Erlebt gerade ein Comeback: Die Langspielplatte.
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Erlebt gerade ein Comeback: Die Langspielplatte.

Die Langspielplatte wird 70 - Landkreis-Promis gratulieren

Alles Gute, schwarzes Gold!

Fast auf den Tag genau vor 70 Jahren wurde die erste Langspielplatte in Deutschland auf der Düsseldorfer Musikmesse vorgestellt. Ist der Geburtstag nun ein Anlass zur Trauerbekundung – oder doch zum Beglückwünschen?

Bad Tölz-Wolfratshausen – Lange Zeit dominierten die schwarzen Scheiben den Musikmarkt, bis sie vor 30 Jahren von der CD abgelöst wurden. Wir haben uns bei einigen Landkreisbürgern umgehört.

Willi Streicher

„Ich muss zugeben, dass ich meinen Schallplattenspieler abgebaut und den größten Teil meiner Plattensammlung verkauft habe“, gesteht Willi Streicher, Stadtrat, Schlagzeuger und Pressesprecher der Sparkasse. „Knapp 50 LPs habe ich aufgehoben, aber mehr aus emotionalen Gründen oder als Kunstwerke. Heute höre ich CD, im Urlaub auch iPod und generell immer mehr Streaming. Das Angebot steigt ja täglich und die mobile Nutzung ist schon klasse.“ An seine erste LP erinnert sich Streicher indes noch sehr gut: Das waren die „Greatest Hits“ von „Nazareth“. Die hat sich der 14-Jährige „eisern erspart – und gekauft in Bad Tölz beim Elektro Müller“. Von dieser LP hat er sich natürlich nicht getrennt. Und generell findet Streicher: „Ein Album ist ein Gesamtkunstwerk, angefangen vom Cover, dem Innencover, die Schallplatte selbst und dann der Klang. Deshalb denke ich, die Schallplatte ist nicht totzukriegen. Ich wünsche ihr noch ein recht langes Leben!“

„LP liegt wieder im Trend“

Landrat Josef Niedermaier war etwa sechs Jahre alt, als er seine erste LP geschenkt bekam: Klassische Kinderbildung und -unterhaltung mit „Peter und der Wolf“. Diese Musik begleite ihn bis heute. „Aber die Schallplatte ist irgendwann untergegangen“, gesteht der Landrat. Seine etwa 400 CDs hat er immer digital auf dem iPhone dabei. „So sind sie zuhause wie unterwegs im Auto verfügbar. Das ist praktisch und bequem.“ Seine alten Schallplatten hat er nicht aufbewahrt. Aber wie alles, was Retro und Vintage sei, liege auch die LP wieder im Trend. „Liebe Schallplatte, du hast mich in meiner Jugend und auch weit darüber hinaus mit Musik versorgt, dafür ein großes Danke und alles Gute zum 70.“, hebt Niedermaier zu seinem Glückwunsch an. Mit einem Augenzwinkern hofft er, „dass auch mir in diesem Alter so ein Attraktivitätsschub zu Teil wird. Wie hast du das nur gemacht? Das Geheimnis würde sicher viele interessieren...“

 Andreas Pehl

Bei dem in Lenggries lebenden Sänger und BR-Autor Andreas Pehl lag als erstes der rothaarige Münchner Kobold Pumuckl auf dem Plattenteller. Mit sechs Jahren bekam Pehl die Platte geschenkt und hat sie ebenfalls gut verwahrt. Und wie hört der Profi heute Musik: auf Tonträgern oder gestreamt? „Wie’s grad kommt, meist aber auf Tonträger“, erzählt er. Nebenbei läuft Musik im Hause Pehl übrigens eher selten. „Ich höre schon gezielt, nur keinen Pumuckl mehr“, stellt der Sänger klar. Das überlässt er mittlerweile seinen Töchtern.

„Nischendasein der Schallplatte ist seit ein paar Jahren vorbei“

Andreas Rammler, Bürgermeister von Sachsenkam und Musiker bei Scorefor, bekam seine erste Platte als 14-Jähriger: „Scorpions – Crazy World. Und zwar im Tausch gegen eine CD von Genesis.“ Einige Jahre hat ihn diese LP begleitet. Und sie müsste, so vermutet er, „in einer meiner ‚Schatzkisten‘ im Dachboden weiterleben“. Wenn er heute Musik hört, dann zu 90 Prozent gestreamt. „Die grenzenlose Auswahl, Verfügbarkeit, Flexibilität und Bequemlichkeit sind einfach unschlagbare Vorteile des Streamens“, erklärt Rammler. Befragt, ob die Schallplatte ihre besten Jahre unwiderruflich hinter sich habe, widerspricht er vehement: „Das Tief beziehungsweise Nischendasein der Schallplatte ist seit ein paar Jahren vorbei.“ Daher hat er folgenden Glückwunsch parat: „Alles Gute, schwarzes Gold – und auf dass du noch viele weitere Jahre mit 33 Umdrehungen pro Minute die Menschen in den Bann ziehst.“

„Keep on Rocking!“

Wolfgang Ramadan, seines Zeichens Musiker, Autor und Impressario, hat sich als fünfjähriger Bub in seine erste LP verliebt: Sie gehörte seinen Eltern und präsentierte „Karl Valentin und Liesl Karlstadt – Im Gärtnerplatztheater“. Die Platte hat er zwar nicht mehr. „Aber Karl Valentin und Liesl Karlstadt begleiten mich bis heute. Das Bürgerhaus Unterföhring durfte ich eröffnen mit meiner Inszenierung von: ‚Die Orchesterprobe – war die gestern oder im 2. Stock‘“, erzählt der umtriebige Tausendsassa. Seine Plattensammlung hat aber auch er mittlerweile durch CDs ersetzt. „Und die befinden sich alle auf meinem Smartphone. Denn so habe ich den besten DJ, den ich mir vorstellen kann. Über 5000 Titel, die in zufälliger Folge abgespielt werden, bereiten mir immer eine große Freude, Anregung und Entspannung im Alltag.“ Dabei höre er meistens gezielt, aber auch gerne im Auto oder beim ungeliebten Aufräumen des Schreibtisches oder der Küche. „Dann geht alles sofort leichter von der Hand!“ Auch Ramadan sagt der LP eine zweite Karriere voraus: „Sie startet gerade neu durch. Ich selbst bringe demnächst auch eine Platte auf Vinyl raus: Ramadan Best – 30 Jahre Rap, Songwriting & Lyrik.“ Sein Glückwunsch an das Geburtstagskind lautet: „Keep on Rocking!“

Sabine Näher

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