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Was passiert, wenn sich die Wohnung nach Einzug als viel kleiner herausstellt?

Mietrecht

Vorsicht beim Mietvertrag: Wohnungsgröße ausgewiesen?

Kaum einer rückt bei der Wohnungsbesichtigung mit einem Maßband an. Die meisten verlassen sich auf die Quadratmeter-Angaben des Vermieters. Was aber, wenn sich das Domizil nach dem Einzug als viel kleiner herausstellt?

Fakt ist: Die Wohnungsgröße muss im Mietvertrag stehen. Fehlt sie, darf die Wohnung auch erheblich kleiner sein. „Dieses Urteil entspricht zwar der allgemeinen Rechtsprechung, jedoch halte ich es für problematisch. Als juristischer Laie verlässt sich der Mieter auf die Angaben in der Annonce oder auf die Äußerungen des Maklers. In diesem Fall wurde dem Mieter ja sogar noch ein Grundrissplan vorgelegt. Selbst bei der Besichtigung der Wohnung ist es für einen Laien schwer zu beurteilen, wie groß die Wohnung tatsächlich ist. Die Bemessung der Miete muss doch anhand der tatsächlichen Größe erfolgen und nicht nach Behauptungen der Vermieterseite, die sich hinterher als falsch erweisen“, meint Anja Franz, Sprecherin des Mietervereins München e.V. zu einem Urteil des Amtsgerichts München vom 16.12.2013 (Az.: 424 C 10773/). Dem Urteil lag folgender Sachverhalt zugrunde:

Falsche Angaben im Internet und Grundriss

Die Klägerin mietete im Jahr 2011 eine Wohnung in München. Im Mietvertrag wurde keine Wohnfläche ausgewiesen. Als Mietzins wurden 2.450 Euro kalt vereinbart. Die Wohnung wurde im Internet inseriert und dort mit einer Größe von 164 qm angeboten. Auch die Maklerin bestätigte diese Wohnfläche. Außerdem wurde ein Grundrissplan übergeben, wonach die Wohnung über immerhin 156 qm verfügte. Nach dem Einzug ließ die Mieterin die Wohnung vermessen. Hierbei ergab sich eine Wohnfläche von lediglich 126 qm.

Mieterin verlangte reduzierte Miete

Die Mieterin war der Ansicht, dass sie demnach auch nur eine geminderte Miete bezahlen muss und forderte die zu viel bezahlte Miete in Höhe von 6.642 Euro von der Vermieterin zurück. Außerdem verlangte sie die Feststellung, dass auch für die Zukunft nur eine geringere Miete geschuldet sei. Da die Vermieterin diesen Betrag nicht zahlte, erhob die Mieterin Klage beim Amtsgericht.

Mieter statt Vermieter müsse für Klarheit sorgen

Die Klage wurde vom Richter in vollem Umfang abgewiesen. Als Begründung führte der Richter aus, dass der Mieter zwar grundsätzlich einen Rückforderungsanspruch hinsichtlich der Miete habe, wenn die tatsächliche Wohnfläche um mehr als 10 Prozent von der vereinbarten Wohnfläche abweiche. Dies gelte jedoch nur dann, wenn die Wohnfläche ausdrücklich im Vertrag vereinbart worden sei. Dies war hier jedoch nicht der Fall. Die Anzeige im Internet, sowie die Aussage der Maklerin reichen hier nicht aus. Es müssten nach Ansicht des Richters noch weitere Umstände hinzukommen, die darauf schließen ließen, dass zwischen den Parteien eine Vereinbarung über die Wohnungsgröße zustande gekommen sei. Der Mieter müsse sich darum kümmern, dass hier Klarheit herrsche. Wenn im Mietvertrag keine Angabe gemacht wurde, hätte der Mieter daraus schließen können, dass der Vermieter sich in diesem Punkt auch nicht festlegen wolle.

„Selbst bei Zugrundelegung der angegebenen Wohnungsgröße ergibt sich ein Quadratmeterpreis von immerhin 15 Euro, berücksichtigt man aber die tatsächliche Größe, muss die Klägerin hier 19 Euro pro Quadratmeter zahlen. Das ist schon unglaublich“, so Anja Franz weiter.

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