Jetzt droht der Rauswurf

Dreiste Untermiete: Frau verlangt dreifachen Preis

München - Eine Frau hat die Wohnung, die sie selbst mietete, zum dreifachen Preis zur Untermiete im Internet angeboten. Nun droht ihr der Rauswurf.

Im Prozess um eine fragwürdige Untervermietung konnten sich eine Mieterin und ihre Hausverwaltung am Mittwoch vor dem Münchner Landgericht nicht einigen. Die Frau hatte ihre 80 Quadratmeter große Mietwohnung im Internet für das Dreifache ihrer eigentlichen Miete angeboten. Auf einem kostenlosen Online-Portal stellte die Münchnerin über ein Jahr lang ihre Dachgeschosswohnung im Glockenbachviertel für 2100 Euro zur Untermiete ein. Sie selbst bezahlt warm lediglich 760 Euro.

Zufällig stolperte die Hausverwaltung über die Anzeige und informierte die Vermieterin, woraufhin diese klagte. Das Amtsgericht hatte eine Räumung zunächst abgewiesen. Die Vermieterin ging in Berufung. Bei dem Prozess am Mittwoch beschäftigte das Richter-Trio vor allem der hohe Aufschlag auf die eigentliche Miete, den die Frau verlangte.

Eine geldgierige Absicht bestreitete die aufgebrachte Frau vor Gericht. Vielmehr gab die selbständige Stylistin an, sie habe lediglich jemanden gesucht, der in ihrer Abwesenheit nach dem Rechten sehe. Den hohen Preis habe sie verlangt, weil in der Wohnung kostbare Bilder hingen: „Ich wollte mich absichern.“

Die Richter zweifelten jedoch an der Aussage der Beklagten. „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass Sie jemanden finden, der für 2100 Euro Ihre Blumen gießt“, kommentierte der genervte Richter. Mit ihrem Verhalten habe die Frau die Gutmütigkeit ihrer Vermieterin ausgenutzt. Dabei sei es unerheblich, ob sich tatsächlich ein Interessent auf die Anzeige gemeldet habe oder nicht. Allein die Tatsache, eine so hohe Gewinnspanne anzusetzen, sei fragwürdig. Die Frau hatte behauptet, nur Familie und Bekannte bei sich untergebracht zu haben – mietfrei.

Immer wieder unterbrach die Frau den Vorsitzenden Richter – bis ihr Anwalt sie mit den Worten „Seien Sie mal still“ in die Schranken wies. Doch da hatte ihr Vorwurf, die Hausverwaltung habe sie schon länger „auf dem Kieker“, die Stimmung bereits weiter angeheizt: „Warum ziehen Sie dann nicht aus?“, fragte der Richter. Einen entsprechenden Kompromissvorschlag der Hausverwaltung, sich bis Anfang 2014 eine neue Wohung zu suchen, schlug die Mieterin aus. „Ich finde das einfach ungerecht“, erklärte sie.

Beim Münchner Mieterverein kennt man die Probleme, die Untervermietungen mit sich bringen können. Sind Mieter aus beruflichen oder privaten Gründen länger im Ausland, mache eine Untervermietung durchaus Sinn, erklärte Sprecherin Anja Franz – „bevor sich die Betroffenen auf dem schwierigen Münchner Wohnungsmarkt später eine neue Bleibe suchen müssen“. Jedoch sei zuvor Folgendes zu beachten: Der Vermieter muss schriftlich über das Vorhaben einer Untervermietung informiert werden – und zustimmen. Erst dann stehe einer Untervermietung nichts mehr im Weg. Im Fall der hier beklagten Mieterin, die laut eigener Aussage beruflich öfter im Ausland unterwegs ist, stört sich die Sprecherin des Mietervereins aber an der Summe. So einen „Reibach“ zu machen, sei „dreist“ und ihr noch nie untergekommen.

Im Saal 167 des Justizpalastes wurde am gestrigen Tag jedenfalls keine abschließende Lösung gefunden. Mit Blick auf die Uhr vertagte der Vorsitzende Richter den Fall: „Wenn ihr Gewissen rein ist, dann wird sich das auch beweisen!“, sagte er. Mit diesen Worten ist eine vorzeitige Einigung in diesem Prozess vom Tisch. Die Beklagte muss nun beweisen, dass sie nur Bekannte bei sich zu Hause untergebracht hat, andernfalls droht ihr eine fristlose Kündigung.

Stephanie Hartmann

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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