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Steigende Wohnpreise treiben Mieter in deutschen Metropolen auf die Barrikaden.

Immobilienverband rechnet vor

Ist wohnen in München billiger als vor 20 Jahren?

München - Alle klagen über zu hohe Mieten. München ist unbezahlbar geworden! Oder? Der Immobilienverband Deutschland (IVD) behauptet, dass die realen Mietpreise heute sogar niedriger sind als im Jahr 1992. Aber kann das sein?

Es ist eine provokante These, die der Immobilienverband Deutschland (IVD) in seiner neuen Mietpreis-Analyse aufstellt. Der zufolge ist Wohnen in München heute günstiger als noch vor 20 Jahren. Zumindest dann, wenn man die Entwicklung der Inflation mit einrechnet. Bundesweit betrug die Teuerung seit 1992 rund 40 Prozent, die Mieten in der Landeshauptstadt stiegen zeitgleich aber nur um 21 Prozent. Heißt in Summe: Die inflationsbereinigten Mietpreise lagen 2012 durchschnittlich 15 Prozent unter dem Niveau von 1992.

Ein Ergebnis, das im ersten Moment überrascht. Zumal viele unter den steigenden Mietpreisen leiden. Beatrix Zurek, Vorsitzende des Mietervereins München, hält denn auch wenig von solchen

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Berechnungen. Der Kern des Problems liegt für sie in der Belastung des Einzelnen: „Die Münchner geben durchschnittlich 38 Prozent ihres Gehalts für die Wohnung aus“, sagt Zurek im Gespräch mit unserer Zeitung. Manche sogar über 50 Prozent. Mit Statistiken sei den Menschen nicht geholfen.

Auch der IVD gibt allerdings zu: In München sind in den vergangenen fünf Jahren die Mieten im Durchschnitt um knapp 30 Prozent gestiegen. Das sei jedoch ein reiner Nachholeffekt für davor ausgebliebene Verteuerungen gewesen. Bundesweit stimme die These von der Mietpreisexplosion nicht. So habe ein Mieter 1993 noch 20,13 Prozent seines Nettoeinkommens für die Wohnung ausgeben müssen. Seit 2006 liege dieser Anteil konstant bei 15 bis 16 Prozent.

Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbunds, hält die IDV-Analyse für einen „simplen Ablenkungsversuch von den aktuellen Wohnungs- und Mietenproblemen“. Fakt sei, dass Mieter in Großstädten nie so viel Geld zahlen mussten wie heute.

Neben München betrifft das zunehmend auch Städte wie Hamburg und Berlin. Immer mehr Menschen ziehen in beliebte Szeneviertel wie das Hamburger Schanzenviertel oder den Prenzlauer Berg, was Wohnraum knapper werden und die Preise steigen lässt. Durch die Euro-Krise haben im Übrigen auch ausländische Investoren den Immobilien-Markt für sich entdeckt, gerade in Berlin.

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Die Mieterlobby warnt bereits davor, dass viele Menschen aus den Zentren an den Stadtrand vertrieben würden – auch in München. Als Gegenmittel empfiehlt Beatrix Zurek genau das, was der IVD ablehnt: Eine Deckelung der gesetzlich erlaubten Mieterhöhung – höchstens 15 Prozent in vier Jahren. Und die Deckelung der Neuvertragsmieten auf maximal zehn Prozent über den ortsüblichen Vergleichsmieten. Das sei nötig. Denn: „Bei allen Studien muss man die reale Welt mit einbeziehen.“

Marcus Mäckler

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