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„Hauptsache, wir zeigen Präsenz“: Die Tölzer „Fridays for Future“-Aktivisten lassen sich nicht davon entmutigen, dass ihre Kundgebungen zuletzt weniger Teilnehmer hatten. Sie wollen weiterhin demonstrieren. 

Kampf gegen Klimawandel

24 Demos nach Beginn der Fridays-for-Future-Bewegung: „Wir sind noch da“

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Sie beweisen mehr Ausdauer, als ihnen viele zugetraut hatten: Seit mittlerweile einem Jahr geht die Tölzer „Fridays for Future“-Bewegung regelmäßigauf die Straße. Zwei Aktivisten der ersten Stunde berichten von Höhen und Tiefen.

Bad TölzSie hatten nicht erwartet, dass sie so lange durchhalten würden – und müssten. „Eigentlich dachte, ich, dass wir nach einem halben Jahr genug erreicht hätten“, sagt Lukas von Andrian. Nun aber liegt die erste „Fridays for Future“-Demonstration in Bad Tölz ein Jahr zurück, und der 16-jährige Aktivist stellt fest: „Leider ist in Sachen Klimaschutz noch immer nicht wirklich etwas passiert.“ Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung sei „lächerlich“, findet sein Mitstreiter, der Gaißacher Student Maxl Kiefersauer (18).

Dass bundesweit einige Aktivisten frustriert sind und zu radikaleren Methoden übergehen wollen, kann von Andrian ein Stück weit nachvollziehen. „Aber wir haben in unserer Ortsgruppe entschieden, dass das für uns nicht der Weg ist“, sagt er. Die Schlussfolgerung der örtlichen Aktivisten sei vielmehr: „Wir müssen weiter auf die Straße gehen.“

Höhepunkt im September 2020 mit über 4000 Teilnehmern

Bei der ersten „Fridays for Future“-Kundgebung am 15. März 2019 marschierten etwa 200 Menschen mit. „Seitdem haben wir 24 Demos veranstaltet“, sagt Kiefersauer. „Rechnet man alle zusammen, waren es über 4000 Teilnehmer.“ Höhepunkt war ein Protestzug mit 900 Menschen zum globalen Klimastreiktag am 19. September. „Das war ein krasses Gefühl“, sagt von Andrian.

Bei den Demos und auch abseits davon hätten er und seine Mitstreiter „extrem viel und starke Solidarität“ erfahren. „Das macht happy.“ Andere würden sagen: „Gut, dass ihr demonstriert, aber bitte am Freitagnachmittag“. Und dann seien da diejenigen, „für die wir ein Hassobjekt sind“. Beleidigungen oder Anfeindungen: „Das ist selten, aber es passiert.“ Die Aktivisten haben einen Weg gefunden, damit umzugehen. „So etwas macht mich traurig, weil diese Menschen die Gesellschaft vom Handeln abhalten, aber es verletzt mich nicht“, sagt von Andrian. „Darüber sind wir hinweg“, erklärt Kiefersauer.

Viel Aufmerksamkeit hat die Bewegung auch von Seiten der Politik bekommen. Die Aktivisten wurden von Vertretern verschiedener Parteien zu Gesprächsrunden eingeladen. „Wer kann in unserem Alter schon behaupten, dass er mit allen vier Tölzer Bürgermeisterkandidaten diskutiert hat“, sagt Kiefersauer. „Es ist gut, dass ein Austausch stattfindet“, meint auch von Andrian. „Aber manchmal fühle ich mich auch missbraucht.“ Von den Gesprächen bleibe oft nicht viel mehr als ein Bild in der Presse – und „viel heiße Luft“, wie Kiefersauer sagt.

Den Bürgermeisterkandidaten ließ die „Fridays for Future“-Ortsgruppe eine Reihe von „Wahlprüfsteinen“ zukommen. Die Antworten (nachzulesen im Internet auf fffutu.re/badtoelz) klängen zwar „vielversprechend“, sagt Kiefersauer. Aber auch da gelte es abzuwarten, welche Taten folgen.

Mahnwache statt bayernweiter Klimastreik

Aus Anlass der Kommunalwahl sollte am vergangenen Freitag ein bayernweiter Klimastreik stattfinden. Auch die Tölzer Ortsgruppe plante ursprünglich eine Großdemo. Die wurde allerdings wie berichtet wegen der Corona-Ansteckungsgefahr abgesagt, stattdessen gibt es nun um 11 Uhr eine Mahnwache in der Marktstraße.

Was an der Arbeit von „Fridays for Future“ für die Öffentlichkeit unsichtbar bleibt, ist der große Aufwand hinter den Kulissen: organisieren, Demos anmelden, Öffentlichkeitsarbeit, dazu die basisdemokratische Abstimmung mit der bundesweiten Bewegung: Um all das kümmert sich ein etwa zehnköpfiger „harter Kern“ im Organisationsteam. Hier bringt sich auch Lukas vorwiegend ein: An den Demos selbst nimmt er seit einer Weile nicht mehr teil, weil ihm sonst der Schulverweis droht.

Nicht entmutigen lässt sich die Gruppe davon, dass die Teilnehmerzahl an den Demos zuletzt deutlich zurückging. „Bei den meisten ist der große Hype vorbei“, sagt Kiefersauer. „Aber das Wichtigste ist, dass die Demos weiter stattfinden.“ Lukas meint: „Hauptsache, wir zeigen Präsenz. Wir sind noch da.“

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