Die Gründe liegen auf der Hand: horrende Mietpreise, steigende Lebenshaltungskosten, kurzum: die schiere wirtschaftliche Not. Die zwingt viele Studenten dazu, in den sauren Apfel zu beißen – und daheim zu bleiben.

„Eigene Wohnung wäre immer knappe Geschichte“

Silvie Schmid kennt dieses Problem: „Ich habe zwar einen Job, durch den ich gut verdiene“, sagt die 29-Jährige. „Trotzdem wäre eine eigene Wohnung immer eine sehr knappe Geschichte.“ Schließlich käme neben der Miete noch so viel mehr dazu: Strom, Heizkosten, Internet, Versicherung, Semesterticket, Hygiene- und Putzmittel – vom Essen ganz zu schweigen. „Und dann habe ich noch kein bisschen gelebt“, sagt Silvie. Als Studentin der Film- und Theaterwissenschaft muss sich die 29-Jährige außerdem über aktuelle Medienangebote auf dem Laufenden halten. „In meinem Fall sind regelmäßige Kinobesuche unumgänglich“, sagt Silvie. Also hat sich die Münchnerin dazu entschieden, bei ihrem Papa zu wohnen.

Silvie Schmid

Böse Zungen könnten behaupten, diese Entscheidung wäre der Bequemlichkeit geschuldet. Doch Stefan Grob vom Studentenwerk warnt ganz entschieden davor, sogenannte Elternwohner als passiv, träge oder gar faul abzustempeln. Schließlich seien die Studierenden heute enormen Stresssituationen ausgeliefert. Mit den Anforderungen steige auch der Druck. „Da wird die eigene Wohnsituation oftmals hintangestellt“, so Grob. Wer sich trotzdem auf die Suche nach einer bezahlbaren Bleibe macht, wird entweder enttäuscht oder mit absurden Anforderungen konfrontiert. Die Liste reicht von Motivationsschreiben bis hin zu Sammelcastings. Die meisten werden von Wohngemeinschaften organisiert.

München und WG: Schwierig, etwas Passendes zu finden

Für Silvie kommt eine WG nicht infrage. Mit 29 Jahren sei es an der Zeit für etwas Eigenes, sagt sie. Deshalb will die Münchnerin spätestens nach dem Studium den nächsten Schritt wagen: den Schritt in die Unabhängigkeit. „Obwohl mein Papa und ich ein eingespieltes Team sind, freuen wir uns beide, wenn jeder mal sein eigenes Reich zur Verfügung hat“, sagt Silvie.

Das wünscht sich auch Marina Simmel. Die 19-Jährige studiert Wirtschaftspsychologie und würde am liebsten in eine WG mit „Leuten, die ich gut kenne“, ziehen. Aber in München sei es nun mal nicht so leicht wie in anderen Städten, etwas Passendes zu finden. Gerade in der Innenstadt in Uni-Nähe, wo es die Studierenden hinzieht. „Ich müsste dann auch viel mehr arbeiten als jetzt, wenn ich die Wohnung selbst finanzieren möchte.“ Finanzielle Unabhängigkeit sei schon ihr Ziel. „Doch im Moment arbeite ich nicht regelmäßig – neben einem Vollzeitstudium ist das auch schwer.“ In eine andere Stadt möchte sie trotzdem nicht ziehen. Zum Studieren sei München super. „Meinen Eltern wird es bestimmt auch schwerfallen, mich gehen zu lassen“, sagt sie. „Auch wenn wir manchmal unterschiedlicher Meinung sind, gerade was Ordnung angeht.“ Aber natürlich sei es auch sehr bequem, daheim zu wohnen.

Marina Simmel

Von Sarah Brenner und Theresa Höpfl

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