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Südlich der Boschetsrieder Straße entsteht das "Junge Quartier Obersendling".

Miteinander leben und lernen

Integrationsprojekt „junges Quartier Obersendling“: Für Flüchtlinge und Azubis

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München - Schaut nur her, so geht Integration: Nach diesem Motto entsteht in München ein Vorzeigeprojekt nach dem anderen. Das neueste: Im „Jungen Quartier Obersendling“ sollen einheimische Auszubildende mit jungen Flüchtlingen zusammen wohnen – schon bald.

Plötzlich geht alles schnell. In nur einem Jahr wurde das Projekt entwickelt, für eine städtische Verwaltung quasi in Lichtgeschwindigkeit. „Junges Quartier Obersendling“ heißt der neue Wurf, mit dem die Stadt zeigen will, wie Integration gestaltet werden kann: In früheren Siemens-Gebäuden im Gewerbegebiet Kistlerhofstraße sollen bald verschiedenste junge Menschen zusammen wohnen, denen das Leben hart zugesetzt hat.

Vom jetzigen 70er-Jahre Aussehen bleibt nicht mehr viel übrig.

Im März hatte der Stadtrat das Projekt beschlossen, gestern stellten es Stadt und Investor vor. Die Idee: Fünf Riegelbauten an der Machtlfinger-/Schertlinstraße werden zu einem „Bildungs-, Begegnungs- und Kulturzentrum“ umgebaut. Auf einem Drittel der Flächen wohnen künftig junge Leute zwischen 18 und 25 Jahren: einheimische Azubis und Studierende, die vorher in Jugendhilfeeinrichtungen lebten, sowie junge Flüchtlinge in Aus- und Weiterbildung. Es entstehen 325 Einzelzimmer à zehn Quadratmetern plus erhöhter Schlafebene. Zudem gibt es 144 Plätze für Asylbewerber. Pädagogen sind vor Ort, Hobbyräume, ein Jugendcafé und eine Kantine, in der auch ausgebildet wird.

Auf einem weiteren Drittel werden Ausbildungsstätten eingerichtet. So zieht etwa ein Teil der SchlaU-Schule ein, die InitiativGruppe, das Afrikanische Begegnungszentrum und eine Jugendeinrichtung, die in den Stadtteil hineinwirkt. Zudem bringen die Berufsschulen an der Luisen- und der Carl-Wery-Straße, während sie erneuert werden, einen Teil ihres Betriebs dort unter. Auf dem letzten Drittel sind Büroräume geplant, insbesondere für das neue Sozialbürgerhaus für den 19. Stadtbezirk.

Von einem „Campus“ mit „völlig neuem Nutzungsmix“ ist die Rede. OB Dieter Reiter (SPD) sprach von einem „weiteren Meilenstein“ bei der Integration und einem „Modellprojekt“, das „in dieser Dynamik und Größenordnung bundesweit einzigartig“ sei. Noch heuer sollen die Baumaßnahmen beginnen, Ende 2017 die ersten Wohnungen vermietet und Ende 2018 der Gesamtkomplex fertig sein. Die Zeitschiene nannte Reiter „sportlich, aber notwendig, da die Bedarfe eher mehr werden“.

Tatsächlich rechnet das Sozialreferat damit, dass bis 2018 rund 3600 junge Erwachsene aus der Jugendhilfe entlassen werden. Ihnen drohe eine prekäre Lebensphase und ein hohes Armutsrisiko, heißt es. Das „Junge Quartier“ will nun alles, was sie brauchen, zusammenführen. Die Wohnplätze seien nicht für den freien Markt, sondern würden übers Stadtjugendamt und das Amt für Wohnen und Migration vergeben, so Vize-Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD).

Entwickelt hat das Konzept die GEG German Estate Group, der in München bereits die „Neue Pasinger Mitte“ und der Bürokomplex „Sapporobogen“ gehören. In das Projekt steckt sie 100 Millionen Euro und verfolgt einen „langfristigen, ganzheitlichen“ Ansatz, wie GEG-Vorstand Ulrich Höller sagte: Die Stadt hat das Objekt für stolze 22 Jahre angemietet. Mietpreis: rund 5,5 Millionen Euro jährlich. Miete pro Zimmer: monatlich 384 Euro. Je nach Eigenverdienst der Mieter dürfte in den meisten Fällen die Jugendhilfe zahlen oder das Jobcenter, bei jungen Flüchtlingen refinanziert der Freistaat einen Großteil.

Bis das Quartier fertig ist, sollen in dem Komplex 800 Flüchtlinge untergebracht werden. Der Bezirksausschuss hatte kritisiert, in die Planungen nicht einbezogen worden zu sein. Reiter betonte gestern, das „Miteinander“ solle im Mittelpunkt stehen.

Erst letztes Jahr hatte der Verein Condrobs ein neuartiges Integrationsprojekt initiiert: An der Kistlerhofstraße leben 100 junge Flüchtlinge und Studenten zusammen. Und erst kürzlich hatte Reiter ein weiteres „Leuchtturmprojekt“ eröffnet: das „Young Refugee Center“ an der Marsstraße. Mit derlei Unternehmungen, sagte er, wolle er der „positiven Grundstimmung in München Rechnung tragen“.

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