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Home Staging: Wenn die Immobilie zum Verkauf aufgebrezelt wird

Pimp up my home

Wer sein Auto verkaufen will, putzt und poliert es. Das sollte man mit seiner Immobilie auch machen. Inzwischen gibt es Profis dafür. Die haben jede Menge gute Tipps.

Der Trend kommt mal wieder aus Übersee und nennt sich Home Staging – frei übersetzt: das Heim in Szene setzen. Dafür gibt es inzwischen ausgewiesene Profis, die nicht nur schöne Fotos fürs Verkaufsexposé machen, sondern vorher mit „neutralen“ Leihmöbeln und gängigen Wohnaccessoires die Wohnung oder das Haus zur Projektionsfläche für den Wohntraum der künftigen Besitzer machen. Musterwohnungen im Neubau werden beispielsweise von Home Stagern eingerichtet. Aber auch für Privatverkäufer lohnt sich Home Staging. Denn haben sich die Interessenten erst einmal ins neue Zuhause verliebt, wird kaum noch um den Preis gefeilscht. Man will sich das Objekt der Begierde ja nicht gleich wieder schlecht reden. Ziel beim Home Staging: Die Vorstellungskraft der Interessenten nicht blockieren sondern anregen und die einzelnen Nutzungsmöglichkeiten der Räume deutlich zeigen. Also weg mit dem Schlafzimmer in Dschungelcamp-Look oder dem Wohnzimmer im orientalischen Opium-Höhle-Ambiente. Hier die wichtigsten Regeln für erfolgreiches Home-Staging

Aufräumen

Hört sich banal an, wird aber nicht selten vergessen oder nur unzureichend gemacht. Dass die Wohnung glänzt wie nach einem Frühjahrsputz versteht sich von selbst. Zum Aufräumen gehört aber auch das Wegräumen persönlicher Dinge, die etwas über die Persönlichkeit des Verkäufers aussagen. Denn die Immobilie ist der Hauptdarsteller. Da lenken die herumliegende Zahnpasta, das Parfum oder mit frechen Sprüchen bedruckte Handtücher nur ab. Ein absolutes No-Go sind selbstverständlich herumstehende leere Bierflaschen in der Küche. Eine kleine Flasche Prosecco neben einem kleinen Schälchen mit frischem Obst hingegen sagt wie im Hotel: Willkommen daheim. Auch religiöse oder politische Symbole gehören am Tag der Besichtigung weggeräumt sowie alle Möbel, die den Raum überfrachten. Ganz unmöbliert sollte er aber nicht sein. Denn, so sagt Home-Staging-Profi Dieter Abram aus Bruckmühl (Kreis Rosenheim): Leere Räume verschwinden rasch aus der Erinnerung, und sie zeigen auch keine Nutzungsmöglichkeiten. Ohne Möbel weiß der Käufer nicht, was er mit dem Raum anfangen kann. Und er hat auch keine Vorstellung, was in den Raum passen würde.“

Licht machen

Ein simpler Trick im Home Staging, nicht nur fürs Foto: Alle Lampen einschalten und für spezielle Ecken Akzente mit Extra-Lampen setzen. Das schafft nicht nur Helligkeit sondern auch Wärme. Regel: Je heller ein Raum, desto größer wirkt er. Da kann es auch sinnvoll sein, dunkle Teppiche oder schwere dunkle Wandschränke zu entfernen. Problem dabei: Manche Möbel braucht man einfach zum täglichen Wohnen. Am optimalsten ist es, wenn man zum Besichtigungszeitpunkt schon nicht mehr im Verkaufsobjekt wohnt. Dann können alle Register des Home-Stagings gezogen werden.

Raum schaffen

Dazu gehört es auch, dass die Immobilie so groß wie möglich erscheint. Das gilt übrigens auch für den Garten. Hier sollte der Rasen gemäht, die Sträucher gestutzt und die Terrasse bis auf eine einladende Sitzgruppe geräumt sein. Bei einer Immobilie mit Garten findet der Besichtigungstermin am besten im Frühjahr statt, wenn das Gras saftig grün ist und die ersten Pflanzen schon blühen. Dem Wohnzimmer kommt eine zentrale Bedeutung bei der Besichtigung zu. Es ist oft der Ausgangspunkt der Vorstellung der Wohnung und hier endet meistens auch die Besichtigung. Hier werden die Daten zur Immobilie noch einmal zusammengefasst und auch Verhandlungen geführt. Daher sollte dieser Raum besonders harmonisch, behaglich und freundlich wirken.

Die ersten Sekunden

Ganz wichtig ist auch der Eingangsbereich, die Visitenkarte der Immobilie. Hier entscheiden Sekunden, ob potenzielle Käufer neugierig auf den Rest werden oder innerlich eine abwehrende Haltung einnehmen. Das Problem: Im Alltag ist dieser Bereich meist vom Nutzen des Aufbewahrens und Bereithalten geprägt. Da stehen Schuhe herum, die Garderobenhaken sind überbordet mit Mänteln und Jacken, Schlüssel und Geldbeutel stapeln sich auf der Kommode. Tipp vom Profi Abram: „Der Eingangsbereich sollte eher wie ein Ausstellungsraum als wie ein Nutzraum gestaltet sein.“ Also weg mit allen persönlichen Dingen und dem Schrankungetüm, dafür gut ausleuchten und den Raum großzügig erscheinen lassen. Ist der Flur eher klein, sollten keine großformatigen Bilder dort hängen. Das macht den Raum noch kleiner. Genauso wie dunkle Wandfarben oder zu viel Holz.

Schon besser: Licht an und alles sieht gleich viel freundlicher aus.

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