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Wer eine Wohnung in München sucht, erlebt die absurdesten, unverschämtesten, nervigsten – und lustigsten Dinge.

Ausländerzuschlag und Dunkelkammer

Diese sechs Mietsgeschichten einer Münchnerin toppen alles

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München - Eine Münchnerin hat nach ihrer strapaziösen Wohnungssuche ein Buch geschrieben. Darin sammelt sie die unverschämtesten und schrägsten Geschichten, die sie gehört hat.

In diesem Buch hat Haug unglaubliche Geschichten gesammelt.

Das Buch "Suche Wohnung für mich und meine Möpse. Die wildesten Geschichten von Mietern, Maklern und Mitbewohnern" hat die Münchnerin unter dem Pseudonym Leonie Haug veröffentlicht. Im Vorwort stellt sie klar, in ihren Beschreibungen nicht in ein Makler- oder Vermieter-Bashing verfallen zu wollen. Gleichzeitig werde sie nichts schönreden. Haug hat eigene Erfahrungen und die Erlebnisse von Wohnungssuchenden in deutschen Großstädten – vor allem in München – aufgeschrieben. Lesen Sie sechs Geschichten, die vermutlich alles toppen, was Sie bisher gehört haben.

1. Münchner Studenten brauchen kein Sonnenlicht

Ramona aus München macht sich auf das Schlimmste gefasst. Wenn auch nur halb so viele Geschichten über die verzweifelte Zimmersuche in München stimmen, wird es gruselig genug. Sie stellt sich einer älteren Vermieterin vor, die ihr draußen vor dem Haus einen Vortrag über das 15 Quadratmeter kleine Zimmer hält. Warmmiete: 300 Euro. "Was ist, nehmen Sie das Zimmer?" Ramona besteht darauf, es zu besichtigen, was der alten Dame seltsam vorkommt.

Die Frau schließt den Keller auf, die Studentin glaubt, die Vermieterin habe da unten etwas vergessen. "Nun kommen Sie schon." Ramona steht in einem Raum, an dessen Decke eine 40-Watt-Glühbirne baumelt. Keine Fenster. Zugegeben, geschwindelt hatte die Frau in der Wohnungsanzeige nicht. Von Tageslicht war darin nicht die Rede. Das sogenannte Bad mit Steinwaschbecken aus Vorkriegszeiten und Fertigduschkabine aus den 70er-Jahren ist nicht gefliest, Ramona müsste auf Beton duschen. Herrenbesuch erlaubt die Vermieterin nicht: "Sonst denken die Nachbarn noch, wir betreiben hier 'nen Puff."

2. "Ich habe nichts gegen Ausländer. Aber..."

Gülcan aus Duisburg erlebt etwas ziemlich Verletzendes, als sie sich auf eine Wohnungsanzeige meldet. Sie verabredet sich mit dem Vermieter, buchstabiert ihm ihren Namen, als dieser fragt: "Ach, Sie sind gar keine Deutsche?" Gülcan erwidert: "Doch, genauso wie mein Mann." Sie und ihr Mann haben türkische Wurzeln, besitzen aber den deutschen Pass. Das erzählt sie dem Vermieter nicht, geht ihn auch nichts an.

Doch der Mann lässt nicht locker, wundert sich, dass die Anruferin Deutsch ohne Akzent spricht. Ein bisschen genervt antwortet die Mietinteressentin: "Wieso auch? Ich bin in Duisburg geboren."

"Aber Ihr Name, der ist doch ausländisch, oder?"

"Haben Sie etwas gegen Ausländer?"

"Nein, nein! Allerdings haben wir ausschließlich deutsche Mieter. Ich weiß nicht, ob Sie sich da gut in die Hausgemeinschaft einfügen."

Gülcan nimmt dem unbeholfenen Vermieter die Entscheidung ab, indem sie wütend "Danke, kein Interesse mehr" sagt und auflegt.  

3. Kaltmiete + Nebenkosten + Ausländerzuschlag

Eine türkische Familie aus Offenbach am Main besichtigt eine Wohnung. Der Vermieter ist freundlich, er schickt den Vertrag. Darin stehen allerdings eine höhere Kaltmiete und Kaution als vereinbart. Der Mann ruft den Vermieter an. Der spielt den Überraschten: "Ich dachte, das hätte ich Ihnen gesagt. Das ist ein Zuschlag für die Abnutzung der Wohnung... und das höhere Risiko." Der Vermieter definiert "Risiko": "Nichts gegen Sie, aber es soll ja schon vorgekommen sein, dass sich Ausländer über Nacht in ihre Heimat absetzen und der Vermieter auf den Renovierungskosten für die heruntergewirtschaftete Wohnung sitzen bleibt."

Gekränkt lehnt die Familie das Wohnungsangebot ab.  

4. Mieter unterschreiben einen Katzenvertrag

Anna aus Güglingen und ihr Freund bekommen ihre Wunschwohnung, obwohl sie etwas besitzen, das die Vermieter nicht ausstehen können: einen Kater. Das ältere Vermieterpaar sagt: "Wir haben die Wohnung aufwändig renoviert, und so ein Tier schärft schon mal die Krallen an den Türen oder macht das schöne Parkett kaputt. Das möchten wir ehrlich gesagt nicht."

Annas Freund bleibt hartnäckig und hat "eine glorreiche Idee": "Unser Gismo ist ein echtes Faultier und hat in seinem ganzen Leben noch keine Tür zerkratzt. (...) Wie wäre es, wenn wir zusätzlich zum Mietvertrag einen Katzenvertrag unterschreiben, in dem wir Ihnen zusichern, dass wir für alle etwaigen Schäden durch den Kater aufkommen?" Deal. Zwei Tage später unterzeichnet das Paar zwei Verträge – für die Wohnung und für Gismo. Bis heute hat der Kater keine Spuren hinterlassen. Die eine dicke Macke im Parkett ist nicht Gismos Schuld; sein Besitzer hat beim Einzug die Werkzeugkiste fallen lassen.  

5. Eine Stinkbombe auf der Fußmatte

Nicole besichtigt mit zehn anderen Leuten eine abgeranzte Wohnung in Hamburg. Nur der Preis ist angenehm. Ein Mann in der Gruppe fängt an zu pöbeln, beschimpft die Maklerin als "geldgeile Schlampe". Sie wirft ihn raus. Im Treppenhaus randaliert der Kerl ein bisschen weiter. Als Nicole und die anderen die Wohnungstür öffnen, treten sie fast auf den braunen Haufen auf der Fußmatte. Den hat der Randalierer hinterlassen.

6. WG-Leben ohne Badezimmertür

Andrea aus Freiburg hat die Chance, in eine schöne WG einzuziehen. Die hat aber einen Haken. Die Mitbewohner laufen nackt durch die Wohnung, FKK ist ihr Lebensgefühl. Sie denkt, okay, solange sie nicht mitmachen müsste. Müsste sie aber. Und eine Badezimmertür gibt es nicht.  

"Och, die haben wir ausgehängt und in den Keller gestellt. So fühlt man sich freier beim Duschen. Außerdem strömen durchs Badfenster Licht und Sonne in den Flur, das ist gut für die Liebe." Für Andrea ist das zu speziell.

Leonie Haugs Sachbuch "Suche Wohnung für mich und meine Möpse. Die wildesten Geschichten von Mietern, Maklern und Mitbewohnern" ist im Verlag Blanvalet erschienen.  

sah   

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