Die von Pater Thomas Astan (2 .v. li.) initiierte Gesprächsreihe stieß gleich auf großes Interesse. Die ersten Gäste waren (v. li.) Joachim Jauer. Weihbischof Reinhard Hauke und Dieter Kronzucker. Foto: bib

Anstoß zur Wiedervereinigung kam aus Polen

Benediktbeuern - In der neuen Reihe "Signale aus Benediktbeuern" ging es um die deutsche Wiedervereinigung.

Initiator Pater Thomas Astan kam im Februar 2015 aus Berlin, wo er die Künstlerseelsorge leitete. Mit den „Signalen“ will er gemeinsam mit dem ZUK ein Forum schaffen für aktuelle Themen und dazu prominente Vertreter der Kirchen und Medien, aus Philosophie, Politik und Literatur einladen.

Neben dem Hauptthema 25 Jahre deutsche Wiedervereinigung kamen die renommierten Referenten auch auf die Flüchtlingsdebatte zu sprechen. Astans Gäste stammten wie er selbst aus den Medien: Journalist Dieter Kronzucker rief das „heute journal“ ins Leben, Joachim Jauer ist bekannt als Moderator von „Kennzeichen D“. Der Erfurter Weihbischof Dr. Reinhard Hauke ergänzte das Podium als Kirchenvertreter.

Alle drei schöpften reichlich aus ihren bewegten Werdegängen und boten dem Publikum im vollen Barocksaal einen hochinteressanten Abend, der statt den geplanten zwei Stunden fast drei dauerte.

Es wurden Gespräche über die Vorgeschichte des Mauerfalls und über Wertevermittlung heute. Jauer war „der festen Überzeugung“, dass die Wende mit der Wahl Karol Wojtylas zum Papst 1978 begonnen habe. Die polnische Gewerkschaft „Solidarnosc“, die acht Millionen Mitglieder gezählt habe, wäre ohne den Papst nicht entstanden. „Ausgerechnet Polen war von Anfang an für die Wiedervereinigung“, berichtete der ehemalige DDR-Korrespondent, der das Buch „Urbi et Gorbi“ verfasste.

Ein Zuhörer konfrontierte Weihbischof Hauke mit dem Vorwurf, die katholische Kirche sei zu zurückhaltend in Zeiten der DDR und nach der Wende gewesen. Hauke antwortete pragmatisch: „Es waren erst über zehn Jahre Nationalsozialismus, dann vierzig Jahre DDR, was sollte da kommen, um bekehrt zu werden?“ Nur acht Prozent Katholiken zähle Thüringen heute. Der durch sein katholisches Elternhaus geprägte gebürtige Weimarer gründete als Erfurter Dompfarrer vor 18 Jahren die „Feier zur Lebenswende“, um die inhaltslos gewordene Jugendweihe der DDR zu füllen. Heuer nahmen in Halle 500 Jugendliche daran teil.

Zur Wertevermittlung im vereinten Deutschland angesichts tausender muslimischer Flüchtlinge im Land sagte Kronzucker, Freiheit und Gleichheit seien schwer zu vermitteln, „aber die Brüderlichkeit müssen wir wie eine Fahne vor uns hertragen.“ Deutschland müsse klar machen, dass der Schutz des Staates Israel deutsche Staatsräson sei. Es müsse auch weiter über alltägliche Probleme wie die Gleichberechtigung der Frau geredet werden.

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