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Herbert Egerer (l.) und seine Nachbarn sorgen sich.

"Wir haben Angst"

Der tz-Mietertag: Bewohner befürchten Verkauf ihrer Wohnungen

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München - Wird die eigene Wohnung irgendwann zu teuer? Das befürchten einige Mieter in einem Puchheimer Hochhaus. Denn dann würden ihnen der Verkauf drohen.

Diana und Herbert Egerer (40) sind vor kurzem zum zweiten Mal Eltern geworden - der kleine Paul ist gerade einmal zwei Monate alt. Der große Sohn der beiden heißt Nils, ist sechs Jahre alt und geht seit einer Woche in die Schule. Eigentlich genug Gründe, um zu feiern - aber die Fleischfachverkäuferin und der Kfz-Mechaniker, der derzeit wegen verletzter ­Sprunggelenke im Krankenstand ist, machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Denn in dem Hochhaus an der Kennedystraße in Puchheim (Kreis Fürstenfeldbruck), in dem die kleine Familie seit sechs Jahren wohnt, werden die Wohnungen verkauft.

"Wir haben Angst. Bei uns haben schon zwei Interessenten für unsere Wohnung angerufen", sagt der Familienvater. Er sorgt sich nun, denn er bezahlt für die 70-Quadratmeter-Wohnung knapp 800 Euro Warmmiete. Für den Münchner Speckgürtel ist das eine sehr günstige Miete.

"Wir sind nicht die Einzigen, die sich Sorgen machen. Es wohnen hier viele Familien mit Kindern und ältere Leute, die nicht viel Geld haben. Was machen wir, wenn die neuen Eigentümer selbst in ihre Wohnungen ziehen wollen?", fragt sich Herbert Egerer. Er hat auch Angst, dass die Wohnungen irgendwann luxussaniert werden könnten - und damit so teuer, dass die bisherigen Mieter sie sich nicht mehr leisten können.

Omega-Gruppe verkauft 50 Wohnungen in drei Hochhäusern

Der Block an der ­Kennedystraße in ­Puchheim.

Verkauft werden die 50 Wohnungen in den drei Hochhäusern von der Omega-Gruppe, die in München an mehreren Standorten Wohnungen verkauft - darunter auch viele Luxusimmobilien. Die Wohnungen in Puchheim werden jedoch als Anlageobjekte angeboten, sagte ein Mitarbeiter der Omega Gruppe auf tz-Nachfrage.

Das bedeutet: "Unsere Kaufinteressenten haben die Geldanlage im Fokus. Die Kapitalanleger wollen im Regelfall nicht selbst einziehen." 20 Wohnungen seien bereits verkauft, für die restlichen sollen bis zum Jahresende neue Eigentümer gefunden werden.

"Jedenfalls brauchen sich die Mieter in den nächsten zehn Jahren keine Sorgen wegen Eigenbedarfskündigungen zu machen", sagt Volker Rastätter, Geschäftsführer des Mietervereins München. Denn in Gebieten mit erhöhtem Wohnbedarf - zu denen Puchheim gehört - gilt ein so genanntes Umwandlungsverbot. Das heißt: In Mietshäusern darf man Wohnungen nicht einfach so einzeln als Eigentumswohnungen verkaufen.

Stadt muss Umwandlung genehmigen

Zunächst braucht man zur Umwandlung die Genehmigung der Stadt - und dann haben die Mieter nach dieser Umwandlung noch zehn Jahre lang Schutz vor Eigenbedarfskündigungen. Normalerweise greift dieser Schutz nach dem Gesetz nur drei Jahre lang, aber die allermeisten Gemeinden im Münchner Speckgürtel haben die Frist auf zehn Jahre ausgedehnt - um ein bezahlbares und gemischtes Umfeld zu erhalten.

Herbert Egerer ist jetzt zumindest ein wenig beruhigt: "Wer weiß, was in zehn Jahren ist …" Ein mulmiges Gefühl bleibt aber trotzdem. "Hoffen wir, dass die Mieten nicht zu sehr steigen und dass die neuen Eigentümer Verständnis für uns alteingesessene Mieter haben", sagt er.

Susanne Sasse

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