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Komparse für die Miete: Matthias am TV-Set von "Sturm der Liebe".

Buckeln für die Bude

Das machen Studenten, um ihre Miete zu bezahlen

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Finanzieren kommt vor Studieren! Heißt: Entweder müssen Mama und Papa einspringen –oder ein Job muss her.

Bei der Jobsuche sind Münchner Studenten engagiert und kreativ. Schauen Sie mal, was sie alles tun, um das Geld für die Miete reinzubekommen:

Isabella Hessler (20), Psychologie-Studentin, macht Fotos auf der Wiesn

„Ich habe letztes Jahr auf der Wiesn als Foto-Mädel gearbeitet. Meine Aufgabe war es, Fotos von den Besuchern zu machen und die dann zu verkaufen – meine Arbeitskleidung war natürlich das Dirndl. Pro Stunde habe ich 15 Euro verdient, ganz unabhängig davon, wie viele Fotos ich von den Wiesn-Besuchern gemacht habe. Zusätzlich habe ich noch Trinkgeld bekommen. Unter der Woche habe ich fünf Stunden gearbeitet und am Wochenende zehn Stunden. Rund 3500 Euro habe ich da insgesamt verdient, das ist schon eine Menge!

Ich habe alle 17 Tage durchgearbeitet und werde es dieses Jahr auch wieder machen. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht – und es war eine interessante Erfahrung. Die Wiesn-Gäste waren alle total lustig, und es war sehr angenehm, da zu arbeiten. Den Job als Foto-Mädel finde ich auch besser, als die schweren Massen zu tragen.

Ansonsten arbeite ich in den Semesterferien noch als Schwimmlehrerin in einem Robinson-Club auf Fuerteventura. In der Klausurenphase ist es schon stressig. Von dem verdienten Geld ist noch fast alles übrig, weil ich sparsam bin. Ich bezahle nur 250 Euro Miete, fahre selten in den Urlaub und gebe für Lebensmittel knapp 200 Euro im Monat aus. Für die Uni gebe ich rund 250 Euro aus, also für das Semesterticket, die Gebühren und für Bücher. Von daher kann ich vom meinem Verdienten gut leben.“

Maschinenbau-Absolvent Matthias Ludwig (27) ist TV-Komparse

„Ich wohne in einer WG in Moosach und zahle 400 Euro warm. 80 Euro zahle ich jeden Monat für das Semesterticket und um die 40 Euro für das Studentenwerk. Geld für Lebensmittel und für Freizeitaktivitäten kommt auch noch dazu.

Ich arbeite nebenbei als Komparse. Auf die Idee bin ich durch einen Verwandten gekommen. Er meinte, dass ich zum Fernsehen passe. Das fand ich lustig, denn ich habe vorher noch nie geschauspielert oder in einem Theater mitgemacht. Ich habe mich dann auf der Internet-Seite www.p-f.tv beworben, viele Fragen ausgefüllt und wurde tatsächlich angenommen.

Seit Mitte letzten Jahres mach ich das jetzt – und es kommt immer drauf an, wann ich gefragt werde. Ich durfte gleich beim Filmdreh dabei sein. Zweimal war ich auch schon Komparse bei Sturm der Liebe in der Bavaria-Filmstadt – einmal als DJ und einmal als Journalist. Pro Job bekomme ich 80 bis 100 Euro, aber für einen Dreh muss man auch einen Tag einplanen. Miete und Unterhalt kann man davon nicht bezahlen, es ist eher zum Aufstocken des Geldbeutels.

Ich sammle am Set aber viele Erfahrungen, und es macht wirklich jede Menge Spaß, hinter die Kulissen zu schauen. Von meinem Komparsengeld habe ich mir schon mal eine E-Gitarre gegönnt. Zurzeit bewerbe ich mich für einen richtigen Job. Als Schauspieler mein Geld zu verdienen, kann ich mir dann doch nicht vorstellen.“

Damian Breu (22), BWL-Student, verkauft Kakaobohnen

Die Mieten in München sind so teuer, deswegen wohne ich wieder zu Hause. Vorher habe ich in Berlin studiert, da hatte ich am Ende des Monats noch knapp 100 Euro über – jetzt leider nicht mehr. Bafög bekomme ich nicht, und Kosten fürs Lernmaterialien und für Fahrkarten fallen auch an. Aktuell verdiene ich mit meinem Vertrieb von rohen Kakaobohnen noch zu wenig, aber ich habe ja auch gerade erst angefangen.

Seit eineinhalb Monaten steht die Website www.powerbeans.de jetzt. Das Ganze steckt also noch in Babyschuhen. Ich hoffe, dass ich mit der Zeit genug verdiene, um auszuziehen. Während meines Praktikums bei AFK-TV bin ich auf die rohen Kakaobohnen gestoßen. Das war vor etwa einem Jahr. In Berlin gibt es eine Partyszene, die nur Kakao zum Feiern konsumiert – das macht fit und glücklich.

Ich bestelle direkt von einem Bauern aus Sri Lanka. Drei Bohnen reichen fürs Lernen, fünf Bohnen führen zu einer besseren Konzentration und acht Bohnen wirken beruhigend. Vielleicht wird das ja der Renner, und ich kann mir irgendwann damit meinen Lebensunterhalt verdienen. Mein Ziel ist es, der Marktführer von rohem, unfermentiertem Kakao zu werden, weil es den so sonst nicht in Deutschland zu kaufen gibt.“

Preise für Mini-Wohnungen explodieren

München ist für Studenten das teuerste Pflaster Deutschlands. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) besagt, dass eine Bleibe hier durchschnittlich 17 Euro pro Quadratmeter kostet. Für ein WG-Zimmer wurden satte 500 Euro ermittelt. Erschreckend: Die Preiserhöhungen für kleine Wohnungen liegen laut IW weit über der allgemeinen Teuerungsrate.

Im Vergleich zu 2010 sei ein Anstieg von 43 Prozent zu verzeichnen, wie der IW-Immoexperte Michael Voigtländer erklärt. Und Besserung ist nicht in Sicht. Hinter dem traurigen Spitzenreiter München liegen Stuttgart und Frankfurt – allerdings bereits mit einem gehörigen Abstand. Über 13 Euro beträgt hier jeweils die Quadratmetermiete. Am billigsten wohnen Studenten in Leipzig und Bochum. Dort lagen die Mieten im Schnitt noch unter 6,50 Euro pro Quadratmeter.

Insgesamt analysierten die Forscher den studentischen Wohnungsmarkt in 15 Universitätsstädten. Grundlage waren Angebote auf den Internetportalen Immobilienscout24 und wg-gesucht.de seit 2010. Glücklich kann sein, wer über das Studentenwerk eine Bleibe findet. Die Mieten für einen Einzelwohnplatz liegen hier im Durchschnitt bei 285 Euro. Doch nach den IW-Daten bekommen nur etwa 11,5 Prozent der Studenten in München einen Wohnheimplatz.

Von Klaus Vick und Lara Terrasi

Diese 5 Studenten-Wohnheime kann sich nicht jeder leisten

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