+
Die Bausparer sind sehr beliebt.

Inflation frisst 2017 Vermögen auf

Sparer in Not: Bausparern drohen Kündigungen

  • schließen

München - Das ifo-Institut warnt, dass die Inflation für die Kleinsparer zum großen Verhängnis werden könnte. Es drohen sogar Kündigungen für Bausparer. Die tz erklärt, was momentan passiert.

Mehr Kindergeld, mehr Rente und ein aufgebesserter Mindestlohn: Eigentlich dürfen sich die Verbraucher 2017 auf ein wenig mehr im Geldbeutel freuen. Doch ­Clemens Fuest, der Präsident des Münchner ifo-Instituts, warnt, dass die Inflation dieses Plus schnell auffressen dürfte: „2017 könnte das allerschlechteste Jahr für Kleinsparer seit Langem werden“, so der Wirtschafts-Experte. Die tz erklärt, warum.

Was fürchtet ifo-Chef Fuest?

Ifo-Präsident Clemens Fuest

Der ifo-Präsident erklärte in der FAS, dass die 2016 extrem niedrige Inflation im neuen Jahr wieder ansteigen werde, während die Zinsen nahe null verharren: „Das heißt, das Vermögen der Bürger wird so stark wie lange nicht mehr entwertet.“ Fuest rechnet mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent. Das liegt zwar noch immer deutlich unter den von der Europäischen Zentralbank (EZB) als ideal für die wirtschaftliche Entwicklung angestrebten zwei Prozent Inflation. Doch im Verbund mit der Nullzins-Politik droht auch bei solch niedrigen Inflationsraten eine gewaltige Geldvernichtung.

Warum steigt die Inflation?

Vor allem wegen der steigenden Ölpreise, nachdem sich die Förderländer auf Produktionsbeschränkungen geeinigt haben. Ein Ölpreis über 50 Dollar im Verbund mit einem Dollar-Euro-Kurs nahe eins zu eins sorgt für bis zu 1,5 Prozent Inflation, so Stefan Schneider, Chefvolkswirt der Deutschen Bank in der FAZ. Dazu kommen dann noch die Folgen der EZB-Geldpolitik: Die Geldflut hat die Immobilienpreise deutlich steigen lassen, was in der Folge auch zu höheren Mieten führt. Laut Statistischem Bundesamt geben Verbraucher ein Fünftel ihres gesamten Konsums für die Kaltmiete aus. Sollten die Mieten also 2017 weiter deutlich steigen, wird dies die Inflation insgesamt nach oben treiben.

Was wird auf Bausparer zukommen?

Sprecher der Bauspar-Branche machten deutlich, dass auch 2017 wieder Zehntausende gut verzinste Altverträge gekündigt werden. Bereits 2015 waren 200 000 Bausparverträge mit Guthabenzinsen von drei Prozent und mehr gekündigt worden, im vergangenen Jahr weitere 60 000. „Die Kunden mit Altverträgen, um die es geht, haben in der Regel keinen Finanzierungsbedarf mehr – sie nutzen den Bausparvertrag im Schnitt rund 20 Jahre zum Sparen“, so LBS-Chef Tilmann Hesselbarth. Die Kündigung solcher Altverträge sei nötig, um nicht das ganze Bausparsystem in Gefahr zu bringen. Denn Sinn des „gemeinsamen Zwecksparens“ sei es ja, zinsgünstige Darlehen zu erlangen. „Die Kündigung von Altverträgen, die eine kleine Zahl von Kunden als Geldanlage und ohne Finanzierungsinteresse unterhalten, dienen dem Interessenausgleich von Sparern und Darlehensnehmern“, so ein Sprecher der LBS West.

Wie können sich Bausparer gegen eine Kündigung wehren?

Am 21. Februar wird der Bundesgerichtshof über eine Klage einer Wüstenrot-Kundin verhandeln, die gegen die Kündigung ihres Vertrages vorgegangen war. Sollte sie recht bekommen, droht der Branche die massenhafte Rückabwicklung von Kündigungen. In den unteren Instanzen bekamen meist die Kassen recht.

So legen die Deutschen ihr Vermögen an

Die Sparzinsen sind im Keller – trotzdem scheuen die meisten Deutschen bei der Anlage das Risiko. So legen die Deutschen ihr Erspartes an:

Bargeld und Tagesgeld: Bargeld und Einlagen bei Banken sind mit gut 2128 Milliarden Euro nach wie vor der größte Posten des Geldvermögens der privaten Haushalte. Tagesgeldkonten als Parkplatz für Liquidität stehen nach wie vor hoch im Kurs, obwohl sie kaum noch Zinsen abwerfen.

Aktien: Der Absturz der „Volksaktie“ Telekom und das Platzen der New-Economy-Blase am Neuen Markt um die Jahrtausendwende haben viele Kleinanleger nachhaltig verschreckt. Zwar erhöhte sich die Zahl der Besitzer von Aktien und/oder Aktienfondsanteilen in Deutschland im vergangenen Jahr um 560 000 auf gut neun Millionen. Das ist der höchste Stand seit 2012. Dennoch sind nur 14 Prozent der über 14-Jährigen am Aktienmarkt engagiert – und damit deutlich weniger als in anderen Ländern. Nach Bundesbank-Zahlen machten Aktien zum Ende des zweiten Quartals 2016 gerade einmal ein Zehntel (540,7 Mrd Euro) der 5401 Milliarden Euro Geldvermögen der privaten Haushalte aus.

Bausparen: Nach Zahlen des Verbands der Privaten Bausparkassen gab es 2015 knapp 30 Millionen Bausparverträge in Deutschland. Damit kommt auf jeden zweiten Haushalt mindestens ein Vertrag. 2,7 Millionen Verträge wurden im vergangenen Jahr neu abgeschlossen.

375 Milliarden Euro Gold besitzen Privatleute in Deutschland.

Gold: Privatleute in Deutschland besitzen die Rekordmenge von 8672 Tonnen des Edelmetalls – davon gut die Hälfte (4705 Tonnen) in Form von Barren und Münzen, knapp 4000 Tonnen sind Schmuck. Von 2014 bis 2016 wuchs der Goldschatz der Privathaushalte um 477 Tonnen. Wert zum Zeitpunkt der Studie der Reisebank im August 2016: 375 Milliarden Euro.

Immobilien: Die niedrigen Hypothekenzinsen heizen die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen an. In den ersten neun Monaten 2016 wurden so viele Wohnungen genehmigt wie seit 1999 nicht mehr. Auch viele Investoren spekulieren auf weitere Preissteigerungen und investieren in „Betongold“. Noch sieht die Bundesbank keine gefährlichen Übertreibungen am deutschen Immobilienmarkt. Allerdings verlocken die niedrigen Zinsen auch zum Schulden­machen. Die Bundesbank warnt vor einem Schock bei steigenden Zinsen: „Finanzierungen, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen angemessen erscheinen, könnten sich dann als nicht nachhaltig herausstellen.“

Lebensversicherungen: 91 Millionen Lebensversicherungsverträge zählte der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bundesweit. Damit hat rein rechnerisch jeder Bundesbürger mindestens eine Lebensversicherung – ein Altersvorsorge-Klassiker. Doch neue Verträge sind schon lange nicht mehr so attraktiv verzinst wie noch um die Jahrtausendwende.

Sparbuch: Das gute alte Sparbuch hat seinen Reiz bei den sicherheitsorientierten Deutschen trotz aktuell mickriger Zinsen keineswegs verloren. 44 Millionen Sparkonten zählten allein die 413 Sparkassen bundesweit zum Jahresende 2015. Gut 603 Milliarden Euro hatten die privaten Haushalte im 2. Quartal 2016 laut Bundesbank als Spareinlagen und Sparbriefe angelegt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ärger mit Paketdiensten: Dieser Mann spricht allen aus der Seele
Wer hat es selbst noch nicht erlebt? Pakete, die nicht abgegeben oder sang- und klanglos im Flur abgestellt werden. Davon kann auch Heinz Jagemann ein Lied singen.
Ärger mit Paketdiensten: Dieser Mann spricht allen aus der Seele
Bohrhämmer-Test: Mehr Leistung, mehr Akku, mehr Funktionen
Ein Bohrhammer ist ursprünglich dafür gedacht, Löcher in Beton zu bohren. Mittlerweile können die Geräte aber noch viel mehr. Das zeigt ein Test, bei dem zehn Modelle …
Bohrhämmer-Test: Mehr Leistung, mehr Akku, mehr Funktionen
Christsterne: Von aztekischer Opfergabe zum Welthit
Die leuchtend rote Pflanze gehört zur Adventszeit wie Weihnachtsbaum, Plätzchen und Glühwein. Ursprünglich stammt der Weihnachtsstern aus Mexiko. Aber erst ein deutscher …
Christsterne: Von aztekischer Opfergabe zum Welthit
Brandgefahr bei Lithium-Akku: Besser unter Aufsicht laden
Jeder Nutzer von Smartphones oder Tablets kennt die Situation: Der Akku ist leer, also wird schnell das Ladegerät angeschlossen. Das Gerät lädt auf - nicht selten über …
Brandgefahr bei Lithium-Akku: Besser unter Aufsicht laden

Kommentare