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Die Studentin Laila Nysten macht aus gebrauchten Dingen lieber Neues, bevor sie die Sachen wegwirft. Foto: Jennifer Töpperwein

Selbst machen statt kaufen: Jugendliche setzen auf Upcycling

Hamburg (dpa/tmn) - Die Kleiderschränke quillen über, doch viel Individuelles ist nicht dabei. Dann doch besser Geld sparen und upcyceln. Viele Jugendliche gestalten ihre Shirts um oder tragen Schmuck aus Müll. Eine Idee, die nicht nur den Geldbeutel schont.

Mit einer Nagelschere schneidet Laila Nysten kleine Löcher in einen alten Fahrradschlauch. Sie zieht goldene Ösen hindurch und knotet eine rote Kordel daran. Die 20-jährige Studentin aus Hamburg braucht einen neuen Schlüsselanhänger. "Ich mach einfach mal", sagt sie und schneidet weiter. Der Anhänger wird ihr nachher bestimmt gefallen, schließlich hat Laila jahrelange Erfahrung beim Upcycling.

So nennt man es heute, wenn aus alten Dingen Neues entsteht. "Ich finde es toll, wenn Sachen eine Geschichte haben", sagt Laila. Sie bestickt ihre alten Klamotten und hat so wieder neue Shirts im Schrank. Oder sie näht sich aus altem Stoff bunte Taschen.

Wie Laila entdecken viele junge Menschen alte Handwerkskünste wieder. Upcycling und Do it yourself sind im Trend, urteilt der Trendforscher Peter Wippermann aus Hamburg. Das könne man schon am Boom der Teilen- und Tausch-Angebote sehen. "Im Modebereich gibt es immer mehr Secondhand-Läden", erklärt er.

Upcycling ist eine Gegenbewegung, die vor allem bei Jugendlichen ankommt. "Sie suchen sich Nischen, die von Erwachsenen ignoriert werden, und wollen ihr eigenes Ding machen", erklärt Wippermann.

"Mit meinen Klamotten aus den 70ern und 80ern kann ich meine Eltern jagen", bestätigt Laila. Ansonsten unterstützen sie ihre Eltern. Das Nähen hat ihre Mutter ihr beigebracht. Nähen, Stricken, Häkeln haben kein verstaubtes Image mehr, obwohl sie uralt sind, erklärt Sandra Unger, Sozialpädagogin in Düsseldorf. "Upcycling kombiniert alte Handwerkstechniken mit Modernem."

Neu sei das Politische dabei. Aus Stricken werde "Urban Knitting" und meint, dass junge Menschen den öffentlichen Raum für ihre Kunst nutzen: Sie umstricken Bäume, Fahrräder und Denkmäler. Die englischen Begriffe zeigen, dass die alten Techniken cool gemacht werden. So passe es auch zusammen, dass sportliche Jungs Mützen häkeln und deutschlandweit verkaufen, sagt Wippermann. Retro sei Jugendkultur.

Was man noch alles aus Altem machen kann, bringt Pädagogin Unger Jugendlichen im Verband "Die Falken" in Workshops bei: "Wir schneiden T-Shirts in Streifen und weben daraus Teppiche", sagt sie. "Aus leeren Saftpackungen werden Portemonnaies und Vasen, Ökobeutel besprühen wir mit Farbe." Und weil die Jugendlichen das in einer Gruppe machen, ist die Freude am Upcyceln noch größer.

Neben dem Sozialen ist auch das Finanzielle ein Grund, warum so viele Jugendliche wieder selbst etwas machen, glaubt Dorothee Landgrebe. Sie ist Referentin für Ökologie und Nachhaltigkeit der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin. Wer seine alten Sachen verschönert, muss nichts Neues kaufen.

In einer Studie fand die Stiftung heraus, dass die deutschen Kleiderschränke überquellen. "Wir haben drei- bis viermal so viel Kleidung wie in den 70er Jahren", fasst Landgrebe zusammen. Für die Herstellung wird viel Chemie verwendet und so die Umwelt belastet. Weniger kaufen und mehr upcyceln hilft also auch der Natur.

Allerdings hat nicht jeder sofort kreative Ideen. "Ich bekomme meine Ideen im Internet, in Blogs und sozialen Netzwerken, in Büchern und beim Beobachten von Leuten auf der Straße", sagt Sandra Unger. In großen Städten gebe es außerdem mittlerweile viele Geschäfte, die Selbstgemachtes verkaufen. Dort kann man sich inspirieren lassen.

Studie der Heinrich Böll Stiftung "Nutzen statt Besitzen" (pdf)

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