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Wird das Haus an der Corneliusstraße 4 bald luxussaniert? Bettina Karthan, Knut Gollert und ihre Söhne Jann und Finn sorgen sich um ihre Zukunft.

Mieter haben Angst und appellieren an die Stadt

Erhaltungszone verschoben - jetzt droht doch die Luxussanierung

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München - Die Erhaltungszonen sollen Mieter in München vor Luxussanierungen schützen. Doch eine dieser Zonen wurde am Mittwoch verschoben - und jetzt haben die Mieter Angst.

Das Rathaus hat ihn am Mittwoch als großen Erfolg gefeiert – den Erlass eines neuen Erhaltungssatzungsgebiets im Gärtnerplatz- und Glockenbachviertel. Schließlich geht es um den Schutz für Mieter vor Luxussanierungen. Aber: In der Corneliusstraße 4 ist den Mietern gar nicht zum Feiern zumute. Ihr Haus fällt durch die gestrige Entscheidung aus der Zone heraus – genau wie eine Reihe weiterer Gebäude. Die Mieter fordern die Stadt jetzt auf, vom Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen, um sie vor möglicher Luxussanierung zu schützen.

Denn: Die gleichen Investoren, die nebenan das ehemalige Heizkraftwerk zum Luxusturm „The Seven“ umgebaut haben, sollen bereits vor Jahren auch das Haus an der Corneliusstraße gekauft haben. Unter dem Haus hindurch wurde die Zufahrt zur „Seven“-Tiefgarage errichtet. Seitdem würden frei werdende Wohnungen in der Corneliusstraße nicht neu vermietet, zehn der insgesamt 16 Apartments stehen nach Angaben der Nachbarn schon leer …

„Bislang schützte uns die Erhaltungssatzung davor, dass die Investoren unser Haus ebenfalls luxussanieren“, sagt Desig­ner Knut Gollert (44), der mit seiner Familie im Dachgeschoss wohnt. Doch der Stadtrat beschloss am Mittwoch, dass das Schutzgebiet verschoben wird (siehe Karte). Die Corneliusstraße 4 gehört ab 1. Juni zu den aus dem Schutz „entlassenen Gebieten“, wie es im Rathaus heißt. Warum? Diese Gebiete hätten, so die Stadt, „zwar durchaus ein hohes Aufwertungspotenzial, doch ist aufgrund der Struktur der dort (inzwischen) wohnhaften Bevölkerung kein hinreichendes Verdrängungspotenzial mehr zu erkennen.“ Sprich: Es wohnen eh fast nur noch Reiche dort. Als Beispiel nennt die Stadt selbst „The Seven“. Gollert schimpft: „Unser Mieterschutz wird jetzt aufgehoben, weil die Stadt The Seven zum Luxusturm umbauen ließ. Das ist doch absurd.“

Das Haus wurde jetzt weiter verkauft – der neue Besitzer ist den Mietern unbekannt. Was ihnen nun blüht? Gollerts Nachbar Thomas Huber erzählt: „Wir haben gehört, dass ein Dachgeschossausbau und der Anbau größerer Balkone genehmigt wurde.“ Weiter: „Wir haben Angst, dass durch diese Luxussanierung die Mieten für uns unbezahlbar werden oder wir sogar gekündigt werden, wenn die Wohnungen einzeln verkauft werden und der neue Besitzer Eigenbedarf geltend macht.“ Alle Mieter fordern nun: „Die Stadt muss unser Haus kaufen. Sie kann das noch bis 30. Mai, erst dann tritt die neue Erhaltungssatzung in Kraft.“

Das zuständige Kommunalreferat gibt dem Ansinnen kaum Chancen: „Wir haben keine Rechtsgrundlage mehr, womit wir das Vorkaufsrecht ausüben könnten,“ so Sprecher Bernd Plank. Gollert widerspricht: „Stimmt nicht, es sind noch 20 Tage Zeit.“ Bezirksausschussvorsitzender Alexander Miklosy (Rosa Liste) würde das begrüßen: „Jedes Haus, das vor Luxussanierung geschützt ist, bremst den Aufwertungsdruck im Viertel.“

tz-Stichwort: Erhaltungssatzung

Wohnungsbesitzer kündigen Mietern die günstige Wohnung, um sie zu sanieren und danach teurer zu vermieten oder zu verkaufen. Um das zu verhindern, kann die Stadt Erhaltungssatzungen erlassen. 1987 traten die ersten in Kraft. Meist steht der Stadt ein Vorkaufsrecht zu. Wenn der Investor dies abwenden will, muss er sich verpflichten, Luxussanierungen zu unterlassen. Die Satzungen gelten immer fünf Jahre.

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Hier ist unsere Heimat

Bettina Karthan (45), Knut Gollert (44) und ihre Söhne Jann (6) und Finn (8): "Das Haus ist unsere Heimat, hier haben wir unsere Freunde. Wir wollen hier nicht weg. Aber wenn es luxussaniert wird, können wir uns die Miete sicher auch nicht mehr leisten."

Wir sind eine große Familie

Christian Klietz (32, Mechaniker) Thomas Huber (34, Unternehmensberater): "Wir sind wie eine große Familie und haben Angst, ausziehen zu müssen. So eine Hausgemeinschaft werden wir nie mehr finden. Unsere Nachbarin näht meine kaputten Hosen, wir richten ihre Spüle. Und wir feiern gerne miteinander. "

Und das ist jetzt der Lohn …?

Heidi Robba (76, r.): "Ich habe das Stadtgründungsfest miterfunden. Und jetzt lässt die Stadt uns Mieter im Regen stehen."
Hanna Helmberger (83, l.): "Ich habe ehrenamtlich 20 Jahre lang für die Stadt Behinderte betreut. Als ich 1960 einzog, musste ich 1000 Mark Bauzuschuss zahlen."

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