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­Roberta Meisenheimer und ­Georg Schlicksbier in der Übergangswohnung.

tz-Mietertag: Streit um die Übergabe

Der große Ärger nach dem Auszug

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München - Vom Regen in die Traufe – so fühlen sich Roberta Meisenheimer (49) und ihr Lebengefährte Georg Schlicksbier (53). Die beiden sind aus ihrer Mietwohnung in Gräfelfing ausgezogen, nachdem der Vermieter Eigenbedarf angemeldet hatte.

Schon zuvor hatten beide Parteien Ärger miteinander – aber jetzt nach dem Auszug ist die Auseinandersetzung richtig heftig geworden! „Unser Vermieter macht uns das Leben zur Hölle“: So sieht es Roberta Meisenheimer. Der Vermieter seinerseits verweist darauf, dass das Paar die Wohnung nicht ordungsgemäß zurückgegeben habe. Gut möglich, dass sich bald ein Gericht mit der Sache befassen muss …

Meisenheimer und Schlicksbier haben mittlerweile eine neue Bleibe gefunden – weil die allerdings noch nicht frei ist, leben sie übergangsweise in einem Appartement. Ihre beiden Katzen sind derweil in einer Pension untergebracht.

Der Streit mit dem Vermieter setzt ihnen zu, dabei hätte das Paar nichts mehr nötig als Harmonie. Schlicksbier, der als Archäologe beim Landesamt für Denkmalpflege arbeitet, hat einen schweren Mediainfarkt überstanden – einen Hirninfarkt wegen einer geplatzten Schlagader. Er lag lang im Koma, war dem Tod näher als dem Leben. Trotz schlechter Aussichten hat er sich zurückgekämpft. Meisenheimer: „Die Ärzte haben gesagt, er werde nie mehr reden können, aber er hat es wieder gelernt und vieles mehr.“ Umso heftiger haben beide jetzt mit dem Streit zu kämpfen.

Meisenheimer: „Der Vermieter baut Druck auf. Er hat sogar behauptet, die schwere Behinderung meines Lebensgefährten, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, sei nur vorgetäuscht.“ Konkret geht es beim Zoff ums Geld – um die Rückzahlung der Kaution. „Diese kann der Mieter sechs Monate nach dem Auszug einfordern und einklagen“, sagt Anja Franz, Rechtsexpertin vom Mieterverein München. Und: „Wenn der Streit mit dem Vermieter persönlich belastend wird, dann hoffe ich für die Mieter, dass sie es schaffen, gelassen damit umzugehen. Mit dem Auszug ist ja immerhin eine räumliche Distanz geschaffen.“

Die inhaltliche Auseinandersetzung bleibt aber natürlich trotzdem bestehen. An einen der Anwälte von Meisenheimer und Schlicksbier schrieb der Vermieter vor wenigen Tagen, die Ex-Mieter hätten nicht alle Schlüssel zurückgegeben. Außerdem hätten sie aus der voll ausgestatteten Küche die Spülmaschine ausgebaut sowie „Vorhänge und Vorhangschienen entwendet“. Im Schreiben heißt es: „Daher bleibt gar keine Wahl: Die Fristsetzung zur Rückgabe der hoffentlich nicht vorsätzlich, sondern vielleicht ,zufällig mitgenommenen‘ Dinge bleibt bei dem von meiner Tochter übermittelten Datum; ansonsten kommt es zur strafrechtlichen Verfolgung von unserer Seite. (…). Sie sollten auf Ihre Mandanten einwirken, sich rechtskonform zu verhalten; ob es für einen Beamten harmlos ist, wegen solcher Sachen ein Strafverfahren in Kauf zu nehmen, muss Herr Schlicksbier für sich abwägen.“ Die tz fragte beim Vermieter nach, wieso er seinen Ex-Mietern Diebstahl unterstellt. Er antwortete schriftlich, dass er sich gegen „die unberechtigten Vorwürfe“ verwehre und an den Anwalt seiner Ex-Mieter lediglich geschrieben habe, er fordere die Rückgabe der vielleicht „zufällig mitgenommenen“ Dinge.

Meisenheimer sagt: „Den Briefkastenschlüssel werden wir selbstverständlich ersetzen.“ Anders aber bei der Spülmaschine und den Vorhängen, die im Übergabeprotokoll nicht aufgeführt seien. Meisenheimer: „Die Spülmaschine war bei unserem Einzug schon kaputt – und die Vorhänge hat der Vermieter mitgenommen.“ Lediglich die Vorhangschienen seien im Protokoll als bereits bei Einzug „leicht beschädigt“ vermerkt. „Dann müssen die Mieter diese auch zurückgeben oder deren Wert ersetzen“, sagt Anja Franz. Da der Vermieter schreibt, Gegenstände seien „entwendet“ worden und mit einer Anzeige droht, empfiehlt der Anwalt von Roberta Meisenheimer eine Strafanzeige gegen den Vermieter. Dabei sehnt das Paar sich eigentlich nach Ruhe und Frieden. Aber nach einer gütlichen Einigung sieht es – jedenfalls momentan – nicht aus …

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