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Die Karte zeigt, in welchen Vierteln der Anteil der Miete am Nettoeinkommen wie hoch ist.

Bewohner der Au zahlen am meisten

Wohn-Wahnsinn! Neue Zahlen zeigen: Miete frisst Einkommen

  • Sascha Karowski
    vonSascha Karowski
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München -Ein Ende ist nicht in Sicht: Die Mieten in München steigen und steigen. Laut einer Studie von ImmobilienScout24.de nehmen in der Landeshauptstadt die Kosten fürs Wohnen mittlerweile bis zu 38 Prozent des Nettoeinkommens eines Haushaltes ein!

Und das gilt mittlerweile gar nicht mehr ausschließlich für die so genannten Top­lagen in der Innenstadt. „Die Verdrängung geht weiter“, sagt Anja Franz vom Mieterverein. „Die Tendenz sieht schon so aus, dass auch in den Vierteln vom Zentrum weg die Mieten mehr und mehr ansteigen.“ Auf Platz eins rangiert die Au mit 38,3 Prozent. Und den stärksten Anstieg verzeichnen die Immo-Experten in Thalkirchen: 5 Prozent.

Logisch, denn die Studie zeigt, wie hoch der Anteil der Miete am Einkommen ist. Je höher der Nettoverdienst, desto weniger fallen die Kosten fürs Wohnen ins Gewicht. Das kann etwa erklären, warum Viertel wie Schwabing, Neuhausen oder Bogenhausen nicht unter den Top fünf zu finden sind. „Da wohnen jetzt schon mehr Leute, die so viel Geld verdienen, dass der Anteil an den Wohnkosten nicht so groß ist“, sagt Anja Franz: „Das macht es aus unserer Sicht natürlich nicht besser…“.

Denn erkennbar ist dadurch natürlich auch, dass es „eine Verdrängung bestimmter Einkommensschichten“ gibt. Man spricht da auch gern von Gentrifizierung. Mietpreise wie im Lehel, wo schon über 16 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden, sind für Münchner Normalverdiener unerschwinglich. Alternativ ziehen die Menschen raus aus dem Zentrum. Etwa in die Au oder nach Haidhausen. „Da leben natürlich noch nicht diejenigen, die sehr viel Geld verdienen.“ Da die Mietpreise aber weiter klettern, rangieren die Viertel nun auf den vorderen Plätzen – was den Anteil der Miete am Einkommen angeht. Ein Gefälle vom Zentrum bis zum Rand: Denn dort, etwa in Riem, Lochhausen oder in Allach liegt der Anteil der Miete am Nettoverdienst noch deutlich unter 20 Prozent.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Was steckt hinter den Makler-Beschreibungen?
"Lage in aufstrebendem Viertel" oder "Wohnanlage mit viel Entwicklungspotenzial": In ein paar Jahren mag es hier wunderbar sein. Doch jetzt rollen hier Bagger und Lkws – und danach wird das Leben teurer.
"Lage in unberührter Natur": Ideal für meditative Einsiedler, die von den Früchten der Erde leben wollen. Wer jedoch arbeiten, einkaufen oder auch mal zum Arzt muss, braucht unbedingt ein Auto. Zudem wird der Weiterverkauf der Immobilie schwierig.
"Verkehrsgünstig gelegen": Im Extremfall ist vor der Haustür der Hauptbahnhof mit dem entsprechenden Milieu. Oder es führt vor dem Gebäude eine Hauptverkehrsstraße und hinter dem Garten eine viel befahrene Eisenbahnstrecke vorbei.
"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Dass die Mieten immer weiter steigen, hat laut Mieterverein auch den Grund, dass Sanierungen und dergleichen auf den Mieter umgelegt werden können. Dabei geht es gar nicht mal so sehr um Luxussanierungen, sondern schon um einfache Modernisierungen, die den Wohnwert steigern. „Das wird umgelegt. Und es fließt in den Mietspiegel ein. Es geht immer weiter nach oben.“

ImmobilienScout24.de hat 400 Kommunen in Deutschland untersucht. Ergebnis: In Bayern ist München das teuerste Pflaster (28,3 Prozent) – gefolgt von Regensburg (24,3) und Würzburg (23,8). In Deutschland ist nur Freiburg teurer. Dort liegt der Anteil der Miete an dem Nettoeinkommen bei 30 Prozent.

Die Viertel im Detail

ViertelKostenanteil 2012Kostenanteil 2015VeränderungKaufkraft 2015
Au33,6 %38,3 %+ 4,742 444
Ludwigsvorstadt–Isarvorstadt34,2 %38,0 %+ 3,842 930
Maxvorstadt34,2 %37,5 %+ 3,342 941
Haidhausen33,1 %36,9 %+ 3,843 800
Schwabing-West32,1 %36,1 %+ 4,046 382
Altstadt34,5 %36,0 %+ 1,542 841
Lehel32,9 %35,7 %+ 2,849 622
Thalkirchen29,6 %34,6 %+ 5,044 299
Schwanthalerhöhe30,7 %34,6 %+ 3,942 598
Schwabing29,4 %33,1 %+ 3,750 665
Neuhausen29,0 %32,6 %+ 3,647 233
Sendling29,2 %32,4 %+ 3,244 423
Untergiesing26,9 %30,6 %+ 3,747 663
Obergiesing27,2 %30,4 %+ 3,245 323
Laim26,9 %30,1 %+ 3,246 489
Milbertshofen26,5 %30,1 %+ 3,647 355
Ramersdorf26,0 %29,4 %+ 3,446 192
Obersendling25,3 %28,6 %+ 3,349 081
Sendling-Westpark25,3 %28,1 %+ 2,848 761
Nymphenburg24,0 %27,8 %+ 3,856 989
Berg am Laim25,0 %27,7 %+ 2,747 656
Harlaching23,8 %27,4 %+ 3,662 796
Moosach23,9 %27,0 %+ 3,151 012
Pasing23,4 %26,7 %+ 3,352 938
Bogenhausen23,5 %26,7 %+ 3,255 698
Am Hart23,7 %25,8 %+ 2,151 644
Freimann22,7 %25,6 %+ 2,954 888
Solln22,0 %25,1 %+ 3,161 326
Hadern21,4 %24,3 %+ 2,958 412
Forstenried21,6 %24,2 %+ 2,658 197
Perlach21,3 %23,9 %+ 2,655 562
Obermenzing20,4 %23,3 %+ 2,963 854
Fürstenried21,0 %23,3 %+ 2,357 160
Trudering20,0 %22,7 %+ 2,762 468
Untermenzing19,7 %22,4 %+ 2,762 253
Feldmoching19,5 %22,3 %+ 2,860 292
Aubing19,7 %22,1 %+ 2,457 683
Hasenbergl19,0 %21,7 %+ 2,756 657
Allach18,8 %21,6 %+ 2,861 227
Lochhausen17,4 %19,7 %+ 2,367 149
Riem16,6 %18,7 %+ 2,168 063

Sascha Karowski

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