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Sollten doppelt blechen: Die Mieter Melanie Baumgartner und Florian Fackler.

Miese Methoden

Mieterverein verklagt Immobilien-Mogul – und siegt vor Gericht

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Münchens Mietmarkt ist aufgeheizt, wie noch nie. Immobilien-Mogule wie Rainer Beck profitieren davon - auch weil sie mit horrenden Mieterhöhungen arbeiten. Eine Münchnerin hat sich jetzt gerichtlich gewehrt - und gewonnen.

München - Egal, ob Schwabing, im Glockenbachviertel, in Neuhausen oder Giesing – Rainer Beck besitzt überall Häuser. Wer der Mann ist? Laut Mieterverein ist der steinreiche Immobilien-Mogul einer der schlimmsten „Entmieter“ der Stadt. Sein Vorgehen sei immer dasselbe: Erst kauft er Häuser auf, beginnt dann zu sanieren – und kündigt sofort horrende Mieterhöhungen an. Jetzt aber hat das Amtsgericht den Unternehmer eingebremst: In einem Fall sind die Ankündigungen von Modernisierungen und Mieterhöhungen unwirksam.

Altmieter sollen raus

Beim Mieterverein feiert man das Urteil als Sieg mit Signalwirkung. „Rainer Beck hat vorrangig ein Ziel: Alle Altmieter loszuwerden, denn dann sind seine Immobilien am meisten wert“, so Chef Volker Rastätter. Die Masche sei immer gleich: Nachdem er eine Immobilie erworben hat, schickt Beck Briefe, in denen er Umbauten ankündigt. So wie auch bei Elena S. aus Neuhausen. Da die Dame ja neue Heizkörper, Wohnungstüren und auch eine neue Wasserversorgung bekomme, solle sie 400 Euro mehr zahlen, so der Unternehmer. In manchen Fällen wurde die Miete um 700 Euro angehoben. Im Fall von Elena S. aus Neuhausen klagte der Mieterverein vor dem Amtsgericht. Das Gesetz regelt, wie solche Ankündigungen auszusehen haben. Zum Beispiel muss genau erläutert werden, wann es losgeht, was gemacht wird. Dies sei viel zu vage gewesen. Rastätter: „Auch waren manche Maßnahmen reine Instandsetzungen, die muss der Mieter gar nicht bezahlen.“ Das Gericht legte Beck nahe, einzulenken, was er dann auch tat.

Einst bei 1860 im Gespräch

Will Altmieter rausekeln: Unternehmer Rainer Beck. 

„Damit hat Beck zugegeben, dass nicht nur diese Schreiben, sondern auch viele andere rechtlich unwirksam sind. Er verschickt sie letztlich nur, um Mieter einzuschüchtern.“ Das scheinen auch weitere Fälle zu belegen, so wie bei Mietern an der Leopoldstraße (siehe unten). Viel ist über Rainer Beck nicht bekannt. Seine Firma Haus von Beck sitzt am Viktualienmarkt. Vor einigen Jahren wollte der Unternehmer beim TSV 1860 als großer Investor einsteigen. Daraus wurde nichts. „Hanebüchen“, nannte der Verein die Ideen des Unternehmers. Man entschied sich für Hasan Ismaik. Später wollte Beck dann beim EHC einen Fuß in die Tür bekommen. Vergebens. Es blieb beim Wohnungsgeschäft. Auch im Rathaus beobachtet man das Miet-Problem mit Argusaugen: „Es gibt ja nicht nur den Herrn Beck, es gibt einige Vermieter, die den Bogen überspannen oder ausreizen“, stellt SPD-Stadtrat Christian Müller fest. „Leider können wir von kommunaler Seite da relativ wenig machen. Wir sind auf die Mittel angewiesen, die uns der Gesetzgeber mitgibt.“ Marian Offman (CSU) freut sich über die Entscheidung des Gerichts: „Das Urteil ist ein richtiger Ansatz. Aber wir müssen die Mieter auch besser aufklären.“ Sein Tipp: Nichts unterschreiben.

Der Rechtsanwalt von Investor Beck sieht den Fall hingegen ganz anders: Seiner Meinung nach ist der Mieterverein hier weit über das Ziel hinausgeschossen. Denn bei der Mieterin aus Neuhausen handle es sich um einen Einzelfall, weil das Schreiben versehentlich an den verstorbenen Ehemann der Frau adressiert war. Ein Formfehler, den Beck vor Gericht auch zugegeben habe. Ob das Schreiben die gesetzlichen Anforderungen erfüllte, spielte überhaupt keine Rolle, so der Anwalt.

Der Fall Leopoldstraße 103: Bewohner sollen doppelte Miete zahlen

Genau ein Jahr ist es her: Da berichtete die tz groß über eine Luxussanierung der ganz eigenen Art in der Leopoldstraße 103. Besitzer der Immobilie: Rainer Beck. Nach Renovierung und Umbau sollten die Mieter dort teils fast das Doppelte an Miete zahlen. Bei Melanie Baumgartner und ihrem Mann Florian Fackler (oben im Bild) wurden so aus rund 800 Euro Miete plötzlich rund 1500 Euro. Doch die Familie (Mama Melanie wohnt seit 23 Jahren in dem Haus) wollte sich das nicht gefallen lassen: „Ich werde dafür kämpfen, dass wir bleiben dürfen“, kündigte die Münchnerin damals an.

Doch wie die tz erfuhr, muss das Paar nun doch ausziehen. Und zwar bis spätestens Ende 2019. Die Familie musste sogar einen Auflösungsvertrag unterschreiben – und in diesem zudem zusichern, dass sie in Zukunft nicht mehr mit der Presse sprechen wird. Jetzt sucht Melanie Baumgartner verzweifelt ein neues Zuhause. Übrigens: Die Bauarbeiten an dem Haus sind noch immer im Gange.

Immense Mieterhöhungen 

Wie immens die Mieten nach den Umbauten erhöht werden, zeigt ein weiteres Beispiel des Mietervereins: Erika L. (Name geändert) musste ihre Wohnung verlassen, weil sie sich die Erhöhung nicht leisten konnte. 520 Euro zahlte sie für ihre 76-Quadratmeter-Wohnung. Wenige Monate nach ihrem Auszug, so der Mieterverein, inserierte Rainer Beck eine solche Wohnung saniert für 1896 Euro warm. Erika L. zum Mieterverein: „Bei solchen Preisen, wer kann da noch mithalten? Was hier passiert, ist der reine Wahnsinn.“

Apropos Mietstreit: Auch diese Unterhachingerin soll aus ihrer Wohnung raus - nach 47 Jahren.

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