Ihre Glückwünsche zum 65. Geburtstag von Anton Grill (2. v. l.) überbrachten (v. l.) Bürgermeister Rainer Streu, Feuerwehrvereinsvorsitzender Markus Unterhaslberger und Kommandant Matthias Belmer.
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Ihre Glückwünsche zum 65. Geburtstag von Anton Grill (2. v. l.) überbrachten (v. l.) Bürgermeister Rainer Streu, Feuerwehrvereinsvorsitzender Markus Unterhaslberger und Kommandant Matthias Belmer.

Nach 46 Jahren im aktiven Dienst gewährt Anton Grill Einblicke von den 70er Jahren bis heute

Als die Feuerwehr noch mit dem Opel Blitz ausrückte

  • Veronika Macht
    VonVeronika Macht
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Fast ein halbes Jahrhundert bei der Freiwilligen Feuerwehr: Anton Grill aus Forstern ist jetzt aus dem aktiven Dienst ausgeschieden - und gewährt Einblicke in die Arbeit der Aktiven damals und heute.

Tading – Als Anton Grill seinen Dienst bei der Feuerwehr Forstern antrat, rückte diese mit einem Opel Blitz aus. Alarmiert wurde nur über Sirenen, und den Schutzanzug samt Helm hatte er quasi von einem ehemaligen Kameraden geerbt. Das war 1975. Kürzlich ist der Tadinger mit seinem 65. Geburtstag aus dem aktiven Dienst ausgeschieden. Fast ein halbes Jahrhundert war er bei der Freiwilligen Feuerwehr. In dieser Zeit hat sich vieles verändert.

Als junger Mann ist Anton Grill vor 46 Jahren zur Feuerwehr Forstern gekommen. „Ich bin vom damaligen Kommandanten angesprochen worden, ob ich nicht mitmachen wollte“, erzählt Grill, der später selbst 18 Jahre lang Kommandant war. Er kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als man mit einem LF 8 ausrückte, dem kleinsten jemals genormten Löschgruppenfahrzeug der deutschen Feuerwehren.

In den 70er Jahren war alles noch in „sehr spartanischen Verhältnissen“

Untergebracht war der Opel Blitz in der Garage beim damaligen Gemeindehaus, gegenüber der Metzgerei Wintermayr. „Die Garage steht noch heute“, erzählt Grill. Es gab rund zwei Dutzend Aktive, manchmal ist man aber auch nur zu zweit im LF 8 ausgerückt, andere Kameraden eilten von daheim aus zur Einsatzstelle.

„Das war alles noch in sehr spartanischen Verhältnissen. Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen“, sagt Grill. Vor allem wenn man an das moderne Feuerwehrhaus denke, an den Fuhrpark mit fünf Fahrzeugen, an die rund 100 Aktiven, an die Alarmierung über Sirene, Funkwecker und auch per Handy.

Neben der Ausstattung haben sich im Laufe der Jahre auch die Einsatzgebiete der Wehr verändert. „Früher wurden wir hauptsächlich zu Bränden gerufen, aber auch zu Unwettereinsätzen bei Hochwasser und Hagel.“ Daneben gab es freiwillige Einsätze, etwa die Absicherung der Fronleichnamsprozession. Mitte der 80er Jahre kam die Technische Hilfeleistung (THL) dazu, die Anforderungen sind seitdem stetig gestiegen. 1983 bekam die Wehr ihr LF 16 mit technischem Rettungsgerät samt Spreizer und Schere, „ab 1985 wurden wir zur Patientenrettung dazu gerufen“.

„Ich habe neben vielen Personen auch eigene Kameraden bergen müssen. Solche Einsätze vergisst man nie.“

Anton Grill

Es sei ein schönes Gefühl, wenn man Menschen helfen könne. Doch viel zu oft würden Einsätze tragisch enden – wenn Hab und Gut betroffen seien, vor allem aber wenn es um Leib und Leben gehe. „Ich habe neben vielen Personen auch eigene Kameraden bergen müssen. Solche Einsätze vergisst man nie. Das bleibt einem in Erinnerung“, sagt Grill. Mitte der 90er Jahre etwa, als zwei junge Kameraden tödlich verunglücken.

Besonders nach solchen Einsätzen sei man noch im Feuerwehrhaus zusammengesessen und habe gemeinsam versucht, im Gespräch das Erlebte zu verarbeiten. Denn eine psychologische Unterstützung für die Hilfskräfte habe es damals nicht gegeben, heute sei das gang und gäbe. „Gott sei Dank, denn das ist unheimlich wichtig“, weiß Grill.

In den 80er Jahren Umzug ins Feuerwehrhaus am Hirschbachweg

Mitte der 80er Jahre bezog die Feuerwehr ihr Gerätehaus am Hirschbachweg, Anfang 1984 wurde es eingeweiht. „Da war ich bei der Organisation der Baumaßnahme dabei, kannte es in- und auswendig. Das wächst einem schon ans Herz“, so Grill. Wehmütig war er wegen des Umzugs ins neue Gerätehaus voriges Jahr aber nicht: „Es war dringend erforderlich, bessere Räume für die Aktiven zu bekommen und so auch interessant für den Nachwuchs zu bleiben“, sagt er und appelliert an alle Interessierten, egal welchen Alters oder Geschlechts: „Macht mit, engagiert euch.“ Bei der Feuerwehr sei man ein Team, mit Kameradschaft und gemeinsamen Aktivitäten.

Anton Grill, Kommandant von 1993 bis 2010

1993 wurde Grill zum Kommandanten gewählt und blieb es 18 Jahre lang – die längste Kommandantenzeit seit Bestehen der Wehr im Jahr 1873. Unter seiner Führung wurde die Feuerwehr weiter ausgebaut und ihr Einsatzspektrum erweitert, 2010 etwa die First-Responder-Einheit gegründet, bevor Grill 2011 von Rainer Streu abgelöst wurde. Jüngere sollten übernehmen. „Eine rechtzeitge Übergabe ist sehr wichtig.“

Ausgerückt ist Grill freilich weiterhin – Tag und Nacht, bis zu seinem 65. Geburtstag. Ab da ist laut Bayerischem Feuerwehrgesetz Schluss mit dem aktiven Einsatzdienst – es geht in Feuerwehrrente. „Aber deswegen ist man noch lange nicht weg von der Wehr, es gibt ja den Feuerwehrverein, wo man sich einbringen kann“, sagt Grill und betont: „Das hätte ich alles nicht machen können ohne das Verständnis und die Unterstützung meiner Frau.“

Ein ganzes Arbeitsleben bei der Sparkasse

Beruflich in Rente ist Grill ebenfalls, sein gesamtes Arbeitsleben war er bei der Sparkasse Erding–Dorfen tätig, zuletzt in der Personalentwicklung und als Ausbildungsleiter. Heute gibt er über das Berufliche Fortbildungszentrum der bayerischen Wirtschaft (bfz) Nachhilfe für kaufmännische Azubis und mittlerweile auch kaufmännisch verwandte Berufe – durchaus Bänker, aber auch Einzelhandelskaufleute oder Hotelkauffrauen.

„Das ist schon eine Herausforderung, aber man bleibt geistig fit und lernt selber was dazu“, erklärt der Familienvater zweier erwachsener Töchter, den mittlerweile auch drei Enkelkinder auf Trab halten.

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Signierter Helm und Präsentkorb zum Geburtstag

Ihre Glückwünsche zum 65. Geburtstag von Anton Grill überbrachten auch Forsterns Bürgermeister Rainer Streu, Feuerwehrvereinsvorsitzender Markus Unterhaslberger und Kommandant Matthias Belmer in coronakonformem Abstand mit einem Präsentkorb.

Zugleich wurde Grill – „eine Institution der Feuerwehr Forstern“, wie diese in einer Pressemitteilung schreibt – auch mit großem Dank und durchaus schweren Herzens aus der Einsatzabteilung verabschiedet. Streu bedankte sich im Namen der Gemeinde für den enormen Fleiß, die unzähligen Arbeits-, Übungs- und Einsatzstunden sowie die stets großartige Unterstützung im Vereinsleben.

Kommandant Belmer überreichte Grill zum Feuerwehrruhestand seinen von vielen Feuerwehrlern signierten Einsatzhelm, der ihn etliche Jahre seiner über 40-jährigen Dienstzeit begleitet hatte. „Auch nach seinem Wechsel in die zweite Führungsreihe im Jahr 2011 war er bis zu seinem letzten aktiven Einsatztag immer eine verlässliche Stütze“, sagte Belmer.

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