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Bauwagen statt Etagenwohnung.

Alternative Wohnformen

Wohnen im Wagen

Trends zum Dauer-Campen als Wohnform: Die Medienberichte häufen sich in letzter Zeit und deshalb wohnen rein gefühlt immer mehr Menschen ohne „festen“ Wohnsitz „mobil“ im Wohnwagen.

Wobei von mobil nicht großartig die Rede sein kann. Denn das eigentliche Reisegefährt steht zumeist an einem festen (Wohn-)Standort. Solche Orte gibt es rund 3.600 mal in Deutschland, das ist die Zahl der Campingplätze laut ADAC. Von denen werden von dem Automobilclub aber nur 1.200 für einen Urlaubsaufenthalt empfohlen. Grund: Zwei Drittel der Plätze werden hauptsächlich von Dauercampern genutzt, und die führen dort manchmal ihr ganz eigenes Leben.

Letzte Zuflucht

Da sind zum Einen diejenigen, deren Geschichten gern mit „Letzte Zuflucht Campingplatz“ betitelt werden. Beliebte Hauptdarsteller: Hartz IV-Empfänger kurz vor dem Absturz in die Obdachlosigkeit oder Obdachlose auf dem Weg zurück in ein einigermaßen geordnetes Leben. Gerade in teuren Miet-Städten wollen sie von vergleichsweise günstigen Platzgebühren auf Campingplätzen profitieren. Auch Studenten in fremden, teuren Uni-Städten kommen in diesen „Home“-Stories vor. Das Heim ist ein Uralt-Wohnwagen oder ein Bauwagen. Hier entstehen in den Augen besorgter Kommunalpolitiker jedoch „Wohngebiete prekärer Gesellschaftsgruppen“ – also deutsche Favelas. Das Problem: Traditionelles Wochenend-Dauercamping gilt bei den Jungen nicht als cool, also suchen Platzbetreiber neue Zielgruppen und Kompromisse mit den Kommunalverwaltungen.

Laubenromantik am Dauercampingplatz

Rentner wollen mehr

Eine andere Gruppe, die den Campingplatz als Wohnstandort entdeckt hat, sind Rentner, die bereits ein Eigenheim besitzen, aber mit kleiner Rente auskommen müssen. Um mehr zum Leben zu haben, verkaufen sie ihr Eigenheim und tauschen es gegen eine geräumige Pacht-Parzelle auf dem Campingplatz. Dort steht dann ein komfortabler Wohnwagen, der auch was kosten darf, nebst diversen Anbauten, gern massiv aus Holz. Mit etwas Geschick bringt mancher es so auf gut 80 Quadratmeter Wohnfläche, die einerseits völlig reichen für zwei, andererseits auch überschaubar im Unterhalt bleiben. Die Campingexperten des ADAC sehen solche „Wohnangebote für Ältere als eine logische Weiterentwicklung des Campings mit Blick auf den demografischen Wandel“. Praktisch: Ein Campingplatz ist ohnehin schon barrierefrei. Manche Plätze nennen sich inzwischen „Wohn- und Wochenendhausgebiet“.

Digitale Nomaden

Diese Entwicklung ist mancherorts den Verwaltungen ein Dorn im Auge und sie bestehen darauf, dass ein Campingplatz eben kein Wohngebiet ist und man folglich dort nicht dauerhaft und tagtäglich seinen Lebensmittelpunkt einrichten darf. Eine dritte Gruppe, die den Wohnwagen als Wohnform entdeckt hat, hat dieses Problem aber nicht: Es sind die digitalen Arbeitsnomaden. Sie brauchen für ihre meist freiberufliche Tätigkeit nichts weiter als ein (mobiles) Telefon und einen Internetanschluss. Schon vor vielen Jahren entdeckten etwa Freelancer der Medienbranche günstige (Hotel-)Unterkünfte an thailändischen Stränden. Vorteil Zeitverschiebung: Aufträge werden aus unserer Sicht über Nacht erledigt. Digitale Nomaden ziehen mit ihrem Wohnmobil einfach von Zeit zu Zeit auf einen anderen Stellplatz und umgehen so das Dauercamper-Wohn-Problem.

Digitale Arbeitsnomaden brauchen Handy, Laptop und ein Gefährt

Rechtliches

Das besteht im Prinzip darin, dass die meisten Campingplätze kein Wohngebiet darstellen und daher der Aufenthalt dort nur vorübergehend sein darf. Außerhalb von Campingplätzen darf man bei uns höchstens eine Nacht im Wohnwagen an einem Ort verbringen. Zudem besteht in Deutschland die Meldepflicht. Dazu benötigt jeder eine geeignete Adresse, unter der er erreichbar ist – auch postalisch für die Behörden. Ein Campingplatz ist das in der Regel nicht. Ausweg: Man ist offiziell anderswo gemeldet, zum Beispiel bei Freunden oder Verwandten, die dann auch regelmäßig und zuverlässig über Post vom Amt informieren. Das Ganze ist natürlich ein Graubereich des Wohnens, wird aber teils toleriert. Denn: Das hat für Gemeinden den Vorteil, dass sie günstigen Wohnraum für Menschen mit wenig Geld gewinnen und gleichzeitig Bauauflagen, etwa für Brandschutz, umgehen können.

von Gottfried Moeckl

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