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Teure Landeshauptstadt: In München kostet ein Einfamilienhaus durchschnittlich 1,2 Millionen Euro, im Landkreis München sogar 1,5 Millionen Euro. Im oberfränkischen Kronach sind es dagegen nur 85 000 Euro.

Immobilienpreise im Vergleich

Weltstadt München: Einfach unbezahlbar

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München - 1,5 Millionen Euro für ein Einfamilienhaus – der Traum vom eigenen Zuhause ist in München für die meisten Menschen unerschwinglich. Der erste amtliche Bericht über den Immobilienmarkt zeigt riesige Unterschiede innerhalb von Bayern.

Am Schluss kann sich Joachim Herrmann einen kleinen Seitenhieb auf die Kirchen nicht verkneifen. Es geht um die Frage nach Grundstücken für neue Wohnungen. Der Innenminister weist darauf hin, dass gerade die Kirchen über viele Flächen verfügen – und spielt damit auf das am Montag bekannt gewordene gewaltige Vermögen des Erzbistums München an.

Eigentlich aber geht es an diesem Montag um eine Bestandsaufnahme des bayerischen Immobilienmarkts, vorgelegt vom neu ins Leben gerufenen „Oberen Gutachterausschuss“. Der Bericht basiert auf 400 000 Daten der örtlichen Gutachter. Er listet detailliert die verschiedenen Bereiche des Immobilienmarktes auf – von Eigentumswohnungen über Familienhäuser hin zu landwirtschaftlichen Flächen. Für das Jahr 2014 weist der Immobilienmarkt im Freistaat einen Geldumsatz von gut 36 Milliarden Euro aus – rund 20 Prozent des gesamten Markts in Deutschland.

Preise für Einfamilienhäuser: Riesen Unterschiede in Bayern

Der bayernweite Durchschnittspreis eines Ein- oder Zweifamilienhauses liegt bei 340 000 Euro, ein Reihenhaus beziehungsweise eine Doppelhaushälfte kostet im Mittel 275 000 Euro. Die Immobilienpreise unterscheiden sich in den verschiedenen Regionen deutlich. So kostet ein Einfamilienhaus im oberfränkischen Landkreis Kronach rund 85 000 Euro. Eine vergleichbare Immobilie im Landkreis München kostet dagegen 1,5 Millionen Euro, in der Landeshauptstadt selbst 1,2 Millionen Euro. Ein immenser Unterschied, der auch den Innenminister zum Nachdenken bringt. Für Menschen mit einfachen und mittleren Einkommen – man hat sie früher mal Otto Normalverdiener genannt – sei das schlicht nicht mehr bezahlbar. Auch der Speckgürtel um München wird immer teurer: Bei Ein- und Zweifamilienhäusern gibt es im Landkreis Dachau den bayernweit stärksten Anstieg – mehr als 50 Prozent in den vergangenen drei Jahren.

Die Preise pro Quadratmeter Wohnfläche reichen 2014 und 2015 von rund 1200 Euro beim Wiederverkauf in Oberfranken bis 2800 Euro in Oberbayern. Bei den Neubauten müssen Käufer in der Oberpfalz rund 2600 Euro pro Quadratmeter aufbringen. In Oberbayern sind es etwa 4100 Euro und im Ballungsbiet München teils deutlich über 6000 Euro.

Der Gutachterausschuss hat auch den Zusammenhang zwischen Bevölkerungs- und Preisentwicklung untersucht. Wo die Bevölkerungszahl steigt, steigen die Preise – allerdings schon bei vergleichsweise geringem Einwohnerzuwachs. „Wächst die Bevölkerung um nur ein Prozent, sind Preissteigerungen bei Wiederverkäufen von 15 bis sogar 45 Prozent der Regelfall“, sagt Herrmann.

"Keine Überhitzung des Immobilienmarktes"

Es sind viele Zahlen und Tabellen, die an diesem Tag im Innenministerium präsentiert werden. Und alles ist natürlich immer auch eine Frage der Perspektive. Von einer Überhitzung des Immobilienmarktes könne keine Rede sein, sagt Herrmann. Betrachte man die Jahre 2000 bis 2015 ergebe sich bei Immobilien eine durchschnittliche Wertsteigerung von drei Prozent. Schaut man sich die Zahlen genauer an, fällt auf: Zwischen 2011 und 2014 stieg der Geldumsatz um 13 Prozent – obwohl die Zahl der verkauften Immobilien um 14,5 Prozent zurück gegangen ist. In München ist die Steigerung in den vergangenen Jahren teils noch größer. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Nach dem Fingerzeig in Richtung Kirchen bringt Herrmann noch – etwas verklausuliert – seinen Unmut über den mancherorts schleppend voran gehenden Wohnungsbau zum Ausdruck. „Natürlich akzeptiere ich die kommunale Planungshoheit und will daran nicht rütteln“, sagt der Innen- und Bauminister. „Aber ich akzeptiere nicht, wenn mir jemand in einer Großstadt erzählt, die Aufstellung eines Bebauungsplans dauere fünf Jahre. Das ist einfach Unsinn.“

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