Marseille: Auto rast in Bushaltestelle - eine Tote

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Verstehen die Welt nicht mehr: Inge und Robert Weinzierl mit ihrer Mieterin Inge Mainka (M.).

Erhöhung von 1100 auf 10.650 Euro

Mieter beschweren sich: Stadt verzehnfacht Grundsteuer nach Sanierung

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München - Damit hätten die Weinzierls nie und nimmer gerechnet! Nachdem das Ehepaar einen alten Bauernhof saniert hatte, erhöhte die Stadt die Grundsteuer exorbitant.

"Die Stadt ist mit Schuld an den hohen Mieten in München, denn auch sie dreht an der Preisschraube", sagt Inge Weinzierl. Als einen Grund dafür hat die Vermieterin den hohen Hebesatz bei der Grundsteuer ausgemacht. Inge Weinzierl hat gemeinsam mit ihrem Mann Robert in Trudering einen alten Bauernhof entkernt und saniert. "Aus ehemals 250 Quadratmetern Wohnfläche zauberten wir mithilfe von zwei Millionen Euro 1000 Quadratmeter behindertengerechten Wohnraum", sagt sie.

Nun aber hat die Stadtkämmerei die Grundsteuer erhöht, und zwar auf rund das Zehnfache! Die Weinzierls müssen künftig jährlich 10.648,10 Euro Grundsteuer zahlen (statt bisher 1099,10 Euro). Der Grund dafür ist kompliziert, es liegt weitestgehend an der Wertsteigerung des Hauses durch die Sanierung. Die Grundsteuer in München ist relativ hoch im Vergleich zum Umland.

Grundsteuer kann nicht auf Vermieterin umgelegt werden

Normalerweise legen Vermieter die Grundsteuer auf die Mieter um - das erlaubt das Gesetz ausdrücklich. "Aber wenn wir das machen, dann kann sich unsere langjährige Mieterin Inge Mainka ihre Wohnung nicht mehr leisten, denn sie hat nur sehr wenig Geld zur Verfügung", sagt die Vermieterin. Dann müsste sich die 75-Jährige, die seit 50 Jahren Mieterin bei den Weinzierls ist, nach einer günstigeren Bleibe umschauen. Dies, obwohl sie schon bei den Weinzierls für Münchner Verhältnisse sehr günstig wohnt - sie zahlt rund 400 Euro kalt für 60 Quadratmeter.

Diese günstige Miete zu halten, ist für ihre Vermieter nicht einfach. Denn Vermieter können Investitionen, Instandhaltung und Unkosten nur dann steuerlich geltend machen, wenn die Miete mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete beträgt. Bei den hohen Preisen in München laufen Vermieter leicht Gefahr, dass das Finanzamt von einer Gefälligkeitsmiete ausgeht. Die Weinzierls wollen die Mehrkosten trotzdem nicht auf Mainka umlegen.

Vermieter machen weniger Rendite als in anderen Städten

"Die Stadt muss sich im Klaren darüber sein, dass ein hoher Hebesatz bei der Grundsteuer auf die Mieter durchschlägt", sagt Rudolf Stürzer, Vorsitzender von Haus und Grund München. Im Übrigen stimme es nicht, dass Vermieter in München den großen Reibach machen. "Im Gegenteil: Im städtischen Wohnungsmarktbericht steht Schwarz auf Weiß, dass die Rendite für Vermietungen in München die niedrigste im bundesdeutschen Durchschnitt ist." Das liege etwa an exorbitanten Grundstückspreisen und Erwerbskosten.

"Ich finde es falsch, dass das Gesetz es erlaubt, die Grundsteuer auf die Mieter umzulegen", sagt dagegen Mietervereinspräsidentin Beatrix Zurek. "Der Vermieter hat ja den Gegenwert, ein wertvolles Haus - warum soll der Mieter dafür berappen?" An der hohen Grundsteuer in München will sie nicht rütteln. Denn: "Die Stadt finanziert dadurch ihre Infrastruktur, etwa Parks, Schulen und kulturelle Angebote, so etwas gibt es in kleinen Kommunen nur in viel geringerem Umfang", sagt Zurek.

Susanne Sasse

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