Auf diesen Funkmast in Gaißach sollen nach dem Wunsch des Innenministeriums noch Sendeanlagen für den Behördenfunk. Vor Ort regt sich Widerstand. Foto: arp

Ärger über Behördenfunk

Gaissach - Auf den Funkmast in Gaissach könnte nach dem Willen des Innenministeriums eine Sendeanlage für Behördenfunk kommen. Dagegen regt sich nun Widerstand.

Eine Reihe von Bürgerinitiativen hat sich bayernweit gegen die Einführung des digitalen Behördenfunks gegründet. Im Landkreis, wo 15 Standorte für Sender vorgesehen sind, war bislang kaum Protest vernehmbar. Doch in Gaißach regt sich jetzt Widerstand.

Ein bestehender Mast in Gaißach-Dorf ist als Sender-Standort für den digitalen Behördenfunk vorgesehen. Von dort aus sollen in Zukunft Signale für „Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“ (BOS) ausgestrahlt werden, also etwa Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst. So bekam es Bürgermeister Nikolaus Trischberger vor etwa einem Jahr mitgeteilt - seitdem aber herrschte nach seinen Angaben Funkstille.

Erst als der Tölzer Kurier beim Innenministerium konkret nachfragt, teilt Sprecher Markus Dengler mit, dass der Gaißacher Mast des Bayerischen Rundfunks weiter der „favorisierte Standort im Suchkreis Bad Tölz“ und als solcher „unverzichtbar“ sei, denn: „Von dort kann die Stadt Bad Tölz mit ihrem Umfeld sowie der Anschluss in Richtung Süden nach Lenggries ausreichend versorgt werden.“ Mit der Kommune stehe man diesbezüglich „in einem engen Austausch“, wird behauptet.

Direkten Kontakt gab es Anfang des Jahres mit drei Gaißacher Grundbesitzern. Einer davon ist Andreas Dachs, der für die geplanten Bauarbeiten auf einem rund 30 Meter langen Stück Wegerecht zum Mast gewähren müsste. Den entsprechenden Vertrag hat der Bauer allerdings nicht unterschrieben - und hat es auch nicht vor. „Bei dem Mast wird immer mehr draufgebaut - zum Beispiel Mobilfunk und Funk-DSL. Irgendwann ist einfach Schicht im Schacht“, sagt er. Dabei sieht sich der Landwirt keinesfalls als militanter Funk-Gegner. „Ich will das Rad der Zeit nicht zurückdrehen“, betont er. Allerdings hätten ihn Berichte über mögliche Gesundheitsgefährdungen durch die gepulste Strahlung des Tetra-Funks „aufgeschreckt“. Entsprechende Zeitungsartikel hat er kopiert und an die Nachbarschaft sowie den Bürgermeister und einige Gemeinderäte verteilt. Dachs findet es „ungerecht“, dass immer dieselben Bürger belastet würden. Selbst wohnt er 350 Meter von dem Mast entfernt.

Eine ähnliche Haltung hat Dachs’ Nachbar Christopher Hummel. Er lebt mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern zwar ein Stück weiter weg, aber „vom Schlafzimmer aus haben wir direkte Sicht auf den Mast, und wir liegen genau in der Strahlrichtung“, sagt er. „Ich benutze auch Telefon, Radio und Fernsehen, da wäre es egoistisch zu sagen, ich will den Mast bitte nicht bei uns haben“, erklärt der Apotheker. Er fordert aber, dass die Bevölkerung konsequent aufgeklärt wird, was genau in Gaißach geplant ist. Und was mögliche Folgen für die Anwohner sein könnten. Zudem bezweifelt Hummel, dass die Entscheidung des Freistaats für die Tetra-Technik richtig ist. Kritiker bezeichnen diesen Standard als veraltet und strahlungsintensiv.

Bürgermeister Trischberger zeigt Verständnis für die Sorge der Bürger um ihre Gesundheit. „Das darf man auf keinen Fall außer Acht lassen“, sagt er. Allerdings merkt er auch an: „Man muss zugeben, dass der Mast objektiv ein günstiger Standort ist.“ Als Entscheidungsgrundlage lässt der Rathauschef lediglich „objektive Mess- und Grenzwerte“ gelten. „Alles andere sind Mutmaßungen.“ Das sieht Andreas Dachs anders. „Die gesundheitliche Beeinträchtigung ist immer subjektiv.“

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