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Unterwegs mit dem Pistenraupenfahrer am Brauneck: "Achtung: Lebensgefahr"

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Lenggries - Unterwegs mit einem Raupenfahrer am Brauneck: Schnell ist klar, warum es veboten ist, nachts auf der Piste zu sein. Unvernünftige gibt's trotzdem. Einer hatte nun mehr Glück als Verstand.

Zwei Ski. Mitten auf der Piste. Das war alles, was Josef Kreidl in jener Nacht vor zwei, drei Wochen sah, als er gerade mit der Pistenraupe gewendet hatte und wieder bergauf unterwegs war. Der Wegscheider wusste sofort, was passiert sein musste: Ein Tourengeher hatte bei der nächtlichen Abfahrt das Stahlseil übersehen, an dem die Raupe hängt, und war dagegen geprallt. Er hatte Glück: Weil das Seil in dem Moment fast flach auf dem Schnee lag, hat er seine Beine noch. Auf denen habe er sich auch sofort ins Unterholz geschlagen. Die Ski ließ er zurück, erinnert sich Kreidl. Die Flucht hat einen guten Grund: Nachts ist das Betreten der Piste verboten. Zum Leidwesen von Kreidl halten sich aber immer weniger Wintersportler daran.

Klar könnten viele Leute halt nur abends zum Sport, sagt Kreidl. Und es sei ja auch gar nichts gegen die einzuwenden, die im Wald bleiben. „Aber da fährt halt keiner runter.“ Am meisten ärgert den 36-Jährigen, dass ihn viele Tourengeher einfach anlügen. Denn normalerweise spricht er sie auf das Verbot an, wenn er sie zum Beginn seiner Schicht an der Talstation trifft - wie vor wenigen Wochen eine ganze Gruppe. „Die haben mir gesagt, dass sie alle auf einer Hütte über Nacht bleiben.“ Zwei Stunden später knallte eben jener Skifahrer aus eben dieser Gruppe gegen das Seil.

Die zurückgebliebenen Ski wollte Kreidl übrigens anfangs mitnehmen und im Kassenhäuschen abgeben, damit sich der Mann dort gleichzeitig eine Standpauke hätte abholen können. Das hat der Wegscheider dann aber doch lieber gleich direkt auf der Piste erledigt, als sich der Tourengeher endlich wieder aus seinem Versteck traute. „Der hat auf jeden Fall einen Schock fürs Leben“, sind sich Kreidls Kollegen sicher. Und vielleicht trage das ja dazu bei, dass er künftig vernünftiger ist.

Von Vernunft sind andere Tourengeher weit entfernt. „Die schalten die Stirnlampe aus und verstecken sich im Wald, wenn sie die Pistenraupe sehen, denken aber nicht daran, dass ihre Kleidung reflektiert, wenn mein Scheinwerfer drauffällt“, sagt Kreidl. Für andere sei es fast eine Art Sport, die Raupenfahrer auszuspionieren und auf deren Feierabend zu warten. Und dann geht’s ab auf der frischgewalzten Abfahrt - ebenfalls ein Ärgenis für die Raupenfahrer. „Direkt nach dem Walzen ist der Schnee weich. Die Spurrinnen frieren dann über Nacht fest - und die zahlenden Skifahrer haben die am nächsten Tag in der Piste.“

Von 17.30 Uhr bis in die frühen Morgenstunden geht der Einsatz der Bergbahn-Mitarbeiter. Drei Raupen kümmern sich um die oberen Hänge am Brauneck. Elf Tonnen wiegt eines der Kettenfahrzeuge. Dazu kommt das auf einem schwenkbaren Arm befestigte Windenseil, das mehr als eine Tonne wiegt. 1050 Meter ist es lang - und genau das macht es so gefährlich. Denn der Skifahrer sieht zwar die beleuchteten Raupen, nicht aber das Seil oder dessen genaue Lage. Nur durch die Seilunterstützung ist es möglich, dass die Raupe beim Hochfahren Schnee wegschieben oder mitnehmen kann. Je nach Geländeverlauf schmiegt sich das Stahlseil mal ganz nah an den Boden, wenige Sekunden später ist es ein, zwei Meter darüber. Mal liegt es links am Hang und schnalzt dann kurz nach dem Wenden quer über die Piste auf die rechte Seite. Und weil das so ist, stellen Kreidl und seine Kollegen blinkende Schilder rund um das Einsatzgebiet auf. Die Aufschrift ist unmissverständlich: „Achtung Lebensgefahr“, steht drauf. „Und trotzdem“, so Kreidl, „treffen wir fast jede Nacht mindestens einen, der runterfährt.“ (va)

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