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Einen guten Handwerker zu finden, ist über Internetportale nur vermeintlich einfacher geworden. Die Auswahl ist riesig, der Vergleich der Angebote schwierig. Foto: Christin Klose

Leistungsbeschreibung zählt: Den richtigen Handwerker finden

Das Internet liefert zuvor ungeahnte Möglichkeiten. Wo man früher von vielleicht drei Fach-Handwerkern in der Umgebung wusste, kann man hier aus 300 einen auswählen und den Auftrag vergeben. Doch wie sortiert man das beste Angebot aus? Und worauf sollte man achten?

Berlin (dpa/tmn) - Über das Internet ist die Suche nach einem Handwerker fast ein Kinderspiel. Portale vermitteln diese. Der Kunde muss sich dann nur noch das für ihn Passende aussuchen.

Wolfgang Rink von der Handwerkskammer Berlin schränkt allerdings ein: "Das ist nicht so einfach, denn das billigste ist nicht automatisch das beste Angebot." In gewisser Weise erschwert das Netz sogar die Suche nach dem Handwerker. Während sich Kunden früher durch die Gelben Seiten arbeiteten oder zum Dienstleister um die Ecke gingen, haben sie im Internet einen viel größeren Aktionsradius. Damit steigt die Gefahr, an den Falschen zu geraten oder am Ende zu viel zu bezahlen. "Um die Anfahrtskosten in Grenzen zu halten, ist es ratsam, eine Firma in der Nähe zu suchen", sagt Rink.

Er empfiehlt, mehrere Angebote einzuholen. Dazu ist nicht unbedingt ein Handwerkerportal nötig. "Über eine Suchmaschine, die örtliche Handwerkskammer oder die Innungen findet man Handwerker auch direkt." Besonders bei umfangreicheren Arbeiten erleichtern Kostenvoranschläge mehrerer Firmen die Entscheidung. "Zwei bis fünf sollte man schon anfordern, wenn es ein größeres Projekt ist", rät Rink. Doch Kostenvoranschläge sind nicht immer gratis. "Kunden sollten unbedingt vorher fragen, ob und wie viel sie kosten", rät Josina Starke von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Sie sollten alle notwendigen Positionen wie Leistungsbeschreibung, Arbeitszeit, Materialkosten, Preis und eventuelle Fahrkosten enthalten.

"Kostenvoranschläge sind nicht verbindlich, das wissen viele Verbraucher nicht", sagt sie. Aber der Handwerker darf bis circa 15 Prozent von seiner Kalkulation abweichen, ohne den Kunden vorher zu informieren. Wird es am Ende wesentlich teurer als vorgesehen, muss der Handwerker den Kunden aber aufklären. Dieser kann dann gegebenenfalls den Vertrag kündigen und muss nur für die bis dahin erbrachten Leistungen aufkommen.

"Der Auftraggeber kann selbst viel dazu beitragen, dass die Kostenvoranschläge realistisch sind", meint Starke. "Indem er möglichst genau formuliert, was der Handwerker machen soll, und das möglichst vorab mit ihm bespricht, erleichtert er die Kalkulation." Denn häufig wird ein Auftrag teurer, weil während der Arbeiten noch zusätzliche Wünsche berücksichtigt werden.

Da Firmen unterschiedlich kalkulieren, ist es für den Kunden oft nicht einfach, Angebote und Kostenvoranschläge zu beurteilen. Sich nur auf den Angebotspreis zu verlassen, ist keine gute Idee. "Unternehmer wissen, dass Kunden die Auftragsvergabe oft ausschließlich vom Angebotspreis abhängig machen. Die Leistungsbeschreibung wird oft gar nicht genau gelesen, in der Annahme, dass das Angebot alle erforderlichen Leistungen beinhaltet", sagt Michael Sattler, Fachanwalt im Verband Wohneigentum. "Diese Erwartungshaltung wird nicht selten enttäuscht."

Außerdem gibt es vertragliche Details, die der Laie meist nicht kennt. Wird ein Einheitspreis von 25 Euro pro Quadratmeter für das Streichen einer geschätzt 40 Quadratmeter großen Wand vereinbart, muss der Kunde mehr bezahlen, wenn die Wand doch größer ist. Oder es wird ein Pauschalpreis angeboten. "Das ist eigentlich für den Auftraggeber gut überschaubar", sagt Sattler. "Er muss aber explizit vereinbaren, dass die gesamte Leistung zu diesem festen Preis erbracht wird, unabhängig von eventuellen Massenänderungen."

Vorsicht ist bei Stundenlöhnen geboten. Diese werden oft von den Firmen angestrebt, wenn der Aufwand schwer vorherzusehen ist und somit ein Einheits- oder Pauschalpreis nicht zuverlässig kalkulierbar ist. "Es besteht die Gefahr, dass der Handwerker die Arbeiten bewusst verzögert oder unproduktive Zeiten mitberechnet", erklärt Sattler.

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