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Komplett handschriftlich mit Datum und Ortsangabe muss es sein, das selbst verfasste Testament. Auch sollte man sich um größtmögliche Klarheit bemühen.

Finanzen

Sieben Tipps zum Testament

Haus, Aktienfonds, Auto: Wer möchte, dass sein Vermögen nach dem Tod seinen Wünschen entsprechend verteilt wird, muss das vorher schriftlich in einem Testament festlegen. Ansonsten gilt die gesetzliche Erbfolge.

Die Zeitschrift Finanztest hat in ihrer September-Ausgabe zusammengestellt, was gesetzliche Erbfolge bedeutet, worauf beim Verteilen zu achten ist und wie Form und Inhalt eines Testaments aussehen müssen. Hier ein Auszug mit sieben wichtigen Fragen.

Was muss ich beachten, wenn ich ein Testament verfasse?

Viele selbst verfasste Testamente sind unklar oder sogar unwirksam. Damit das nicht passiert, ist vor allem eines wichtig: die richtige Form. Der letzte Wille muss von Anfang bis Ende handschriftlich und eigenhändig geschrieben sein. Es muss mit vollem Namen unterschrieben werden, zusätzlich ist die Ortsangabe und das Datum notwendig. Man sollte möglichst eindeutig formulieren, wer was bekommen soll. Ein Testament kann jederzeit geändert oder ergänzt werden. Wenn man ein neues schreibt, sollte das alte vernichtet werden, damit es später keine Zweifel gibt, welches gelten soll. Ein Testament sollte sicher aufbewahrt werden, allerdings auch so, dass eine Vertrauensperson es schnell finden kann. Ein Testament kann auch beim Amtsgericht hinterlegt werden.

Was bedeutet es für die Hinterbliebenen, Erben zu werden?

Erben kann einer allein oder mehrere Menschen zusammen. Der Erbe oder die Erben erhalten nach dem Tod des Erblassers dessen gesamtes Vermögen. Die Erbschaft umfasst darüber hinaus alle Rechtsverhältnisse des Vererbenden. Dazu gehören Rechte, etwa das Recht auf Mieteinnahmen für ein Gebäude, aber auch Schulden. Diese Rechtsnachfolge tritt nach dem Tod des Vererbenden automatisch ein, also ohne Zutun der Erben.

Wie können sich Partner gegenseitig am besten absichern?

Partner können jeder ein eigenes Testament aufsetzen und den jeweils anderen darin bedenken. Wer verheiratet oder verpartnert ist, kann stattdessen auch ein gemeinschaftliches Testament verfassen. Ein Klassiker ist das „Berliner Testament“: Dabei setzt man sich gegenseitig im Falle des Todes als Alleinerben ein. Nach dem Tod des zweiten Partners erben ein oder mehrere Schluss-erben. Oft sind das die gemeinsamen Kinder, die beim Tod des ersten Partners nur den Pflichtteil verlangen können. Allerdings ist das Berliner Testament nicht für alle Paare die richtige Lösung. Schon bei mittleren Vermögen kann es erhebliche steuerliche Nachteile mit sich bringen. Hintergrund ist, dass immer wenn Vermögen im Rahmen einer Erbschaft auf andere übergeht, Erbschaftsteuer fällig wird. Setzen sich Ehepartner gegenseitig als Vorerben und die Kinder als Nacherben ein, sind unter Umständen mit dem Berliner Testament sogar gleich drei Erbfälle zu besteuern: Zunächst muss der Vorerbe den Nachlass versteuern, wenn der erste Partner stirbt. Beim Tod des zweiten Partners, dem Nacherbfall, muss der Nacherbe den Nachlass des Erstversterbenden verteuern und den Nachlass des Zweitversterbenden.

Unverheiratete Partnern können kein Berliner Testament machen. Sie können sich aber mit einem Erbvertrag gegenseitig absichern und ebenfalls als Alleinerben einsetzen. Der Erbvertrag wird vor einem Notar geschlossen und von diesem beurkundet. Im Erbvertrag können die Partner durchaus flexible Regelungen treffen, sich etwa den Rücktritt vom Vertrag vorbehalten, falls sie sich trennen.

Was kann man tun, um Streit unter den Erben zu vermeiden?

Werden mehrere Personen zu Erben bestimmt oder ergibt sich dies aus der gesetzlichen Erbfolge, bilden diese nach dem Tod des Erblassers automatisch eine Erbengemeinschaft. Deren Grundprinzip lautet: Allen gehört alles. Der Nachlass geht zunächst auf alle Miterben gleichermaßen über. Sie können nur gemeinsam darüber entscheiden und müssen alles untereinander verteilen. Alleingänge sind nur in Ausnahmefällen möglich. Um Streit zu vermeiden, kann ein Testamentsvollstrecker eingesetzt werden oder eine Teilungsanordnung im Testament getroffen werden.

Der Testamentsvollstrecker verwaltet den Nachlass und teilt ihn auf. Er muss kein Anwalt sein, sollte aber rechtliche und wirtschaftliche Kenntnis haben. Mit der Teilungsanordnung kann man konkret festlegen, welcher Erbe welchen Gegenstand bekommen soll, also zum Beispiel einer das Haus, der andere das Auto.

Wie kann ich einen Angehörigen von der Erbfolge ausschließen?

Das geht im Grund genommen ganz einfach: Man kann diesen Wunsch im Testament oder in einem Erbvertrag ausdrücklich erklären, etwa mit den Worten „Mein Sohn soll nicht erben“. Es ist aber auch möglich, denjenigen, der enterbt werden soll, im Testament einfach nicht zu bedenken.

Achtung: Enterben heißt bei nahen Verwandten nicht, dass der Betroffene ganz leer ausgeht. Schließt der Vererbende einen nahen Angehörigen von der gesetzlichen Erbfolge aus, kann dieser immer noch einen Mindestanteil am Nachlass einfordern, den sogenannten Pflichtteil. Dieser steht zum Beispiel seinen Kindern und seinem Ehepartner zu – Geschwistern, Tanten und Onkeln hingegen nicht.

Was ist der Pflichtteil und wer bekommt ihn?

Auch wenn Sie in Ihrem Testament von der gesetzlichen Erbfolge abweichen und einen Verwandten nicht bedenken, spricht das Gesetz Ihren nächsten Angehörigen einen Pflichtteil zu. „Pflichtteilsberechtigt“ sind zum Beispiel der Ehegatte oder der eingetragene Lebenspartner, Kinder oder – falls es keine Kinder gibt – die Eltern.

Der Pflichtteilsanspruch ist ein Geldanspruch und richtet sich gegen den oder die Erben. Er beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Die Höhe hängt vom Verwandtschaftsverhältnis und der Zahl der Erben ab, bei Eheleuten auch vom vereinbarten Güterstand. Um den Pflichtteil zu reduzieren, gibt es verschiedene Strategien. Zum Beispiel lässt er sich verkleinern, indem der Vererbende Teile seines Vermögens verschenkt. Damit muss er rechtzeitig anfangen. Die meisten Schenkungen, die jemand in den letzten zehn Jahren vor seinem Tod veranlasst hat, werden zum Nachlass gezählt und erhöhen so den Pflichtteilsanspruch.

Wie kann der Nachlass steuerfrei auf die Erben übergehen?

Die erste Frage ist, ob die Erben überhaupt Erbschaftsteuer zahlen müssen. Das hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel vom Grad der Verwandtschaft und der Höhe der Erbschaft. Es gilt die Faustregel: Je näher der Erbe mit dem Verstorbenen verwandt ist, desto höher ist sein Freibetrag und desto niedriger fällt die Steuerlast aus. Ehe- oder eingetragene Lebenspartner können bis zu 500 000 Euro erben, ohne dass Erbschaftsteuer anfällt, Kinder bis zu 400 000 Euro.

Paare ohne Trauschein hingegen werden steuerlich fast wie Fremde behandelt. Sie haben nur sehr niedrige Freibeträge, genauso wie Geschwister, Nichten und Neffen, Onkel und Tanten. Sie alle erben nur 20 000 Euro steuerfrei. Alles, was darüber hinausgeht, muss versteuert werden. Oft lohnt es sich, Vermögen schon zu Lebzeiten zu verteilen. Zwar fällt dann oft Schenkungssteuer an, die genauso hoch ist wie die Erbschaftsteuer. Dafür lassen sich Freibeträge mit diesem Instrument alle zehn Jahre neu ausschöpfen. Bei großen Vermögen spart das eine Menge Geld.

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