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Thomas Moses bei seiner ­Arbeit: „Die ­Aufgabe tut mir gut.“

Warum er seit Jahren keine bezahlbare Wohnung findet

Thomas muss unter der Brücke leben - trotz Job

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Thomas Moses lebt seit über zwei Jahren unter einer Brücke in der Isarvorstadt - und das, obwohl er einen Job hat. Er findet keine bezahlbare Wohnung.

München - Ein eisiger Wind pfeift durch die Unterführung in der Isarvorstadt. An der Grafitti-Wand des Tunnels steht ein frisch gemachtes Bett. Alles ordentlich aufgeräumt. Sogar das Kopfsteinplaster rund um den Schlafplatz ist frisch gefegt. Genau hier lebt Thomas Moses. „Seit über zwei Jahren“, erzählt der 48-Jährige der tz. „Ich finde halt einfach keine bezahlbare Wohnung“, fügt der gelernte Einzelhandelskaufmann an. Thomas Moses ist somit ein Obdachloser – und das, obwohl er jeden Tag brav zur Arbeit geht.

Der Fall des 48-Jährigen verdeutlicht, dass einiges verdammt schief läuft in unserer Weltstadt mit Herz. Einem Ort, wo bis zu 16 Euro Miete pro Quadratmeter verlangt werden – und es mittlerweile 7000 Wohnungslose gibt. Tendenz steigend! Groß berichtete das ZDF-Magazin Frontal 21 jetzt über Münchner, die obdachlos sind – und das trotz Job.

So wie eben Thomas Moses. „Ich stehe jeden Morgen auf, fahre zur Teestube, dusche dort und gehe dann zur Arbeit“, erklärt der sympathische Mann. Er ist tätig bei einem Reycling-Unternehmen – als Entrümpler. „Das ist ein 1-Euro-Job, weil ich ja Hartz IV bekomme.“ Letzteres bedeutet 408 Euro im Monat.

Jeden Tag rackert Thomas von 7.15 Uhr bis 17 Uhr. „Ich brauche diesen täglichen Rhytmus“, erklärt er. „Die Kollegen in der Firma sind sehr nett, und ich will ja nicht nur den ganzen Tag rumsitzen.“ Besonders am Anfang bekam er in der Unterführung kein Auge zu. „Früher hatte ich ein Auto, eine Wohnung – wie fast jeder.“ Ein Schlaganfall warf ihn dann vor vier Jahren aus der Bahn. Nach der Reha lief es irgendwie nicht mehr. „Als ich das erste mal unter der Brücke lag, wusste ich nicht wie es weitergehen soll.“ Aber der Mensch gewöhne sich an alles. „Sogar an die Kälte.“

Das Bett von ­Thomas unter der Brücke. Er teilt sich den Tunnel mit mehreren ­Obdachlosen.

Armes München! Knapp 3200 soziale Wohnungen stehen in München pro Jahr zur Verfügung – es gibt aber jährlich rund 24.000 Anträge auf eine günstige Unterkunft. Damit niemand im Freien schlafen muss, gibt es unter anderem rund 1000 Kälteschutz-Plätze in der Bayernkaserne. Auch dort wohnen schon Menschen, die eigentlich einen geregelten Job haben (siehe Text unten). Warum Thomas Moses unter der Brücke schläft? „Weil mir das lieber ist als solche Gemeinschaftsräume.“ Sein Traum wäre eine kleine, eigene Wohnung. „Wo ich die Tür hinter mir zumachen kann. Und fleißig bin ich ja.“ Daran gibt es keinen Zweifel.

Dass München doch Herz hat, zeigt sich dennoch jeden Abend in der Unterführung. Dann bringen Anwohner den Obdachlosen dort (es sind insgesamt fünf) Essen und warmen Tee. „Das freut uns riesig“, erklärt der 48-Jährige. „Weil du merkst, dass du doch noch ein Teil der Gemeinschaft bist.“

Auch sie ist betroffen

In ihrem Bericht über das Obdachlosen-Problem in München sprachen die ZDF-Kollegen von Frontal 21 auch mit einer Krankenschwester aus München. Die 62-Jährige (Foto re.) lebte über 30 Jahre in einem Einfamilienhaus in der Stadt, dann wurde sie rausgeklagt. Und nun? Trotz Jobs ist sie seit einem Jahr wohnungslos, schläft momentan in der Bayernkaserne – im Bereich für die Obdachlosen. „Ich kann mir im Moment in dieser Situation einfach keine Wohnung leisten“, erklärt sie. Aber immerhin habe sie noch ihren Beruf, betont die Krankenschwester. Ihren Kindern will sie übrigens nicht zur Last fallen. Da nehme sie lieber in Kauf, kein Zuhause zu haben. „Ich habe sehr viel gelernt in diesem Jahr auf der Straße.“

Armin Geier

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