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Der in Tölz lebende Maler Heinz Stoewer realisierte diese Ausstellung auf Vorschlag von Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker. Stoewers Ölbilder sind großflächig und farbintensiv und drehen sich auch um die Frage, welchen Körperkult unsere Gesellschaft heute pflegt. 

Ausstellung zu Thomas Mann

„(Un)mögliche Versuchungen“

Diese Ausstellung wäre vor 100 Jahren noch undenkbar gewesen: In 20 Ölbildern setzt sich der Maler Heinz Stoewer mit der sexuellen Identität von Thomas Mann auseinander. 

Bad Tölz– Wenn an diesem Wochenende in Bad Tölz die Jahrestagung der Thomas-Mann-Gesellschaft stattfindet, ist die Kurstadt um eine Ausstellung reicher: Der Maler Heinz Stoewer reflektiert und visualisiert die Gedankenwelt des Schriftstellers in Bezug auf dessen sexuelle Identität. Zudem befasst sich Stoewer mit der Veränderung der Lebenssituation von homosexuellen Menschen in den vergangenen 100 Jahren. Die Ausstellung trägt den Titel „(Un)mögliche Versuchungen“. Museumsdirektorin Elisabeth Hinterstocker hatte Stoewer damit beauftragt.

Gedankliche Basis dieser Ausstellung ist Manns Novelle „Tod in Venedig“, in dem der alternde Schriftsteller Gustav von Aschenbach während eines Venedig-Aufenthalts der Liebe zu dem jungen Knaben Tadzio verfällt. Stoewer hat dieses Thema weiterentwickelt und beschäftigt sich mit männlichem Körperkult.

„Ich habe versucht, mich in die Gedankenwelt Thomas Manns hineinzuversetzen“, sagt Stoewer. Er habe versucht, zu visualisieren, was Thomas Mann gesehen hätte oder gesehen haben könnte, wenn man statt 1917 das Jahr 2017 geschrieben hätte. Aus dem Knaben Tadzio ist in Stoewers Bildern allerdings ein junger Mann geworden. „Ich wollte das Thema Homosexualität von der Pädophilie lösen.“

Heutzutage, sagt Stoewer, werde die Gesellschaft von Bildern mit perfekten Körpern überflutet. „Ich will hinterfragen, was das mit uns macht.“ Die einen würden sich dem Druck beugen, die anderen sich die Freiheit nehmen zu sagen: „Ich bin, wie ich bin.“ Die Feststellung, welcher Weg der schwierigere sei, möchte Stoewer jedem selbst überlassen: „Ich weiß nicht, ob es leicht ist, sich viermal die Woche ins Fitnessstudio zu quälen und auf den Genuss bestimmter Lebensmittel zu verzichten.“

Stoewer hat 20 zumeist großformatige Ölbilder geschaffen. Vieles ist real, einiges abstrakt. Manches werden Besucher vielleicht als provozierend empfinden. „Jeder hat die Freiheit wegzusehen“, sagt Stoewer dazu.

Apropos: Dass diese Ausstellung vor 100 Jahren nicht möglich gewesen wäre und man den Künstler dafür auch heute noch in einigen Ländern ins Gefängnis stecken würde, dieser Tatsache ist sich Stoewer bewusst. Eine kleine Installation macht darauf aufmerksam: In sieben Ländern in Afrika und Asien wird offen gelebte Homosexualität noch heute mit dem Tode bestraft. Und auch hierzulande, ist sich Stoewer sicher, hat die Offenheit ihre Grenzen: „Es endet spätestens dann, wenn der eigene Sohn oder die Tochter die Eltern damit konfrontiert.“

Was hat Stoewer beim intensiven Studium von Thomas Mann Neues entdeckt? „Ich wusste bislang nicht, dass über seinem Schreibtisch das Bild ,Die Quelle‘ hing, das drei nackte Jünglinge zeigt.“ Er denke, sagt Stoewer, dass auch der Schriftsteller ein Mann gewesen sei, der versucht habe, nach außen die Fassade zu wahren.

Weitere Infos

Die Ausstellung „(Un)mögliche Versuchungen“ wird am Samstag, 16. September, um 19 Uhr im Tölzer Stadtmuseum eröffnet. Dort ist sie bis zum 3. Oktober täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

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