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Die älteste Brauerei von Tölz? Der Stegbräu

Bad Tölz - Bad Tölz - Wie heißt die älteste Brauerei von Tölz? Wer’s zu wissen glaubt, sollte besser nicht wetten. Neben dem Mühlfeldbräu (seit 2008) und dem geplanten Binderbräu setzt nämlich der Stegbräu seit 2003 die Biertradition der Flößerstadt fort.

Früher gab es einmal 22 oder 23 Brauereien in Tölz. Sie versorgten München per Floß mit dem edlen Gerstensaft. Im Jahr 2001 stellte die letzte Tölzer Brauerei, der Grünerbräu, die Produktion ein. Auch Christoph Laschka aus Wackersberg und Andreas Grigoleit aus der Kreisstadt saßen damals beisammen und beklagten den herben Verlust. „Tölz ohne eine Brauerei, das geht ja gar nicht“, sagten sie sich und beschlossen die Neugründung einer Brauerei. Vielleicht bemerkenswert: Man hockte zusammen bei einem, zwei oder „vielleicht waren es auch mehr“ (Laschka) Unertl-Weißbier, als man den „historischen“ Beschluss fasste. Unertl gilt als Einzelgänger und Individualist unter den bayerischen Weizen-Produzenten.

Gegen den Geschmacksstrom der Münchner Konzern-Biere schwimmen wollte auch das Duo Laschka und Grigoleit. „Am besten wir machen unser Bier selbst!“ Es gab glückliche Umstände bei der Geburt des Tölzer Stegbräus, der seinen Namen übrigens wie viele Brauereien vom Standort hat: nahe am Tölzer Isarsteg.

Laschka, gelernter Bankkaufmann, ist im Haager Schwarzpulver-Verein, wo auch Alois Unertl Mitglied ist und Nachhilfe bei der Produktion eines neuen Zielwassers geben konnte. Grigoleit, von Beruf Schlosser, stellte den 80-Liter-Sudkessel, den Läuterbottich mit Siebboden sowie weiteres Brauwerkzeug her, das bis heute im Dienst ist. Eifriges Bücherstudium und zahlreiche Selbstversuche im kleinen Kreise folgten, bis die beiden Klein-Brauer ihre ganz individuelle Note für ein naturtrübes, dunkles Winzerer-Weißbier gefunden hatten. Das unterscheidet sich heute nur noch durch die natürlichen Schwankungen bei den Zutaten wie Malz und Hopfen.

Und: Was ist jetzt das Spezielle am Tölzer Stegbräu? Laschka sucht kurz die richtigen Worte: „Es hat wenig Kohlensäure und ist eher mild.“ Und, fügt er an, „bei den Frauen ist es sehr beliebt“. Der Stegbäu hat mehrfach beim beliebten Tölzer Leonhardimarkt im Stadtmuseum für die Besucher gebraut. Eine Berlinerin, so erzählt der Bräu, sei eigens mit einer traditionellen Bügelflasche wiedergekommen, um das Tölzer Fassbier abzufüllen und in die Heimat mitzunehmen.

Womit man bei einer weiteren Eigenheit des Stegbräus ist. Es gibt die Winzerer-Weiße nicht in der Flasche, sondern nur im Fass. Geordert wird das Bier für alle möglichen Anlässe. Private Events, Partys und Geburtstagsfeiern sind das eine. Es gibt aber auch offizielle Veranstaltungen, wo der Stegbräu ausgeschenkt wird. Noch heute erinnert sich Laschka gerne an die mobile Brauerei, die einst in der Achensee-Dampfzahnradbahn Gerstensaft herstellte. Auch bei der 850-Jahrfeier in München hielt der Stegbräu die Fahne der Tölzer Brauereien hoch. Die Nachfrage, sagt der kaufmännische Direktor Christoph Laschka, sei so groß, dass man ständig brauen könnte. „Da bräuchte ich gar nicht mehr in die Sparkasse zu gehen.“

Fast wäre der Stegbräu sogar mal in die Luft gegangen. In der Probephase des A 380 besichtigten die Stegbräu-Chefs ein mit Technik vollgestopftes Testflugzeug und loteten aus, ob man die mobile Brauerei auch in einem Super-Airbus in Betrieb nehmen könnte. Nötig ist dazu aber auch eine Gasflasche. Und das Risiko, erzählt Laschka, war den Flugzeugbauern dann doch zu groß.

In der kleinen Hausbrauerei werden pro Jahr zwei bis fünf Hektoliter gebraut. Jeder Brauvorgang ist ein Ereignis, wo Familie oder Freunde mit dabei sind. Oder „Miss Stegbräu“ höchstpersönlich. Die gibt es nämlich auch. Zurzeit heißt sie Magdalena Ranftl aus Schlegldorf. Die darf hübsch sein, ist es auch, aber das reicht zur Qualifikation noch lange nicht. Gewählt wird Miss Stegbräu nämlich nicht, sondern sie muss eine Prüfung absolvieren: einen erfolgreichen Brauvorgang nämlich. Die 17-Jährige hat für ihren Bruder ein 30-Liter-Banzl Bier gebraut, als der aus Australien zurückkehrte.

Es ist also gar nicht so einfach, den edlen Gerstensaft, Marke Stegbräu, zu verkosten. Doch: Man muss nur schnell ein „Bretonenfreund“ werden. Der gleichnamige Wackersberger Verein hat in dieser Woche eine Besuchergruppe aus der Partnergemeinde Yffiniac zu Gast und wird am Freitag, 11. Juli, für sie ein Sommerfest ausrichten. Da schenkt dann Miss Stegbräu auch das Tölzer Bier aus und wünscht allen Besuchern „Prost!“ Christoph Schnitzer

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