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19,17 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter verlangt ein Vermieter für eine Studentenbude in München.

Mietwahnsinn in München

Über 1000 Euro warm für Studentenbude

München - Explodierende Mietpreise machen für viele junge Leute ein Studium in München zum Luxus. Zimmer und Wohnungen sind für Studenten teilweise unerschwinglich geworden.

"Nur für Studenten!!" steht bei einem Wohnungsangebot auf der Seite immobilienscout.24. Zwei Zimmer, Balkon, Küche - und das alles auf 41,20 Quadratmetern.

Nur für Studenten, weil extra-günstig? Falsch!

790 Euro Kaltmiete verlangt der Anbieter. Das macht einen Quadratmeterpreis von satten 19,17 Euro. Und das in Moosach. Der Stadtteil rangiert im Münchner Mietvergleich regelmäßig auf den hinteren Plätzen. Nebenkosten von knapp 160 Euro kommen hinzu, bei Bedarf ein Stellplatz für 70 Euro - macht mehr als 1000 Euro Warmmiete im Monat. Kaution und Provision schlagen zusätzlich mit mehr als 4000 Euro zu Buche. Und das für eine Studentenbude.

Der Wohnungsmarkt in München macht die Suche nach einer Bleibe extrem schwierig. Die Mietpreise explodieren. Und auch die Zahl der Studenten in München nimmt stetig zu. Im Wintersemester 2012/13 waren nach städtischen Angaben rund 106.000 Studenten eingeschrieben.

"Keine Cance" für Geringverdiener

Beim Münchner Mieterverein sieht man die Entwicklung mit Sorge - nicht nur, was Studenten betrifft. Auch Familien mit (unter)durchschnittlichem Einkommen, Alleinerziehende oder ältere Menschen haben zunehmend Probleme, eine passende und zahlbare Wohnung in der Stadt zu finden, wie Sprecherin Anja Franz sagte. "Sie haben so gut wie keine Chance auf eine Mietwohnung." Bei Neuvermietungen könnten die Vermieter verlangen, was sie wollen. "Das ist fatal." Der Durchschnittspreis liege aktuell bei 14 bis 15 Euro pro Quadratmeter. Damit stehe München im Ranking der teuersten Städte Deutschlands ganz weit oben, gemeinsam mit Hamburg, Frankfurt oder Düsseldorf.

Für Studenten biete es sich an, eine Wohngemeinschaft zu gründen, um die Miete teilen zu können. Jedoch gebe es viele Vermieter, die WGs ablehnen. Sie fürchten Lärm und häufige Fluktuation.

Solange die "Mietpreisbremse" nicht kommt, werden die Mieten weiter steigen, ist die Expertin sicher. München habe ein hohe Anziehungskraft, für Studenten ebenso wie für Arbeitnehmer. Gute Unis und viele große Unternehmen locken in die Landeshauptstadt. "Dazu kommt die attraktive Lage mit den Bergen und der Nähe zu Italien." In München gebe es nunmal auch sehr viele reiche Leute, und solange die bereit sind, viel für ihre Wohnung zu bezahlen, werde sich nichts ändern, sagte die Sprecherin des Mietervereins.

Wartelisten beim Studentenwerk

Es geht aber auch kostengünstig: Das Studentenwerk bietet in München insgesamt rund 9.300 Wohnplätze an. Die Monatsmieten betragen inklusive der Nebenkosten durchschnittlich 270 Euro. Wer sich um ein Zimmer bewirbt, muss jedoch mit einer Wartezeit von bis zu vier Semestern rechnen, wie eine Sprecherin mitteilte. Sie empfiehlt angehenden Studenten, sich rechtzeitig um einen Platz in einem Wohnheim zu bewerben. Das ist schon möglich, bevor der Betreffende zu studieren begonnen hat, jedoch muss er zu Semesterbeginn eine Immatrikulationsbescheinigung vorlegen. Aktuell stünden 4.310 Anwärter auf der Warteliste, allerdings sind auch solche dabei, die eventuell schon eine andere Belibe gefunden haben und dann das Wohnheimzimmer ablehnen, sofern sie an der Reihe sind. Das Zimmer werde dann Nachrückern zur Verfügung gestellt. Der Bedarf an Wohnraum für Studenten sei groß: "Das Studentenwerk prüft aktuell mögliche Neubauten auf bestehenden Grundstücken und treibt weiterhin die Sanierung seiner Wohnanlagen voran."  

Alternativen

Die Folge des Mietwahnsinns: Studenten aus dem Umland pendeln unter Umständen täglich morgends und abends 50 oder auch 100 Kilometer vom Wohnort ihrer Eltern zur Uni und zurück. Mancheiner richtet sich während der Sommermonate auf dem Campingplatz ein und wieder andere leben in alten, nicht renoivierten Wohnungen. Das ist zwar relativ günstig, jedoch müssen sie dann ohne Heizung und mit zugigen Fenstern auskommen.

Promis gegen Mietwahnsinn

Der Münchner Wohnungswahnsinn wird auch immer wieder von Prominenten beklagt. So haben Stars wie Fußballer Mehmet Scholl, die Sportfreunde Stiller oder Kabarettistin Luise Kinseher im letzten Frühjahr mit Pinsel und Farbe einer alten Wohnung einen neuen Anstrich verpasst. Nach dem Motto: Günstig renovieren statt luxuriös sanieren! Im Oktober protestierten Bürgerinitiativen und die Lach- und Schießgesellschaft gegen die Auswüchse auf dem Münchner Immobilienmarkt. Mittlerweile werden für Wohnungen mit Luxusausstattungen Quadratmeterpreise von mehr als 20.000 Euro verlangt und auch gezahlt. In einem fast leerstehenden Mietshaus beteiligten sich die Kabarettisten Gerhard Polt, Jochen Busse und Luise Kinseher sowie Mehmet Scholl und die Sportis an dem Protest.

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Den Organisatoren der Aktion ging es um die Frage nach dem Zustand Münchens in zehn Jahren auf: "Werden 200.000 zugezogene Besserverdiener 200.000 Normalverdiener verdrängt haben? Und wo sollen die alle hin?". Das Bündnis für Bezahlbares Wohnen und das Bündnis Gartenstadt München kritisierten unter anderem die "Nachverdichtung" von Baulücken, den Umgang mit Altbestand und ein oftmals schnelles Aufheben des Denkmalschutzes.

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