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Vermieterin Alexandra W. zeigt auf die Wohnung: Die neuen Mieter können nicht rein, weil die alten nicht ausziehen.

Bewohner ziehen trotz Eigenkündigung nicht aus

Kampf gegen die Miet-Schmarotzer

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München - Der Albtraum eines jeden Vermieters: Der Mieter kündigt, doch dessen Noch-Ehefrau und Söhne wollen nicht ausziehen. Die Nachmieter müssen ins Hotel.

"Ich weiß nicht mehr weiter“, sagt Alexandra W. Sie verwaltet mit ihrem Mann einen Block mit 35 Wohnungen nahe dem Harras. Im März hatte einer der Mieter gekündigt – daraufhin suchten die W.s neue Mieter. „Unsere Wahl fiel auf eine Familie mit einem 13-jährigen behinderten Kind und einem Hund – ganz bewusst, weil es Menschen mit Handicap und Haustier besonders schwer haben auf unserem Wohnungsmarkt“, sagt die Vermieterin. Doch nun weigert sich die Noch-Ehefrau des ehemaligen Mieters, auszuziehen, ebenso ihre beiden Söhne (15 und 19).

„Damit hatten wir nicht gerechnet. Die Mieter hatten selbst gekündigt! Doch nun hat uns einer der zwei Söhne der Frau gesagt, sie würden nicht ausziehen, obwohl uns bei der Kündigung versprochen wurde, dass die Wohnung zum Juli frei ist“, sagt W.

Zum Glück können die neuen Mieter immerhin einen Monat länger – also bis 31. Juli – in ihrer alten Wohnung bleiben. „Aber danach sieht es schlecht aus. Wir als Vermieter können unseren Vertrag nicht erfüllen und müssen so den Leuten das Hotelzimmer bezahlen, bis sie in die Wohnung einziehen können oder eine neue Wohnung gefunden haben“, sagt Alexandra W.

Besonders ärgert sie sich, dass sie und ihr Mann voraussichtlich auf einem Haufen Kosten sitzen bleiben werden. „Unser ehemaliger Mieter, ein Iraker, der seit neun Jahren in Deutschland lebt, war ein zauberhafter und beflissener Mensch. Die Miete hat er immer pünktlich bezahlt“, sagt sie. Nun ist er ausgezogen und hat seine Frau und seine Söhne verlassen. Zu einem Gespräch mit der tz waren Mutter und Söhne nicht bereit.

„Der 19-jährige Sohn hat mir gesagt, dass das Amt zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit ihm gesagt habe, dass ja sowieso sein Vater als ehemaliger Mieter für alle Schäden haftet, die seine Mutter, sein Bruder und er verursachen – und dass sie nicht herangezogen werden können“, sagt die Vermieterin.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Die Schäden sind wohl jetzt schon hoch. Denn schließlich haben die W.s die Wohnung 2013 für 35.000 Euro saniert – ein neues Parkett verlegen lassen, das Bad erneuert und einiges mehr. Nun aber sei ein Teppich auf das neue Parkett geklebt, im Bad werde nicht ausreichend ­gelüftet, sodass Schimmel entsteht, auch die Küche sei vollkommen heruntergewohnt. „Wir leben selbst in einer Wohnung in unserem Anwesen – und ich beobachte das ganze Geschehen, ohne wirklich etwas tun zu können“, sagt die Vermieterin.

Räumungsklage sei zwar inzwischen eingereicht, doch ihr Anwalt habe erklärt, es könne zwei bis drei Jahre dauern, bis die Wohnung wirklich frei ist.

„Die Noch-Ehefrau und deren Söhne haben keinerlei Recht, in der Wohnung zu bleiben. Ich denke, dass eine Räumung hier viel schneller durchgesetzt werden kann“, sagt dagegen Rechtsanwalt Rudolf Stürzer, Vorsitzender von Haus und Grund München. „Wenn Mieter selbst gekündigt haben, können sie sich beim Räumungsschutz nicht auf Härteklauseln berufen“, so der Jurist.

Er rät, der Fortsetzung des Mietverhältnisses vorsichtshalber ausdrücklich zu widersprechen und warnt: „Steht nicht im Mietvertrag, dass Paragraf 545 des Bürgerlichen Gesetzbuches ausgeschlossen ist, verlängert sich nach 14 Tagen der Mietvertrag und gilt dann als auf unbestimmte Zeit geschlossen.“

Zudem sei es sinnvoll, Schäden in der Wohnung zu dokumentieren und auch damit dem Gericht im Räumungsverfahren darzulegen, dass es schnell gehen müsse, weil eine weitere Beschädigung der Wohnung drohe.

Mietrechtsspezialistin Anja Franz vom Mieterverein München ärgert sich über die Leute, die ohne Recht in der Wohnung bleiben: „Sie schaden mit ihrem Verhalten auch dem Ruf anderer ausländischer Mieter.“ Franz begrüßt es sehr, dass die Vermieter als Nachmieter eine Familie mit Haustier und behindertem Kind ausgewählt haben. „Solche Vermieter mit großem Herzen brauchen wir mehr in München. Da ist es sehr ärgerlich, dass ausgerechnet diese netten Vermieter jetzt so schlechte Erfahrungen machen müssen.“

Susanne Sasse

 

 

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