Zwei-Zimmer-Wohnung, Reihenhaus, Dachterrasse, Baudenkmal

Klassiker des Wohnens

Erst die Industrialisierung brachte die Trennung von Arbeit und Wohnen und die modernen Wohnungstypen hervor.

2-Zimmer-Küche-Bad

Der beliebteste – weil vielseitigste – Wohnungstyp ist bis heute die Zwei-Zimmer-Wohnung. Erfunden wurde sie bei uns von Sozialreformern vor mehr als 100 Jahren im Bestreben, dem Wohnungselend der Massen in den Zeiten der Industrialisierung Herr zu werden. Das Ideal sah so aus: eine KüchealsAufenthaltsraum,ein Bad mit WC und zwei Schlafräume – untergebracht auf 50 Quadratmetern. Gedacht war dieses Raumkonzept für Familien mit bis zu sechs Personen nicht selten wohnten aber zwei solcher Familien darin.

Moderne Konzepte

Damit haben moderne Zwei- Zimmer-Wohnungen nichts mehr gemein. Sie kommen schon mal als großzügige Lofts daher oder bieten mit flexiblen Grundrissen auch einer kleinen Familie in den ersten Jahren noch ein gemütliches Heim. Die Größe hat sich im Durchschnitt aber kaum verändert, nur dass 50 bis 60 Quadratmeter heute typischerweise von einem Paar bewohnt werden. Die Raumbeschränkung hat einen klaren Kosten- Vorteil, der es auch Normalverdienern erlaubt, in guten bis besseren Lagen zum Zug zu kommen.

Wohnen in der Reihe

Das Reihenhaus ist eine englische Erfindung. Hier begann die Industrialisierung wesentlich früher und die Städte wuchsen. Spekulanten errichteten die ersten „Terraces“ mit palastartigen Fassaden für ein großbürgerliches Stadt-Klientel, erst viel später entstanden die wesentlich kleineren Anlagen (ohne Grünanlagen) für Arbeiter, denen schon damals schnell der Geruch des Slums anhing. Daher setzte sich dieser Wohntyp in Deutschland auch lange Zeit nicht durch: Wer sich die Villa in der grünen Vorstadt nicht leisten konnte, blieb Mieter in der Stadt. Vor etwa 90 Jahren entstanden bei uns die ersten Muster-Reihenhaussiedlungen, aber das Ideal blieb das freistehende Haus. Der wahre Siegeszug des Reihenhauses scheint erst in unseren Tagen mit der Nachhaltigkeitsdebatte und Energieeffizienz zu beginnen.

FLAIR VON BÜRGERLICHEM LUXUS

Wohnen im Denkmal liegt im Trend, und nicht allein das Wohnen in einem denkmalgeschützten Gebäude. Schon die Nachbarschaft eines solchen hat große Vorteile: Der Hauch von Geschichte durchweht das Viertel, die Lage ist in der Regel gehoben und ein Baudenkmal darf nicht so einfach verändert werden. Da weiß man auf lange Sicht, wie und wo man wohnt.

Für Bewohner von Baudenkmälern kommen neben steuerlichen Vergünstigungen (die es für Neubau-Erwerber nicht gibt) noch emotionale Aspekte hinzu: repräsentative Treppenhäuser mit Stuckzierat und hochwertigen Materialien zeugen vom Wohlstand einer Epoche, die Kunststoff noch nicht kannte. Die Wohnhäuser des Bürgertums waren zudem individueller Ausdruck ihrer Besitzer.

SIEGESZUG DES DACHGESCHOSSES

Der Siegeszug von Dachgeschosswohnungen ist nicht zu trennen vom technischen Fortschritt. Das einst zugige Dachgeschoss war lange Zeit Herberge fürs Personal des städtischen Hausherrn, der im ersten Stock residierte, der Bel Etage. Unten im Erdgeschoss waren Handwerker und Händler zugange, über ihm wohnten Mieter. Heute ist aus dem Dachgeschoss ein moderner Klassiker des urbanen Wohnens geworden.

Selbst in weniger begehrten Lagen und in Gebäuden mit wenig ansprechender Architektur erzielen die obersten Wohnungen teils exorbitante Preise, vor allem regelmäßig dann, wenn zur Aussicht auf die Berge noch eine Freifläche in Form eines Balkons, einer Loggia oder gar 0einer Dachterrasse kommt. Schweift der Blick von hier aus dann noch über eine Parkanlage oder ein Gewässer, so ist dafür nicht selten mehr als für ein freistehendes Einfamilienhaus zu bezahlen.

In den immer dichter bebauten Städten wird der freie Ausblick immer wertvoller. Die Inbesitznahme der Umgebung ist zwar nur optischer Natur, doch sie kann sich durchaus positiv aufs Gemüt auswirken, genauso wie umgekehrt fehlendes Licht und Sicht die Bewohner von Souterrain-Wohnungen in ihrer Befindlichkeit beeinträchtigen kann. Das Fehlen eines Lifts kann jedoch den Wert einer Dachgeschosswohnung (dann aber erheblich) drücken.

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