Von hier aus gehen künftig Briefe und Pakete auf die Reise: Investorin Amanda Reiter errichtet an der Wegscheider Straße einen Zustellstützpunkt für die Post. Eine Besonderheit: Das Gebäude ist komplett energieautark. Foto: Pröhl

Amanda Reiter baut neuen Zustellstützpunkt

Hier geht in Lenggries bald die Post ab

Lenggries - Eigentümerin Amanda Reiter baut einen neuen Zustellstützpunkt für Briefe und Pakete in Lenggries. Für Strom und Heizung sorgt sie dabei selbst.

Lenggries – Von hier aus werden Tag für Tag Postboten und Paketzusteller in alle Lenggrieser Gemeindeteile und in die Jachenau ausschwärmen: An der Lenggrieser Reiter-Säge baut Eigentümerin Amanda Reiter derzeit einen neuen Zustellstützpunkt für die Deutsche Post. Besonders stolz ist sie auf eine Besonderheit: Das Gebäude ist völlig energieautark, versorgt sich selbst zu 100 Prozent mit Strom und Heizenergie aus regenerativen Quellen – ganz emissionsfrei.

„Ich brauche kein Gas, kein Heizöl, kein Holz und keinen Atomstrom“, stellt Amanda Reiter zufrieden fest. Gerade in der Ukraine-Krise zeige sich doch, dass es gut sei, unabhängig von russischem Gas zu sein. Holz solle man als Baustoff verwenden und nicht verbrennen, Öl sei eine knappe Ressource, um die Kriege geführt werden. „Deutschland ist ein Hightechland – das ist es, was wir nutzen müssen“, findet die Geschäftsfrau (47).

Und damit geht sie bei ihrer eigenen Immobilie in Lenggries mit gutem Beispiel voran. Auf dem Dach des Sägewerks an der Wegscheider Straße hat sie schon vor zwei Jahren eine Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 115 Kilowatt Peak installiert. Für den eigenen Betrieb, das Büro und das Wohnhaus reicht die gewonnene Energie dicke, den Großteil speist sie ins Netz ein. So ist es ihr auch ein Leichtes, den neuen Zustellstützpunkt der Post mitzuversorgen.

Eine Besonderheit: Der Strom vom Dach dient zusätzlich zum Heizen, denn er treibt eine Luft-Wasser-Wärmepumpe an. Dabei handelt es sich um eine Anlage, die der umgebenden Luft Wärme entzieht und diese an den Heizungs- beziehungsweise Warmwasserkreislauf abgibt – verstaut in einem sehr übersichtlichen Heizraum.

„Die Koppelung mit der Fotovoltaik ist ideal“, so Amanda Reiter. Logisch: Die Wärmepumpe ist am effizientesten, wenn die Sonne scheint und die Luft erwärmt – genau zur selben Zeit also, wenn auch die Fotovoltaikanlage den Strom liefert. Die Nächte und einige finstere Tage überbrückt ein großer Pufferspeicher. „Und für alle Fälle, wenn es im Winter ganz extrem wird, habe ich ein Blockheizkraftwerk als Backup-System.“

Passend dazu hat Amanda Reiter eine intelligente Haussteuerung für Beleuchtung und Heizung programmiert – so wird die Temperatur in der Halle nach Schichtende abgesenkt, rechtzeitig vor Dienstbeginn wird wieder aufgeheizt. „In die intelligente Steuerung fließt auch der Wetterbericht aus dem Internet ein“, erklärt sie. „Soll das Wetter schlechter werden, holt sich die Anlage vorher noch mehr Sonnenenergie vom Dach.“

Das Programmieren solcher Haussteuerungen und Softwareentwicklung sind mittlerweile die Haupttätigkeitsfelder der Lenggrieserin. Im 1930 von ihrem Großvater gegründeten Sägewerk betreibt sie nur mehr in geringerem Umfang Holzhandel, Mitarbeiter gibt es hier keine mehr. Der Zustellstützpunkt, den sie nach der Fertigstellung ab Oktober an die Post vermietet, soll für sie ein weiteres wirtschaftliches Standbein werden. Mit dem Gelben Riesen zusammengekommen ist sie übrigens schlicht, indem sie im Internet inserierte. „Da haben sich viele Interessenten gemeldet, unter anderem ein Mozzarella-Hersteller aus Italien“, erzählt sie. Lieber war ihr aber doch, das von der Reiter-Säge aus die Post abgeht. Andreas Steppan

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