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Ingrid Reinkober vom Pharma- und Chemiekonzern Bayer erklärt Annabella Peekhaus wichtige Inhalte ihrer dualen Ausbildung. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn

Viel Arbeit, wenig Freizeit

Zwei in einem: Für wen sich ein duales Studium eignet

Das duale Studium ist gefragt wie nie. Doch Vorsicht: Das Modell erfordert von den Studierenden über mehrere Jahre viel Einsatz - und die Bereitschaft, auf einen Großteil der Freizeit zu verzichten.

Leverkusen (dpa/tmn) - Lange ausschlafen kann Annabella Peekhaus am Wochenende selten. Während Gleichaltrige samstags ihre Freizeit genießen, besucht die 22-Jährige die Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach.

Die junge Frau hat sich für ein duales Studium entschieden, konkret: Sie absolviert das knapp dreijährige Ausbildungs- und Studienprogramm Wirtschaftsinformatik (WIN) beim Pharma- und Chemiekonzern Bayer in Leverkusen. Das heißt, sie nimmt innerhalb der fast 36 Monate nicht nur an Vorlesungen teil, sondern sie drückt auch die Bank in der Berufsschule – und arbeitet als Fachinformatiker-Auszubildende im Unternehmen mit. Das klingt anspruchsvoll – und das ist es auch.

"Ausschlaggebend war für mich der unmittelbare Praxisbezug", erzählt Peekhaus. An einer Universität nur Theorie büffeln und das Wissen erst nach dem Abschluss im Berufsalltag anwenden – diese Vorstellung gefiel ihr nicht. Aber auf ein Studium zugunsten einer klassischen Ausbildung verzichten wollte sie auch nicht.

Ein duales Studium ist für beide Seiten ein Gewinn – für das Unternehmen, das bedarfsgerecht hochqualifizierte Fachkräfte ausbildet und sie frühzeitig an sich bindet, aber auch für die jungen Leute selbst. "Die Abiturienten schätzen neben der Praxisnähe vor allem, dass sie während des Studiums schon Geld verdienen", erklärt Silvia Hofmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.

Wie stark die Wirtschaft an hochspezialisierten Fachkräften interessiert ist, zeigt sich auch daran, dass sich die Zahl der dualen Studiengänge von rund 500 im Jahr 2004 bis heute mehr als verdreifacht hat. Aber: Duales Studium ist nicht gleich duales Studium. Die von Fachhochschulen, Universitäten und Berufsakademien angebotenen Konzepte sind unterschiedlich.

Peekhaus etwa absolviert ein ausbildungsintegriertes Studium – wenn sie fertig ist, dann hat sie sowohl vor der IHK eine Prüfung zur Fachinformatikerin abgelegt als auch den FH-Abschluss Bachelor of Science in der Tasche. Daneben gibt es praxisintegrierende duale Studiengänge. Hierbei besuchen die Studierenden die Hochschule und arbeiten im Unternehmen mit, erwerben aber nur einen akademischen Abschluss.

"Eines muss aber klar sein: Das duale Studium erfordert ein hohes Maß an Motivation und Engagement", betont Julia Flasdick vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin. Schließlich gilt es, Studium und Ausbildung innerhalb weniger Jahre parallel zu absolvieren.

Interessenten wenden sich oftmals direkt an ein Unternehmen – und erst wenn dort der Bewerbungsprozess erfolgreich war, meldet man sich bei der Hochschule oder Berufsakademie an. Doch auch der umgekehrte Weg ist möglich. "Einige Unternehmen beginnen bereits ein Jahr vor der Einstellung mit der Suche nach geeigneten Kandidaten", erläutert Flasdick. Wer also direkt nach dem Schulabschluss studieren will, sollte zu Beginn des letzten Schuljahres die Augen offen halten.

Aber längst nicht jeder Interessent hat Chancen. Die Unternehmen suchen sich die Kandidaten sorgfältig aus, schließlich investieren sie viel Geld. Nach einer BIBB-Untersuchung bewerben sich im Schnitt 33 junge Leute auf einen dualen Studienplatz.

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