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Garantiert ohne Chemie und lange Transportwege: Johann Kappelsberger aus Helfertsried berät eine Kundin beim Christbaumkauf. 15 Jahre braucht eine Nordmanntanne, bis sie Zimmergröße erreicht hat.

Augen auf beim Christbaumkauf

Bad Tölz-Wolfratshausen - Weihnachten ohne Christbaum ist für viele unvorstellbar. Fast überall hat der Verkauf begonnen. Denn offiziellen „Bayerischen Christbaum“ gibt es im Landkreis aber nur auf Gut Waltersteig, in Helfertsried und in Schlehdorf.

Vier Millionen Christbäume werden jedes Jahr in Bayern verkauft, schätzt der Verein der Bayerischen Christbaum-Anbauer auf seiner Internetseite. Ein Großteil davon kommt laut Ritter Vollrad von Poschinger aus Skandinavien. „Zum Teil werden diese Bäume schon Wochen vorher gefällt und sind chemisch behandelt.“ Für Poschinger unvorstellbar: Auf seinem Gut Waltersteig (nahe Eurasburg) können die zukünftigen Besitzer ihre Tannen mit dem Prädikat „Bayerischer Christbaum“ selbst fällen. Lange Transportwege oder Chemie sind tabu. „Jedes Jahr pflanzen wir 500 Bäume auf 2,5 Hektar nach“, erklärt Poschinger. „Aber ich habe immer Sorgen, dass nicht genug Christbäume nachwachsen, denn nicht jeder Baum entwickelt sich gut.“ Schließlich braucht eine Nordmanntonne laut dem Experten 15 Jahre, bis sie Zimmergröße erreicht hat. Noch bis Mittwoch, 23. Dezember, können Christbaum-Fans auf Gut Waltersteig zwischen 9 und 13 Uhr selbst zur Säge greifen, am vierten Adventswochenende sogar von 9 bis 17 Uhr. Der Meter Nordmanntanne kostet 22 Euro, Blautannen sind ab einem Meterpreis von 15 Euro zu haben. Neben Poschinger setzten im Landkreis auch die Familie Kappelsberger in Helfertsried und Benedikt Wohlfahrt aus Schlehdorf auf das rot-goldene Zertifikat „Bayerischer Christbaum“, das die Herkunft sowie den Verzicht auf chemische Mittel garantiert. Trotz der hohen Nachfrage nach Christbäumen geht Wohlfahrt davon aus, dass der Bedarf aus bayerischen Ressourcen gedeckt werden könnte. „Das müsste mehr propagiert werden.“ Denn die Umweltbelastung durch die Transporte von Skandinavien nach Bayern sei enorm. „Es gibt immer genug Bäume, denn für jeden, der herausgenommen wird, wird ein neuer gepflanzt.“

Ebenso verfährt Familie Kappelsberger bei Helfertsried nahe Dietramszell. „Nordmanntanne und Blaufichte nadeln nicht“, erklärt Rosmarie Kappelsberger. „Wenn sie frisch geschlagen sind, bleiben sie über Weihnachten auch frisch.“ Ein Meter Nordmanntanne kostet zwischen 18 und 25 Euro, ein Meter Blaufichte etwas weniger, „aber das kommt auf den Baum an.“

Einfach selbst loszuziehen und einen Christbaum zum Nulltarif zu schlagen, ist außerhalb von Gut Waltersteig aber verboten, mahnt der Tölzer Forstbetriebsleiter Rudolf Plochmann. „Das ist wie Rosen in Nachbars Garten abschneiden.“ Der ideale Baum gedeihe ohnehin nicht im Wald, sondern in der Kultur. „Sonst wachsen Äste und Nadeln, wenn sie verschattet sind, eher einseitig.“

Aber nicht alle Bäume in der Nähe eines Supermarkts müssen aus Skandinavien sein, wie die Fischhabers in Gaißach beweisen. Die Familie verkauft dort seit 18 Jahren zwischen „Sportfundgrube“ und einem Supermarkt Christbäume aus Niederbayern. „Wir unterstützen nicht die Skandinavier“, sagt Sybille Fischhaber. „Diese Bäume sind nicht chemisch behandelt.“ Die Tannen kosten zwischen 15 und 49 Euro, geöffnet ist (außer sonntags) von 8.30 bis 17.30 Uhr. Bislang halte sich die Kauflaune der Bürger aber in Grenzen, sagt Fischhaber. „Etwas Kälte und ein paar Flocken täten dem Geschäft schon gut.“

Birgit Botzenhart

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