Trotz enormer Preisanstiege

Landflucht: Darum ziehen immer mehr in die Stadt

Die Städte in Oberbayern sind das Ziel vieler Zuzügler aus dem In- und Ausland. München wird schon bald 1,6 Millionen Einwohner haben. Doch warum sind Stadtlagen eigentlich so beliebt?

Keine Frage: Oberbayern boomt. Die Bevölkerung wird über die nächsten Jahrzehnte stark wachsen, das sagen alle Prognosen. Vor allem die Metropolregion München zwischen Ingolstadt und Garmisch und Augsburg und Landshut ist das Ziel vieler Zuzügler aus dem In- und Ausland. Hauptziel ist dabei natürlich die Landeshauptstadt, die schon bald 1,6 Millionen Einwohner haben soll (derzeit 1,45 Millionen). Aber auch die Städte im Umland boomen. Stadtlagen sind beliebter denn je und ziehen im Preis kräftig an, während ausgesprochene Landlagen (ohne adäquate Anbindung an die Bahn) diese Entwicklung (noch) nicht mitmachen. Woran liegt‘s?

Beliebte Städte

Die Münchner Bauträger sind sich einig: Innerhalb des Mittleren Rings verkaufen sich derzeit Wohnimmobilien wie von selbst, und auch die teils enorm gestiegenen Preise halten Kaufinteressenten nicht ab. Zu den enormen Preisanstiegen war es auch deshalb gekommen, weil sich die Grundstückspreise teilweise binnen Jahresfrist verdoppelten, wie aus dem Bericht des Gutachterausschusses für die Bodenrichtwerte hervorgeht. Normalerweise beträgt der Grundstücksanteil an den Kosten einer Eigentumswohnung rund ein Drittel. In der aktuellen Situation liegt er bei Innenstadtlagen aber bei rund 50 Prozent, berichten Akteure auf dem Münchner Immobilienmarkt. Wo der Grund aber wertvoll ist, wird oft auch an der Ausstattung nicht gespart.

Lage, Lage, Lage

Auch andere oberbayerische Städte verzeichnen einen Boom, der aber je nach Region unterschiedlich ausfällt. Die Käufer beherzigen offenbar die drei wichtigsten Regeln des Immobilienmarktes und achten auf: erstens die Lage, zweitens die Lage und drittens die Lage. Dafür werden hier immer häufiger Kompromisse bei der Ausstattung gemacht. Die ist nachrüstbar. Verkehrsanbindung und Infrastruktur sind es meist jedoch nicht.

Mobilitätskosten

Und rechnet man die Kosten für die Mobilität zum Arbeitsplatz oder zu Freizeitmöglichkeiten über einen langen Zeitraum auf, kann es auch passieren, dass die zunächst teurere Stadtwohnung sich auch rein wirtschaftlich rentiert.

Bitte kurze Wege

Entscheidend für den Boom der Citys dürfte aber sein, dass immer weniger bereit sind, lange Wege zum Arbeitsplatz oder zur Freizeit zu akzeptieren. Mit einer halben Stunde können sich viele noch arrangieren, ab 40 Minuten wird der Zeitaufwand dann aber als belastend empfunden. Dann zählt jede Minute und jeder Kilometer.

Mehr Verkehr

Nicht vergessen werden sollte: Der Verkehr wird noch mehr, denn gerade machen die Kinder der Baby-Boomer-Generation ihren Führerschein und drängen auf den Arbeitsmarkt oder an die Uni. Auch ohne den Zuzug von Auswärtigen wird so das Gedränge im Großraum München immer mehr und die Fahrzeiten nehmen zu. In den Städten ist hier vor allem der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) gefordert, auf dem Land der Bau von Ortsumgehungsstraßen. Weil viele Umlandgemeinden in den letzten Jahrzehnten enorm gewachsen sind, kommt es hier immer häufiger zu Staus im Berufsverkehr. Das macht solche Lagen zunehmend uninteressanter für Zeitmanagement- bewusste Immobilieninteressenten. Die weichen daher in die Städte aus und setzen sich umweltfreundlich aufs Rad, wenn beim MVV gerade nichts vorwärtsgeht oder gestreikt wird.

Der Run auf die Städte hat aber auch seine positive Seite: All jene, die nicht ständig in die Zentren zur Arbeit oder Freizeit müssen, profitieren wohl noch eine Weile von günstigen Preisen und historisch niedrigen Zinsen. Wenigstens solange die Wanderung nicht wieder anders verläuft.

Rubriklistenbild: © MVV

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