Das Gebläse der Waschanlage hat sich an der Antenne von Thomas Mayrs Auto verhakt.
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Das Gebläse der Waschanlage hat sich an der Antenne von Thomas Mayrs Auto verhakt.

Nach Fahrt durch die Waschanlage

3700 Euro Schaden – und keiner will zahlen

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Seit es Waschanlagen gibt, gibt es auch Streit darüber, wer bei Schäden am Auto gerade steht. Das muss jetzt auch Thomas Mayr aus Grafrath erleben. Seit einer Wäsche im November ist sein Wagen kaputt. Schaden: rund 3700 Euro. Zahlen will dafür allerdings niemand.

Grafrath – Diesen 30. November wird Thomas Mayr so schnell nicht vergessen. Der Dreck soll runter von seinem weißen Audi. Mayr fährt in eine Waschanlage im westlichen Landkreis, drückt auf Start und lässt die Anlage arbeiten. Als das Tor wieder aufgeht, staunt der Bankbetriebswirt nicht schlecht. Das Gebläse, das die Autos nach dem Waschen trocknen soll, liegt quer über dem Dach des Audis. Offenbar ist es an der Antenne hängen geblieben. Mayr nimmt es mit Humor. „Ich war mir sicher, dass es für so etwas einen Versicherungsschutz gibt.“ Doch da sollte er sich täuschen.

Versicherung windet sich raus

Der 52-Jährige konfrontiert den Betreiber der Waschanlage. Auch der ist überrascht. Und wie Thomas Mayr geht auch er davon aus, dass seine Versicherung die Sache regelt. Es vergehen vier Wochen, dann liegt ein Schreiben in Mayrs Briefkasten. „Es besteht kein Versicherungsschutz, weil ich die Antenne nicht wie vorgeschrieben abgenommen habe“, zitiert Mayr aus dem Schreiben.

Der Grafrather kann es nicht fassen. Denn die Antenne, eine so genannte Haifischflosse, lässt sich nicht abnehmen – so wie bei vielen modernen Autos. Zudem ist sie nur wenige Zentimeter groß. „Da fällt einem nichts mehr ein“, sagt Mayr. Sein Eindruck: „Die wollen halt nicht zahlen.“

Anwalt eingeschaltet

Gefallen lassen will er sich das nicht. Er übergibt die Sache seinem Anwalt Jan Cordes aus Landsberg. Der hat sich schon oft um ähnliche Fälle gekümmert. Er sagt: „Der Betreiber hat eine Hinweispflicht.“ Soll heißen: Es müsste klar darauf hingewiesen werden, dass Autos mit nicht abnehmbaren Antennen nicht in die Waschanlage dürfen, wenn diese dafür nicht geeignet ist. Weil das nicht der Fall war, geht der Anwalt von einer Pflichtverletzung des Betreibers aus. Allerdings hat Cordes so seine Zweifel, dass dessen Versicherung das genauso sieht. Seine Prognose für den wohl unausweichlichen Rechtsstreit: „Es wird sich ziehen.“

Der Anwalt hat recht. Denn die Generali-Versicherung sieht keinerlei Grund, den Schaden zu begleichen. „Wir sehen in diesem Schadenfall leider keine Möglichkeit, dem Geschädigten entgegenzukommen, da unseren Kunden kein Verschulden an der Schadensverursachung und damit keine Haftung trifft“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit.

Thomas Mayr kann es nicht fassen. „Die ganze Sache ist doch haarsträubend“, sagt er. Und sie habe wohl weitreichende Konsequenzen. „Eigentlich dürften keine modernen Autos mehr in solch eine Anlage fahren“, ist Mayr überzeugt.

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