Die perfekte Welle – Jugendliche haben im Alpamare Spaß, aber insgesamt kommen immer weniger Besucher.

Alpamare: Spaßbad wird zur Edel-Therme

Bad Tölz - Nicht nur Spaß, sondern auch Spa: Auf diese Formel will das Tölzer Bad Alpamare in Zukunft setzen. Die Stadt Bad Tölz ist bereit, den Anbau eines Wellness-Trakts mit bis zu 2,4 Millionen Euro zu unterstützen.

Unter dem Namen „Tölzer Quellen“ firmieren die Pläne des Alpamare-Betreibers, der Tölzer Jodquellen AG. Demnach sollen der Eingangsbereich, ein bestehender Vortragsraum und der Keller des heutigen Spaßbades in eine Gesundheits- und Wohlfühllandschaft auf 4500 Quadratmetern umgebaut werden. Das Betriebskonzept sieht vor, dass den Gästen mit dem „Tölzer-Quellen-Parcours“ ein „Entspannungsritual“ nach dem Vorbild des türkischen Hamam oder des Römisch-Irischen Dampfbads geboten wird, eine „Symbiose verschiedener Badekulturen“, wie es Jod-AG-Geschäftsführer Anton Hoefter nennt. Zwei Dampfbäder, ein Warmluft- und ein Heißluftbad, Seifenmassage und ein Sprudelbad stünden auf dem Programm – alles im gehobenen Stil.

Hintergrund des Vorstoßes: Das Spaßbad Alpamare – bei der Eröffnung 1970 noch richtungsweisend – hat in seiner jetzigen Form wohl keine Zukunft. Trotz laufender Wartungen: Äußerlich wirkt dort vieles altbacken. Gleichzeitig rüstet die Konkurrenz auf: Das Alpamare hat starke Mitbewerber im Münchner Umland, allen voran die Therme Erding. Die Besucherzahl des Tölzer Spaßbads sank seit dem Jahr 2000 um 44 Prozent.

Die „Tölzer Quellen“ sollen neben Familien nun eine neue Zielgruppe anlocken – als „Boutique und kein Massenprodukt“, sagt Hoefter. Das Alpamare mit seinen Rutschen und dem Wellenbad bleibt bestehen. Aber es hätte dann nicht mehr ganzjährig, sondern nur noch „an circa 250 Tagen im Jahr“ geöffnet – vornehmlich „an den Wochenenden, Feiertagen, Ferienzeiten etc.“, wie es im Konzept heißt. Dies geschehe, „um entsprechend Kosten zu reduzieren“. Der Betreiber kalkuliert mit jährlich 140 000 Gästen im Spaßbad und weiteren 130 000 im Wellness-Bereich.

Geschätzte fünf Millionen Euro müsste Hoefter für den Anbau und eine Sanierung des Alpamare in die Hand nehmen. Allein aber könne die Jod AG die Investition und die Betriebskosten nicht stemmen, machte Hoefter im Vorfeld klar. Ein Anlauf, alle Tölzer Beherbergungbetriebe an dem Projekt zu beteiligen, fand keine Resonanz. Nun wirbt Hoefter um einen Zuschuss aus der Stadtkasse in Höhe von 2,4 Millionen Euro. „In Deutschland gibt es kaum ein Freizeitbad, das keine kommunale Hilfe bekommt“, argumentiert der Jod-AG-Chef.

Diesem „größten Tölzer Konjunkturpaket“, wie es in der Sitzung hieß, hat der Tölzer Stadtrat am Dienstagabend grundsätzlich zugestimmt. Das Gremium beauftragte die Verwaltung zu prüfen, in welchem rechtlichen und vertraglichen Rahmen eine solche Unterstützung überhaupt möglich wäre. Weitgehend einig waren sich die Räte aber, dass das Alpamare als wichtiger Werbeträger erhalten bleiben muss – und dass Bad Tölz dringend einen neuen Anziehungspunkt braucht. Das Kurwesen in seiner alten Form gibt es nicht mehr, seit Jahren kämpft Tölz mit einem Rückgang der Übernachtungen und Beherbergungsbetriebe. Schon lange sucht die Stadt nach einer klaren touristischen Neuorientierung. Sogar eine „Visionsrunde“ wurde dazu eigens einberufen. Die „Tölzer Quellen“ sind bislang die klarste Vision fürs Tölzer Kurviertel.

Andreas Steppan

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