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Günter S. im Bad, mit dessen Renovierung er viel Ärger hatte.

Ihre Rechte bei Handwerker-Ärger

Pfusch im Bad: Nach dem Urlaub gab‘s die böse Überraschung

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Liefert der Handwerker gute Arbeit ab, gibt‘s keine Diskussion um die Rechnung. Leider gibt‘s aber oft Unstimmigkeiten. So auch in unserem heutigen Fall. Klaus S. wollte sein Bad komplett sanieren - doch er erlebte eine böse Überraschung. 

Germering - Der Plan war eigentlich gut durchdacht. In die Eigentumswohnung von Klaus S. sollte ein neues Bad eingebaut werden. Für die dreiköpfige Familie wäre das eine für mehrere Tage eine große Belastung gewesen, denn eine andere Waschgelegenheit gab es nicht im selben Haus. Also entschlossen sich die Germeringer, in der Bauphase Urlaub zu machen. Der Termin mit dem Handwerker wurde so gelegt, dass die drei die Osterferien an der Ostsee verbringen konnten, um nach der Rückkehr zu Hause ein neues Bad zu genießen.

In der Zeitung hatte der 45-Jährige eine Anzeige entdeckt: „Badsanierung aus einer Hand.“ Perfekt, dachte er – und beauftragte den Handwerker. Der versprach, dass alles termingerecht in den Osterferien erledigt werde, und sein Preis von 6500 Euro klang gut. Er war der Billigste. Beruhigt stiegen also Klaus S., seine Frau und die Tochter ins Auto, fuhren gen Norden. Denn obendrein hatten die Schwiegereltern zugesagt, auf der Baustelle ab und zu nach dem Rechten zu schauen.

Die Liste der Mängel war lang

Die Rechnung überwies Klaus S. noch im Urlaub. Er hatte Vertrauen. Hätte er nur gewartet, bis er wieder zu Hause war! Ein Auszug aus der Liste der Mängel: Fliesen falsch verfugt, kein elastisches Silikon verwendet, Fugenmasse nicht abgewaschen, Stromverteilerdeckel überfliest, falsche Bordüre verwendet (siehe Foto), Bodenfliesen wackelig verlegt, Fenster falsch eingebaut, falsche Heizkörper montiert. Was den Wohnungsbesitzer zusätzlich aufregte: Die Handwerker hatten in der Küche Fliesenkleber und Farbe angerührt und nicht aufgeräumt. Und sie hatten in der Wohnung – trotz ausdrücklichen Verbots – geraucht. „Ich habe den Handwerker deswegen extra angerufen!“

Fliesen wurden falsch verfugt,  Fugenmasse nicht abgewaschen.

Die Erholung aus dem Osteseeurlaub war daher schnell dahin. Stattdessen gab es einen zähen Streit darüber, wer für die Nachbesserungen aufkommt. Letztlich konnte er zwar einen Vergleich aushandeln, aber die Badrenovierung hat ihn neben vielen Nerven rund 700 Euro zusätzlich gekostet, bis alles so war, wie er sich das vorgestellt hatte.

Das Fazit von Klaus S.: „Ich habe an der falschen Stelle gespart.“ Heute würde er nicht gleich das billigste Angebot nehmen, er würde die Handwerker nicht alleine werkeln lassen und er würde konsequent auf das Rauchverbot bestehen.

Baupfusch ist der Horror jedes Bauherrn. Deshalb sollten sie bei der Wahl ihrer Baufirmen deren Kompetenzen genau prüfen.

Das sagt der Experte, Anwalt Holger Scheiding

Anwalt Holger Scheiding.

Es gibt keine rechtlichen Vorgaben darüber, ob ein Unternehmen den Einbau ohne Aufsicht vornehmen darf. Unsere Beratungspraxis zeigt aber, dass dies normalerweise zwischen Auftraggeber und Fachbetrieb abgesprochen wird. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) geht lediglich davon aus, dass der Besteller dem Unternehmen die Möglichkeit einräumen muss, die Leistung ohne Behinderungen und Verzögerungen erbringen zu können. Im Einzelfall kann es beispielsweise eine Behinderung darstellen, wenn der Kunde den Handwerker wiederholt in sachlich nicht gerechtfertigte und zeitraubende Diskussionen verstrickt. Man sollte den Fachbetrieb seine Leistungen schon ungestört ausführen lassen.

Das Rauchen, insbesondere wenn vom Auftraggeber ein ausdrückliches Rauchverbot ausgesprochen wurde, stellt eine Pflichtverletzung dar. Dies kann, sofern tatsächlich ein Schaden entstanden ist, einen Schadensersatz-Anspruch nach sich ziehen. Er kann gegen den Vergütungsanspruch aufgerechnet werden. Dasselbe gilt für die Benutzung und das nicht ordnungsgemäße Hinterlassen der Küche durch die Handwerker.

Werden die vereinbarten Leistungen tatsächlich mangelhaft ausgeführt, hat der Handwerksbetrieb nicht nur die Verpflichtung zur Nachbesserung. Es ist vielmehr auch sein gutes Recht, etwaige Mängel nachbessern zu dürfen. Lässt der Kunde die mangelhafte Leistung durch ein anderes Unternehmen beseitigen, ohne dem Handwerksbetrieb das Recht der Nachbesserung eingeräumt zu haben, ist der Handwerksbetrieb grundsätzlich nicht verpflichtet, die Kosten dafür zu tragen. Der in unserem Fall vom Handwerksbetrieb gewährte Nachlass ist jederzeit möglich, sofern sich der Kunde damit einverstanden erklärt. In diesem Fall liegt eine einvernehmliche Lösung vor. Sofern es dazu nicht kommt, kann der Kunde eine Minderung nur fordern, wenn der Nachbesserungsversuch des Handwerkers fehlgeschlagen ist. Von Fehlschlagen spricht man bei erfolglosem Fristablauf zur Nachbesserung oder zweimaligem erfolglosem Nachbesserungsversuch.

Abschließend sollte auf gesicherter Grundlage, unter Einbeziehung eines von der Handwerkskammer öffentlich vereidigten Sachverständigen geklärt werden, ob tatsächlich Mängel vorliegen.

Mitmachen und gewinnen

Bei unserer großen Leseraktion suchen wir Handwerker, über die Sie sich geärgert haben. Aber auch solche, die besonders zuverlässig arbeiten. Schreiben Sie uns von Ihren Erfahrungen! Für die Problemfälle stehen uns drei Experten mit Rat und Tat zur Seite. Schicken Sie Ihren Bericht zusammen mit Fotos vom gelungenen oder misslungenen Handwerkerprojekt per Mail an aktion@tz.de, Betreff: Handwerker. Oder per Post an: tz, Aktion Handwerker, Paul-Heyse-Str. 2–4, 80336 München. Absender und Telefonnummer bitte nicht vergessen, unter der Sie tagsüber erreichbar sind. Einsendeschluss ist der 25. März 2017. Als Belohnung gibt es tolle Preise zu gewinnen: Zusammen mit der Firma Robert Bosch Power Tools GmbH verlosen wir unter allen Einsendern zehn hochwertige Heimwerkergeräte.

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