Kisten schleppen gehört zu jedem Umzug: Entweder man packt selbst an oder eine Spedition.

Wohnungswechsel

So ziehen Sie richtig um!

München - Fast jeder Erwachsene hat es schon getan. Wirklich Spaß macht es wohl den wenigsten. Trotzdem: Der nächste Umzug kommt bestimmt. Damit er möglichst reibungslos über die Bühne geht: hier ein paar Tipps!

Ob Studenten-WG oder Eigenheim – Lebenssituationen ändern sich. Deutsche Haushalte ziehen im Schnitt alle acht Jahre um. Selten läuft alles glatt. Die richtige Vorbereitung ist wichtig.

Privat oder Profi?

Der eine lässt gern umziehen, der andere nicht. Wer Profis ranlässt, kann zwischen Komplett- und Standardumzug wählen. Bei der ersten Variante macht das Umzugsunternehmen alles, bei der zweiten teilen sich Kunde und Spedition die Arbeit. Beim Komplettumzug packt die Spedition alles ein und wieder aus. Selbst anpacken ist tabu. Für Schäden haftet die Spedition nur, wenn sie von ihren Mitarbeitern verursacht wurden. Beim Standardumzug holt der Profi die verpackten Sachen ab und bringt sie ins neue Heim. Nachteil: Selbst Kisten packen kostet Zeit und die Kisten sind beim Transport nur bedingt versichert – nämlich, wenn sie Zeichen eines Sturzes vorweisen. Vorteil: Ein Standardumzug ist günstiger als ein Komplettumzug.

Umzugsunternehmen

Auf Internet-Portalen wie umzug.org oder immowelt.de gibt es Vergleiche, Bewertungen und Umzugschecklisten. Umzug.org ist ein unabhängiges Portal des Bundesverbandes Möbelspedition und Logistik (AMÖ). „Für Kunden und Umzugsfirmen entstehen keine Kosten für das Angebot“, sagt AMÖ-Geschäftsführer Dierk Hochgesang. Ein Merkmal für seriöse Unternehmen ist eine Umsatzsteuer-Idendifikationsnummer.

Versicherung

Der Umzug mit einem Unternehmen ist gesetzlich bis zu einer Summe von 620 Euro pro Kubikmeter Umzugsgut versichert. Wichtig: Nur Unternehmen, die Lastwagen über 3,5 Tonnen einsetzen, sind auch nach dem Güterkraftverkehrsgesetz verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen.

Wertvolle Stücke sollten besser noch über eine zusätzliche Transportversicherung abgesichert werden. Das ist über die eigene Hausratversicherung möglich. Die Kosten richten sich nach der versicherten Gesamtsumme. Beispiel: Bei 100 000 Euro Versicherungssumme sind das zwischen 20 und 50 Euro.

Kosten

Hochgesang rät, zwei oder drei Angebote bei Umzugsunternehmen einzuholen und dabei auf Verständlichkeit und die allgemeinen Geschäftsbedingungen zu achten. Auch Flexibilität kann Geld sparen. „Zu Monatsende oder -beginn zieht das ganze Land um, in der Monatsmitte können Angebote günstiger sein,“ sagt Hochgesang. Kräfte und Wege sparen kann, wer sich rechtzeitig um eine Straßenabsperrung kümmert. Diese und die Genehmigungen für eine Halteverbotszone am Umzugstag gibt es beim Straßenverkehrsamt, dem Ortsamt oder dem Landratsamt. Beauftragt man eine Möbelspedition, übernimmt sie das.

„Vermeintlich billige Angebote à la zwei Mann, drei Stunden können bei Nachbelastung durch Mehrdauer teuer werden“, sagt Hochgesang. Ebenso unqualifiziertes Verpacken. „Wenn etwas kaputt geht, haftet nicht einmal die eigene Versicherung.“ Außerdem: Auf Umfänge achten. „Wer bei einer 75-Quadratmeter-Wohnung 25 Kubikmeter Umfang im Angebot hat, zahlt üblicherweise drauf.“

Steuer

Wer aus privaten Gründen umzieht, kann 20 Prozent der Arbeitskosten absetzen. Diese setzen sich aus hausnaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerkosten zusammen. Bei ersteren können im Jahr bis zu 20 Prozent von 20 000 Euro versteuert werden. Das Unternehmen muss aber unbare Zahlung ermöglichen. „Barzahlung führt zum Abzug der steuerlichen Leistungsfähigkeit,“ sagt Hochgesang. Bei berufsbedingten Umzügen sind Umzugskosten absetzbare Werbungskosten – vorausgesetzt, der Arbeitgeber zahlt nicht. Absetzbar sind unter anderem Maklerkosten und Kosten für bis zu zwei Monate doppelte Miete.

Haftung

Helfende Freunde und Bekannte haften in der Regel nicht. „Sie sollen ja für einen Gefallen nicht bestraft werden“, sagt Hochgesang. Für fahrlässige Schäden kommt laut einem Urteil des Amtsgerichts Plettenberg (Az.: 1 C 345/05) der Umziehende auf. Ausnahme: Geht der Helfer bewusst ruppig mit Parkett oder Möbeln um, haftet er. Normalerweise treten Haftpflichtversicherer dafür nicht ein – es gibt aber Anbieter, die Gefälligkeiten mitversichern. Der Versicherungskonzern ARAG rät, beim Umzug mit einer Spedition Haftungsfragen im Vorfeld zu klären.

Telefon und Internet

Die Mitnahme von Telefon- und Internetanschluss ist in der Regel problemlos. Vorausgesetzt, der Umzug wurde rechtzeitig angemeldet und man bleibt beim gleichen Anbieter. „Dann sollte ein Anruf bei der Servicehotline unter Angabe des Datums und der neuen Adresse genügen,“ sagt Hochgesang. Rechtzeitig heiße rund vier Wochen vorher. Wenn Leistungen am neuen Wohnort nicht erbracht werden können, haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht.

Meldefristen

„Im Meldegesetz gilt die Frist von einer Woche,“ sagt Hochgesang. Die neue Adresse müsse gemeldet und Dokumente wie Ausweise und Pässe aktualisiert werden. Zwar wird es ab 2015 bundesweit möglich sein, das Autokennzeichen mitzunehmen. Die Ummeldung darf man aber nicht vergessen. Auch bei der Versicherung. „Möglicherweise ist der neue Wohnort in einer anderen Risikoregion. Die Haftungsvoraussetzungen können dann anders sein“, sagt Hochgesang.

Weil die Beziehung zu den Nachbarn nicht leiden soll, rät Hochgesang, sie rechtzeitig informieren. So klappt es nicht nur mit dem Umzug, sondern auch mit der Nachbarschaft.

von Katharina Selle

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