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Rechtsanwalt Rudolf Stürzer klärt über Miet-Irrtümer auf

Ist es wirklich so schlimm?

Miet-Wahnsinn: Die fünf größten Irrtümer

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München - Ja, die Mieten in München sind alles andere als günstig. Aber es sind auch einige Irrtümer zum Thema verbreitet. Der Chef von Haus+Grund klärt auf.

Der Preis für eine ganz normale Bestandsmietwohnung in München, 70 Quadratmeter, Neuvertrag, gute Lage: 719,60 Euro laut Mietspiegel. Das war im Jahr 1970. Und heute? Sind es 875 Euro, also 22 Prozent mehr. Ob Giesing oder Pasing: Münchner ärgern sich über die hohen Mieten. Trotzdem sagt Rudolf Stürzer, Vorsitzender der Vereinigung der Münchner Haus- und Grundbesitzer, über die Münchner Mieten: „Unbezahlbar sind sie nicht.“ Der Rechtsanwalt nennt die fünf größten Mietirrtümer aus Sicht des Verbands. Die tz hat außerdem Beatrix Zurek, Chefin des Mietervereins München, um ihre Einschätzungen gebeten. Wie schlimm ist der Miet-Wahnsinn wirklich?

Münchner Mieten sind dramatisch gestiegen und für Durchschnittsverdiener kaum bezahlbar.

Die Fakten: Unsere Mieten sind die höchsten bundesweit – das ist unstrittig. Aber: Lebenshaltungskosten, Gehälter und Löhne sind im Vergleich noch stärker als die Mieten gestiegen – zwischen 2011 und 2013 um 3,8 Prozent, die Bestandsmieten um 3,5 Prozent. So oder so gibt es viele konkrete Fälle, in denen es für die Beteiligten richtig hart wird. Beatrix Zurek stellt grundsätzlich fest: „Gutverdiener verderben den Schnitt. Viele Münchner stellen Mieterhöhungen vor existenzielle Probleme.“ Josef Schmid, OB-Kandidat der CSU, fordert deshalb beispielsweise, die Anzahl neu gebauter Wohnungen deutlich zu erhöhen – auf zukünftig 10 000 Einheiten pro Jahr. Die Stadt sei in den vergangenen Jahren hinter ihren Zielen zurückgeblieben.

Auf Kosten der Mieter machen Vermieter das große Geschäft.

Trotz hoher Mieteinnahmen bleibt Münchner Vermietern bundesweit anteilig am wenigsten, so Stürzer. Der Schnitt lag 2011 bei 7,2 Prozent Rendite, Spitzenreiter ist Leipzig mit 9,8, Schlusslicht München kommt auf 4,8 Prozent – und die Rendite sank in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Der Grund: Auch die Grundstücks- und Wohnungspreise werden höher, zudem schlagen Instandhaltung und Modernisierung zu Buche.

Die Aufteilung von Mietshäusern in Eigentumswohnungen vertreibt die angestammte Bevölkerung.

Stürzer stellt fest, dass die Zahl der umgewandelten Wohnungen jedes Jahr sinkt. Hat die Stadt 1993 noch 458 Anträge für 9430 Wohneinheiten bearbeitet, waren es 2011 nur noch 40 Anträge mit 1108 betroffenen Wohneinheiten – das macht nur 0,14 Prozent des gesamten Münchner Wohnungsbestandes aus. Tatsache ist aber auch, so Zurek: „Viele Häuser wurden bereits in teure Luxusobjekte umgewandelt – ein Verbot hätten wir schon vor 20 Jahren gebraucht.“

Die Mietbelastung ist nirgends so hoch wie in München.

Wir haben zwar die höchsten Mieten, aber das ergibt nicht zwingend die schlimmsten Auswirkungen für die Menschen. Laut Statistik ist die Belastung in Berlin am größten: 28 Prozent des durchschnittlichen Netto-Einkommens gehen dort für die Miete drauf, der bundesweite Schnitt liegt bei 22 Prozent. Münchner zahlen 23 Prozent – abzüglich der Einwohner, die Leistungen wie Hartz IV beziehen, sind es 21 Prozent. Aber: Besonders Haushalte mit Einzelpersonen (26 Prozent) oder Familien (24 Prozent) liegen über dem Schnitt und tun sich finanziell schwerer. Ein Problem auch: In Sachen Gehalt sind Durchschnittswerte schwierig – das Jahreseinkommen der Münchner lag 2011 mit 27 500 Euro rund 38 Prozent über dem Bundeswert. Zurek: „Es gibt sehr wohl hohe Mietbelastungen für viele Münchner, aber eben nicht für alle. Probleme hat vor allem der Mittelstand.“

Wegen der hohen Mietbelastung müssen sich Münchner beim Wohnungswechsel einschränken.

Stürzer betont, dass der Durchschnitts-Münchner mit 40 Quadratmetern pro Person bundesweit vorn liegt – so viel Platz habe kein anderer Großstädter. Zum Vergleich: Vor 40 Jahren hatten die Münchner im Schnitt nur 20 Quadratmeter pro Person zur Verfügung. Zurek weist aber auch hier darauf hin, dass es sich um reine Druchschnittswerte handelt. Für fünfköpfige Familien gelte die Regel beispielsweise meist nicht.

Andreas Thieme

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