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Wohnen auf dem Land kann recht idyllisch sein.

Günstige Preise, überschaubare Strukturen, gesunde Luft

Landlust entdecken

Alle reden vom Megatrend Stadt. Hat das Wohnen auf dem Land keine Zukunft mehr? Ein Plädoyer fürs Leben im Dorf.

Urbansisierung

In den vergangenen 50 Jahren haben sich die deutschen Dörfer radikal verändert. Am stärksten die an den Stadträndern. Beispiel Unterhaching an der südlichen Grenze zu München. Aus dem einstigen Bauerndorf wurde eine komplett urbane Vorstadt mit 24.000 Einwohnern. Wiesen und Felder, die einmal Dorf und Stadt voneinander abgrenzten sind längst überbaut, die Grenzen nicht mehr erkennbar. Das Dorf ist verstädtert. Das ist die eine Seite.

Alltagsverluste

Doch was ist mit jenen Dörfern passiert, die immer noch Dörfer sind? Auch sie haben sich stark verändert. Denn sie haben viel von ihrem einstigen Alltag verloren: Arbeitsplätze in der Landwirtschaft etwa, Gasthöfe, Schreiner, Schuster, Bäcker. Früher gab es in Dörfern auch noch Brauereien oder Autohäuser. Und jedes hatte ein Radiogeschäft. Dieses Leben findet heute nicht mehr statt. Gerhard Henkel, Professor für Humangeographie im Ruhestand, der seit Jahrzehnten das Dorfleben in Deutschland erforscht, bezeichnet das als „Verlust des Alltags“. Und er hat Recht: Das Dorfwirtshaus als Kulturgut ist so gut wie ausgestorben.

Alltagsgewinne

Doch Henkel, der in einem kleinen Dorf in Westfalen lebt, gibt dieser Siedlungsform auch eine Zukunft. Denn die Dörfer haben auch dazugewonnen. Die technische Infrastruktur sei heute viel besser als früher: Strom, Wasser, Energie und neuerdings schnelles Internet – alles da. Und die Trennung von Stadt und Dorf ist nicht mehr so groß, zumindest nicht dort, wo die S-Bahn im 20-Minuten- oder die Bahn im Stunden-Takt fährt. Auch freizeittechnisch haben die Dörfer dazugewonnen: Golfclub, Reiterhof, Tennis sowieso, Rad- und Wanderwege, angelegte Badeseen. Selbst kleine Gemeinden gönnen sich ein Bürgerhaus mit Kulturprogramm, wenngleich die Bühnen eher am Wochenende bespielt werden. Je nach Vereinsstruktur gibt es weitere Treffpunkte zur raschen Integration von Neubürgern: Sportfest, Dorffest, Faschingszug, Adventsmarkt, Wochenmarkt, Schulfest, Flohmarkt, Starkbierfest, Dia-Abend, 1200-Jahr-Feier, Steckerlfisch-Essen der Angler, Pfarrfest mit Torwandschießen, Maibaumfest und, und, und... Das Schöne: Man trifft immer dieselben Leute! Wer nach einem solchen Fest-Jahr nicht mindestens ein Dutzend Bekannte hat, die ihn im Supermarkt grüßen, darf als Eigenbrötler gelten. Ach ja: Echte Urbanauten, die die anonyme Masse als Schwarm zur Fortbewegung brauchen, haben auch im modernen Dorf nichts verloren.

Globale Dörfer

Für Professor Henkel haben sich die Dörfer positiv entwickelt. Sie seien liberaler, vielschichtiger geworden. Dorfbewohner sind heute Globetrotter, die sich in vielen Welten bewegen. Das Enge, das starre soziale Gefüge sei aufgebrochen. Und: Der Wohlstand sei unheimlich gewachsen. Die meisten wohnen in ihren eigenen vier Wänden und müssen sich nicht mehr um ihr tägliches Brot sorgen. Auch Kirchgänger muss man nicht mehr sein – es kann freilich auch nicht schaden.

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