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Inhaftierte Einbrecher erzählen in einer Studie, wie sie beim Einbruch vorgingen.

Forschungsbericht

Inhaftierte Einbrecher verraten, wie sie vorgehen

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Im Rahmen einer Studie verrieten 30 Einbrecher, wonach sie ihre Objekte auswählen. Die Ergebnisse im Überblick.

Von 2006 bis 2015 stiegen in Deutschland die Fälle von Wohnungseinbruch. Dagegen blieben die polizeiliche Aufklärungsquote und die Verurteilungsrate auf einem niedrigen Niveau. Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (KFN) hat untersucht, wie Täter bei Einbrüchen vorgehen.

Deutschland als Tatort für reisende Einbrecher

Die Möglichkeit, mit wenig Aufwand in Wohnungen einzubrechen, locke Täter aus dem Ausland nach Deutschland, um gezielt Wohnungseinbrüche zu begehen. Neben Alleintätern gebe eine große Bandbreite an Einbrecherbanden, aus denen heraus je nach Gelegenheit Einbrüche begangen werden.

"Dabei zeigen sich auch Strukturen in Deutschland als relevant, insofern Täter aus dem Ausland meist schnell Anschluss an ein (klein-)kriminelles Milieu vor Ort finden", sagt Gina Rosa Wollinger, die Projektleiterin der Studie des KFN.

So wählen Einbrecher Objekte aus 

Zum Zwecke der Studie erklärten sich 29 männliche Täter und eine weibliche Täterin aus 15 verschiedenen Ländern bereit, an einem Interview teilzunehmen. Dadurch sei es erstmalig gelungen, Einblicke in die Motive, Hintergründe und das Tatverhalten dieser Tätergruppe zu bekommen.

"Ein niedriges Entdeckungsrisiko ist für Täter aus dem Ausland ebenso wichtig wie für deutsche Täter. Aus diesem Grund nutzen die Täter gern schlecht gesicherte Türen und Fenster, welche leicht aufzuhebeln sind oder ganz klassisch das gekippte Fenster", erklärt Gina Rosa Wollinger.

Bei der Suche nach lukrativer Beute sei laut Studie aber die Tatsache, dass "etwas zu holen" sei, noch wichtiger, als die Möglichkeit, leicht in das Objekt einzubrechen.

So beschreibt ein polnischer Täter wie er auf sein Tatobjekt durch ein hochwertiges Auto vor dem Haus aufmerksam geworden sei: "Ich rauchte und durch Zufall war da so ein Haus, so eine Wohnung, ein Einfamilienhaus, welches mir sofort ins Auge fiel. Und da war ein Audi A6 vor dem Haus [...]. Ich rauchte diesen Joint auf und ging die Wohnung prüfen. [...] Und ich zerbrach einfach so ein kleines Glasfenster mit dem Schraubenzieher [...]. Schon konnte ich in die Wohnung. [...] Ich ging zum ersten Stock und ich nahm sofort einen Apple Laptop mit, 5.000 Euro kostet der, fast 4.900, irgendwie so. Ich weiß schon genau, dass ich dafür in Polen 2.000 Euro bekomme, sofort geben sie mir so viel Geld mit geschlossenen Augen."

Ein slowakischer Täter dagegen erklärt im Interview, wie das Verhalten der Bewohner Einfluss darauf hat, ob er einen Einbruch begeht: "Ich suche mir immer die Häuser anhand dessen aus, wie der Garten ist. Ob der Garten gemacht ist, schön, so. Mir macht es nichts aus, falls das Haus alt oder schäbig ist. Das ist egal. Aber anhand dessen, wie man sich ums Haus kümmert. Mich interessiert es nicht, ob man in der Garage einen alten Skoda Wagen hat oder einen Mercedes, nein. Aber, falls man einen schönen Garten hat, weiß ich, dass man zuhause viel Geld hat."

Verschiedene Tätertypen

Innerhalb der Interviews wurde deutlich, dass die Täter sich in ihrem Selbstverständnis über sich als Einbrecher unterscheiden. Hierbei lassen sich drei Tätertypen differenzieren:

  1. Einbruch "aus der Not heraus"
  2. Einbruch als einen einfachen Weg "zum schnellen Geld"
  3. Einbruch als "Beruf"

Die Täter des ersten Typus reisen nach Deutschland typischerweise in der Hoffnung auf ein besseres Leben und ohne Tatabsicht. Vor Ort geraten sie jedoch in scheinbar ausweglose Situationen. Sie begehen Wohnungseinbrüche angesichts einer subjektiven Zwangslage und Perspektivlosigkeit.

Die Täter des zweiten Typus sehen ihren Lebensmittelpunkt in ihrem Heimatland. Allerdings können sie dort den Lebensstil, den sie sich wünschen, auf legale Weise nicht realisieren. Sie sehen in Wohnungseinbrüchen eine verlockende Möglichkeit, leicht und schnell zu viel Geld zu kommen.

Der dritte Typ sieht Wohnungseinbrüche als Arbeit, Beruf oder Profession, mit der sich die Befragten auch identifizieren konnten.

Insbesondere Täter, die ohne Einbruchsintention nach Deutschland kamen, und bald enttäuscht darüber waren, sich nicht wie erhofft in Deutschland legal ein gutes Leben aufbauen zu können, kamen zügig in Kontakt mit kriminellen Strukturen. Diese gaben letztendlich den Anstoß zur Tatbegehung eines Einbruchs.

Häufigkeit der Einbrüche nach Bundesländern in der Übersicht

Bundesland

2014

2015

2016

Nordrhein-Westfalen

52.794

62.362

52.578

Niedersachsen

14.654

16.575

16.405

Berlin

12.159

11.815

11.507

Baden-Württemberg

13.483

12.255

11.095

Hessen

10.978

11.595

10.405

Schleswig-Holstein

7.529

8.456

7.711

Hamburg

7.490

9.006

7.510

Bayern

8.210

7.480

7.470

Rheinland-Pfalz

5.819

7.125

6.744

Sachsen

3.869

4.257

4.684

Brandenburg

3.991

4.436

4.180

Bremen

3.555

3.544

3.082

Sachsen-Anhalt

2.598

2.795

3.061

Saarland

2.485

2.437

1.947

Mecklenburg-Vorpommern

1.530

1.521

1.477

Thüringen

979

1.477

1.409

Quelle: Statista.com

Von Simona Asam

Gaunerzinken: Mit diesen Geheimcodes verständigen sich Einbrecher

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