+
Wer in der Großstadt eine Wohnung finden will, muss viele Hürden meistern.

Diese Liste ist wertvoll

Zehn Geheimtipps vom Makler, mit denen Sie den Vermieter überzeugen 

  • schließen

Unterkünfte sind rar und heiß begehrt, die Vermieter kritisch: So bewältigen Sie die Wohnungssuche trotzdem erfolgreich.

Manchmal möchte man einfach bloß noch verzweifeln. Eine Wohnung in München finden: Das ist ungefähr so einfach wie die Suche nach einer Oase in der Wüste. Selbst wenn man viel Geld ausgeben kann und will, muss man in der Regel Massenbesichtigungstermine in Kauf nehmen und sich gegen Hunderte von Mitbewerbern durchsetzen. Wie’s geht, verrät uns ein Profi: Professor Stephan Kippes vom Maklerverband IVD:

1. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Wer ein interessantes Inserat entdeckt, sollte schnell sein – eine nette E-Mail schreiben und auch anrufen, wenn eine Telefonnummer angegeben ist. In der E-Mail sollte der Bewerber den Vermieter persönlich ansprechen, seinen vollen Namen nennen. "Wenn man anruft, wirkt es eventuell seriöser, wenn man vom Festnetz aus anruft und nicht vom Handy. Tabu ist es, mit unterdrückter Rufnummer anzurufen", sagt Kippes.

Manchmal helfen Kleinigkeiten oder witzige Ideen, um aus der Masse herauszustechen: "Legen Sie zum Beispiel ein paar Cent bei, für den Rückruf – wenn ich 50 Bewerbungen vor mir liegen habe, dann denke ich zuerst an diese", sagt Kippes.

2. Nicht zu schüchtern mit Informationen

In der E-Mail sollte der Bewerber in wenigen Sätzen von sich erzählen – was er beruflich macht und dass er ein geregeltes Einkommen hat, denn das steigert die Chancen. Zudem rät Kippes, kurz über den Grund für den Umzug zu schreiben, damit sich der Vermieter ein Bild machen kann.

3. Keine wichtigen Daten vergessen

Immer wieder vergessen Interessenten, ihre Kontaktdaten und eine Rückrufnummer anzugeben. Manche Vermieter suchen auch per Chiffre-Anzeige. Hier kann es sich lohnen, handschriftlich ein kleines Anschreiben zu verfassen. Schön und leserlich schreiben!

4. Checken Sie, was Sie über sich im Internet finden

Der Vermieter versucht, sich aus wenigen Informationen ein Bild von dem Mietinteressenten zu machen. "Ich rate, sich in ihn hineinzuversetzen und sich selbst mit kritischen Augen zu betrachten", sagt Kippes. Wichtig: Die eigene Ansage auf dem Anrufbeantworter überprüfen, sich selbst googlen und nachsehen, was man zuletzt öffentlich bei Facebook gepostet hat. Kippes: "Wenn unter den ersten 20 Google-Treffern etwas Irritierendes ist, macht das keinen guten Eindruck…"

5. Einen guten ersten Eindruck hinterlassen

Beim Besichtigungstermin die Höflichkeitsregeln einhalten, pünktlich und freundlich sein. "Anzug muss nicht sein, aber man sollte nicht ungepflegt oder verqualmt auftreten oder ein völlig verbeultes Auto direkt vor dem Haus abstellen. Lieber eine Straße weiter", sagt Kippes. 

6. Das sollten Sie beim Bewerbungsfoto beachten

Hinterlassen Sie einen seriösen Eindruck: Es kann durchaus helfen, schon im Anschreiben ein Foto mitzusenden – das sollte aber aktuell sein und den Bewerber so zeigen, wie er tatsächlich aussieht. "Ein schmeichelndes Bild ist erlaubt, aber ein völlig durchgestyltes Bewerbungsfoto bringt eher nichts, wenn der Vermieter dann den Bewerber gar nicht erkennt, wenn der ihm persönlich gegenübersteht", sagt Kippes.

7. Die richtigen Fragen stellen

Bei einer Massenbesichtigung die richtigen Fragen stellen: Wann wurde das Haus gebaut, wer war der Vormieter, was für Nachbarn gibt es, gibt es besondere Hausregeln? So bleiben Sie im Gedächtnis.

8. Diese Fragen sollten Sie sich für später aufheben

Unterlassen sollte man es, bei der Besichtigung nach Feuchtigkeitsschäden oder ausstehenden Reparaturen zu fragen, kritisch über Lage, Ausstattung und Zimmeraufteilung zu sprechen. Dann sucht sich der Vermieter jemand anderen. "Der will Stressfreiheit", sagt Kippes.

9. Verständnis für den Vermieter

"Haben Sie Verständnis dafür, dass der Vermieter genau über die finanzielle Situation des Mieters Bescheid wissen will", sagt Kippes. "Viele Eigentümer haben sich auf Jahrzehnte verschuldet und sind darauf angewiesen, dass die Miete pünktlich bezahlt wird. Es ist nicht unmoralisch, dass sie auf Sicherheit achten. Das große Angstszenario ist ein Mieter, der nicht zahlt." Helfen kann eine Referenz des vorherigen Vermieters.

10. Diese Dinge sollten Sie in die Bewerbungsmappe legen

Geben Sie eine Bewerbungsmappe ab. Hinein gehören ein kurzes persönliches Anschreiben mit der genauen Angabe, wer einziehen will, ein Foto, eine Mieterselbstauskunft, eine Schufa-Auskunft, die letzten drei Gehaltsnachweise sowie eine Bestätigung des aktuellen Vermieters, dass keine Mietschulden bestehen. Gesetzlich haben Vermieter bzw. Makler auf diese Daten zwar keinen Anspruch, doch wer sie freiwillig abgibt, erhöht seine Chancen.

Wohnungssuche: Hier sind Lügen erlaubt

Der Vermieter darf beim Auswahlverfahren nur Fragen stellen, die für das Mietverhältnis wichtig sind – alles andere muss man als potenzieller Mieter nicht beantworten. Oder: Man darf sogar lügen! Das gilt zum Beispiel für die politische Gesinnung, Mitgliedschaft im Mieterverein, Familienplanung, Krankheiten, sexuelle Ausrichtung und Musikgeschmack.

Das Problem dabei ist aber: Der Vermieter wird sich am Ende trotz der Gesetzeslage in der Regel für jemanden entscheiden, der ihm offen gegenübertritt. Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein sagt: "Insofern nützt es dem Vermieter nicht viel, wenn er sich darauf beruft, dass es den Vermieter nichts angeht, ob er homosexuell ist oder nicht… "Fragen nach dem Einkommen, Beruf und den Gründen für den Wohnungswechsel sind übrigens zulässig – genau wie die Frage nach einem etwaigen Insolvenzverfahren. Hier muss man die Wahrheit sagen!

Erst vor kurzem ließ eine Schwabe seiner Wut über den Wohnungsmarkt in Stuttgart freien Lauf - sein Aushang in der Innenstadt hatte es in sich. Lesen Sie außerdem, warum gerade für Studenten die Suche nach der passenden Unterkunft so langwierig ist.

Auch interessant: Hier erzählen Makler wie kurios es in Ihrem Job zugeht.

Von Susanne Sasse

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Für Ethanol-Ofen nicht mehr als 20 Liter Nachschub lagern
Nicht in jedem Haus lässt sich ein gemütlicher Kamin installieren. Die schnelle, einfache Lösung für das Wohnzimmer ist da ein Ethanol-Ofen. Sein Nachschub lässt sich …
Für Ethanol-Ofen nicht mehr als 20 Liter Nachschub lagern
Gewächshäuser werden im Herbst zum Sitzplatz
Gewächshäuser sind sehr beliebt. Denn sie lassen sich als Wintergarten-Ersatz nutzen. Derzeit macht sich ein Trend bemerkbar. Wer ihm folgen will, braucht ein geeignetes …
Gewächshäuser werden im Herbst zum Sitzplatz
Es wird kalt: Wann müssen Vermieter die Heizung anstellen?
Manch einer friert jetzt schon in der Wohnung - und hat Pech, wenn er die Heizung aufdreht. Es bleibt kalt. Denn die Vermieter können sich nach der allgemeinen …
Es wird kalt: Wann müssen Vermieter die Heizung anstellen?
Darf ich im Mietshaus nach 22 Uhr eigentlich noch duschen?
Daran müssen sich alle Mieter halten: Zwischen 22.00 und 6:00 Uhr gilt die sogenannte Nachtruhe. Dennoch gibt es Situationen, in denen die Beschränkung nichtig wird.
Darf ich im Mietshaus nach 22 Uhr eigentlich noch duschen?

Kommentare